Radrouteninspektion

Tour zu Problemstellen: Sichere Strecken für Schüler im Fokus

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Die Gruppe beim Halt an der Goetheschule: Gerhard Cieslinski (Zweiter von links), der als Vertreter des Elternbeirats des Gymnasiums dabei ist, erklärt, welchen Weg seine Kinder zur Schule nehmen.

Neu-Isenburg - Politiker und Experten nehmen per Velo Stellen unter die Lupe, die als problematisch für Radler gelten, aber auch bereits umgesetzte Verbesserungen. Diesmal steht der Aspekt sicherer Routen für Schüler im Fokus der Radrouteninspektionstour.

Dabei zeigt sich: Während im Westen der Stadt das Radwegenetz bereits gut für Schüler aufgestellt ist, gibt’s im Osten noch Luft nach oben. Wie fahrradfreundlich ist Isenburg? Das will auch der lokale Ableger des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) wissen. Deshalb nutzt Franz Drews vom Verein die Begrüßung der Tour-Teilnehmer, um zur Teilnahme am Fahrrad-Klimatest aufzurufen. Die letzte Befragung dieser Art ist zwei Jahre her, damals landete Neu-Isenburg mit mageren Werten nur im Mittelfeld. „Seitdem ist das Radverkehrskonzept vom Parlament verabschiedet und die ersten Maßnahmen sind auch schon abgeschlossen“, schreibt Drews auf der Internetseite des ADFC. Geht es also in die richtige Richtung? Dies sollen die Isenburger bewerten, wenn sie sich zehn Minuten Zeit nehmen und den Fragebogen ausfüllen, der im Netz (www.fahrradklimatest.de) zu finden ist.

Dass es für Radler Tücken birgt, die Frankfurter Straße zu überqueren, zeigt sich gleich zu Beginn der Tour am Samstagnachmittag: Bürgermeister Herbert Hunkel, der gerade im Begriff ist, am Zebrastreifen die Hauptverkehrsader zu kreuzen, schreckt abrupt zurück, weil ein Autofahrer plötzlich Gas gibt und durchfährt – trotz der durchaus großen Gruppe auf der Mittelinsel. Aus der Kirchstraße kommend kreuzt das gute Dutzend Radler dann aber doch noch wohlbehalten die Frankfurter in Richtung Alter Ort. Rund 30 Meter rechts von der Ecke Kirchstraße liegt besagter Zebrastreifen mit Querungshilfe-Insel in der Mitte. Mehr kann man Fußgängern, abgesehen von einer Ampel, nicht anbieten – aber was machen die Radler? Gemäß Straßenverkehrsordnung müssen sie absteigen und über den Zebrastreifen schieben.

Die Realität sieht freilich oft anders aus. „Hier treffen gleich drei unterschiedliche Verkehrsteilnehmer aufeinander“, verweist Drews auf Motorisierte, Radler und Fußgänger. Da Schüler zudem oft in kleinen Gruppen per Rad zur Schule fahren, was durchaus empfohlen wird, aber eben nicht immer vom Rad steigen, gebe es gerade hier kritische Situationen. „Da hilft nur gegenseitige Rücksichtnahme“, sieht Cornelia Marburger vom Ordnungsamt derzeit die einzige Lösung. Gestartet ist die Gruppe am Rathaus, um von dort aus Schülerradrouten abzuklappern. Von besagter Problemstelle an der Frankfurter aus geht es weiter durch das holprige Luftgässchen und den Alten Ort gen Osten. Manche Schüler, die zur Goetheschule radeln, nehmen das Verbindungsgässchen zu den Schulwiesen, um dann weiter über die Straße Am Erlenbach und An den Grundwiesen zum Gymnasium zu gelangen. Dort verweist Drews auf das Fehlen jeglicher Markierungen für Radler, was gerade in diesem stark frequentierten Wohngebiet ein Problem sei. Eine Alternativroute wäre durch den Bansapark – was jedoch einen Umweg bedeutet, und damit Zeitverlust.

Vernetzt und kabellos: Digitalisierung des Fahrrads

Gerhard Cieslinski vom Elternbeirat der Goetheschule kennt die Problematik. Er berichtet, dass viele Schüler auf dem Weg zum Gymnasium die Route über die Offenbacher Straße wählen. Das entspricht auch den Aussagen, die der ADFC im Zuge der Vorbereitungen fürs Radverkehrskonzept bei einer Umfrage unter 2000 Schülern erhalten hatte: Dabei habe sich gezeigt, dass 500 den Weg durch den Ort nehmen, mehr als 1000 sich eher für die Offenbacher entschieden. Apropos Offenbacher Straße: Die Kreuzung direkt vor der Goetheschule ist per Bedarfsampel für Radler sicher zu überqueren, auch der Weg durch die Wiesen im Birkengewann ist unproblematisch. Allein: Dort wird sich in Kürze etwas ändern, denn im Oktober sollen die Bagger anrücken und mit der Erschließung des Neubaugebiets beginnen. „Wie soll denn der Radweg verlaufen, wenn hier gebaut wird?“, fragen sich folglich die Radler.

Der Weg durchs Birkengewann werde „aller Voraussicht nach entfallen müssen“, sagt die städtische Verkehrsplanerin Karin Rohde mit Blick auf die Tatsache, dass im Zuge der Bauarbeiten ja auch Teile der Offenbacher gesperrt würden. Um eine sichere Alternativroute für die Schüler zu finden, soll es in Kürze ein Treffen mit Vertretern der Schulen und der Stadt geben. Ob die empfohlene einzige Querung der Offenbacher in diesem Abschnitt dann „Am Trieb“ ist, soll dabei besprochen werden. Für die Gruppe geht’s weiter, die Friedhofstraße entlang, zur Stadtbibliothek und von dort durch die Friedrichstraße zur Brüder-Grimm-Schule. Lehrerin Birgit Ingenfeld berichtet, dass nur rund 20 Prozent der Schüler mit dem Rad zur BGS kommen – was mit der zentralen Lage der Schule zu tun habe.

Welche Bremse sich für welches Fahrrad eignet

Die Gruppe nimmt Kurs Richtung Westen, radelt schließlich durch den Sportpark. An der Kurt-Schumacher-Straße angekommen, kommt das Gespräch auf die Schutzstreifen für Radfahrer, die in den vergangenen Jahren auf die Straßen gebracht wurden. Vor allem an den vorgezogenen Aufstellflächen an Kreuzungen könne man noch häufig beobachten, „dass sowohl Auto- als auch Radfahrer noch nicht sicher sind, wie’s geht“, hat Drews erlebt. Zudem sei es vor allem sonntags oft nicht ganz einfach, mit dem Rad auf den Schutzstreifen vorwärts zu kommen, „denn viele Autos parken die zu“. Oliver Gröll berichtet von einer Beobachtung aus der Friedensallee: Mehrfach sei ihm in jüngster Zeit aufgefallen, dass Jogger die Schutzstreifen nutzen statt des Bürgersteigs. Dies sei wohl nicht im Sinne des Erfinders. hov / lfp

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