25. Ausgabe auf dem Rosenauplatz

Piazza-Flair beim Weinfest in Neu-Isenburg

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Die Neu-Isenburger haben ihr Weindorf schnell in Besitz genommen. Binnen weniger Stunden waren freie Plätze rar gesät.  

Neu-Isenburg - Große „Silberhochzeit“ zwischen Winzern und Weingenießern in Neu-Isenburg: Zum 25. Mal kommen beide Seiten zusammen, um den Rosenauplatz in eine lauschige Piazza zu verwandeln. Von Leo F. Postl 

Wer sich einmal durchs Sortiment testen möchte, hat einiges zu tun: 24 Winzer halten ihre guten Tropfen vor. Gelegenheit zum Festbesuch ist noch bis kommenden Sonntag. In der Stadtverwaltung blickte man vor 25 Jahren etwas neidisch zum großen Nachbarn: In Frankfurt gab es seinerzeit Feste zuhauf, während die Hugenottenstadt mit nichts Vergleichbarem aufwarten konnte. Dieter Staak war es, der damals mit der Idee eines Weinfests kam – und sich auch von Zweiflern nicht entmutigen ließ. Als geeigneter „Festplatz“ wurde der Bereich um die Hugenottenhalle ausgemacht. Und das Konzept funktionierte tatsächlich: Weinproduzenten aus dem Rheingau, Rheinhessen, der Bergstraße und Groß-Umstadt ließen sich nicht lange bitten und so manch Isenburger ließ seinen Ebbelwoi stehen und wurde Weingenießer, ja Weinkenner.

Das ist nun 25 Jahre her. Kulturdezernent Theo Wershoven war es am Freitag vorbehalten, das Jubiläumsweinfest zu eröffnen: „Das Glück, nach dem wir streben, die Kunst, stets sorgenfrei zu sein, keimt wunderbar im Saft der Reben“, trug er beschwingt vor. Traditionell waren auch die Weinhoheiten aus Groß-Umstadt, Weinkönigin Saskia und die beiden Prinzessinnen Isabell und Michelle, zur Weinfesteröffnung gekommen. Trotz durchwachsenen Wetters füllten sich die Bankreihen zum Auftakt ruck, zuck. „Das letzte Mal hatten wir Fächer dabei, diesmal halt einen Schirm, aber ich glaube, den brauchen wir gar nicht“, meinte eine treue Weinfestbesucherin.

Das Wochenende bestach dann mit lauen Abenden, an denen das wechselnde Lichtspiel unter Regie von Ralph Schrod, Technik-Chef der Hugenottenhalle, erst richtig zur Geltung kam. An beiden Tagen waren kaum freie Sitzplätze zu ergattern. Vor den Verkaufsständen bildete sich die eine oder andere Schlange; Zeit für einen Plausch über den Tresen blieb natürlich dennoch. Etwa beim Verkäufer-Team aus der Partnerstadt Bad Vöslau – seit vielen Jahren mit Bürgermeister Christof Prinz an der Spitze. Rechtzeitig eingetroffen waren übrigens auch deren drei Radler Manfred Petrowitz, Gerald Haas und Andreas Eitler, die sich auf den 948 Kilometer langen Weg nach Isenburg gemacht hatten (wir berichteten). Ihre Weinspezialitäten hatte die österreichische Abordnung freilich mit dem Auto gebracht.

Bilder: Weinfest 2016 in Neu-Isenburg

Stammverkäufer der ersten Stunde ist unter anderem das Weingut St. Michaelshof aus Abenheim. „Ich weiß noch genau, ich war der dritte Bewerber für das Weinfest, habe mir die Örtlichkeit angesehen und genau diesen Platz ausgesucht, an dem ich nun seit 25 Jahren stehe“, erinnert sich Inhaber Hans Helmut Boxheimer. Heute ist Tochter Jennifer – damals nicht mal geboren – angehende Winzermeisterin. Ebenfalls von Anfang an dabei sind Dr. Andreas Schreiber und seine Frau Carmen aus Abenheim, das Weingut Reis & Luff aus Aspisheim sowie das Weingut Bungert aus Bingen-Kempten. „Mir fällt nur auf, dass wir alle 25 Jahre älter geworden sind, sonst ist alles wie es immer war“, unkt Josef Bungert, der mit seiner Familie den „Laden“ auf dem Weinfest schmeißt.

Ein Wiedersehen über den Verkaufstresen hinweg gibt es Jahr für Jahr mit ebenfalls sehr verlässlichen Stammbesuchern. Die Treueste ist unbestritten Elke Schmitter. Vor zwei Jahren wurde sie bereits von Weinfest-Organisator Thomas Leber per Schärpe zur Besucher-Königin gekürt. Sie war nicht nur jedes Jahr beim Weinfest, sondern auch fast jeden Tag.

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