Naturschützer zeigen sich besorgt

Verstöße von Menschen schaden Tieren am Gehspitzweiher

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Von oben wunderschön, von unten eigentlich auch – außer, wenn Gedankenlose am Gehspitzweiher unterwegs sind und mit ihren Verstößen seltenen Tierarten wie dem Flussregenpfeifer schaden.

Neu-Isenburg - Naturschützer Ernst Böhm ist empört über so viel Ignoranz: Nach seiner Beobachtung nehmen die Fälle von Vandalismus und Rücksichtslosigkeit am Gehspitzweiher mit seinen seltenen Vogelarten zu.

Doch damit nicht genug: Jüngst wurden er und Betreuer des Areals bedroht und einmal sogar mit einem Knüppel angegriffen, nachdem sie Besucher auf die Regeln aufmerksam gemacht haben. Die Polizei ermittelt in einem Fall. Dieser eine besonders heftige Vorfall, von dem Böhm gestern erzählt, lässt ihn auch Wochen danach noch laut werden. Ein Gassigeher hatte Mitte Mai offenbar die Nerven verloren: Nach einem verbalen Streit mit einem Kollegen Böhms habe der Hundebesitzer zum Knüppel gegriffen und die Autoscheibe des kleinen Busses der Naturschützer damit so lange bearbeitet, bis die Scherben auf den Fahrer niederprasselten. Wie Polizeisprecherin Andrea Ackermann gestern auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte, liegt den Beamten eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung vor. Die Ermittlungen laufen.

Böhms Reich ist der Wald rund um den Gehspitzweiher, für dessen Ausweisung als Naturschutzgebiet er sich seinerzeit mit Nachdruck eingesetzt hat. Wenn das Wetter mitspielt, ist der 83-Jährige möglichst täglich in der Gegend unterwegs – und was er auch jenseits solch besonders üblen Sünden-Wildwuchses dort teils sehen muss, gefällt ihm gar nicht.

Jüngstes Beispiel: In der Nacht von Sonntag auf Montag dieser Woche haben Unbekannte ein Nest des Flussregenpfeifers auf der Insel im Weiher zerstört. „Insgesamt brüten dort vier Paare dieser seltenen und geschützten Vogelart“, erzählt Böhm. Doch Unbekannte hätten sich Zugang zur Insel verschafft und die Eier zertreten. „Die Vögel haben gejammert“, sagt Böhm. Und, nach einer kurzen Pause: „Was da draußen passiert, ist manchmal einfach nicht zum Aushalten.“

Das zerstörte Nest hatte Böhm entdeckt, nachdem ihm am Montagmorgen im Weiher eine kleine Brücke auffiel, die aus Holzstücken illegal dort gelegt worden war und zur Insel führte, auf der zahlreiche Vögel brüten. Mit seinem Fernglas konnte er die aufgeregten Flussregenpfeifer-Elternvögel beobachten und ahnte, dass irgendetwas geschehen sein musste. Als er dann die Insel betrat, sah er ein zertretenes Nest. Als Bodenbrüter seien diese Tiere besonders empfindlich gegen jedwede Störung. „Die Leute wissen gar nicht, was sie mit so etwas anrichten“, betont Böhm. Der Flussregenpfeifer sei eine streng geschützte, bedrohte Vogelart. „Es gibt nur noch fünf bis acht Brutpaare im Kreisgebiet, in ganz Hessen sind es noch 100 bis 150“, berichtet Böhm. „Der Vogel ist voll auf der roten Liste der Brutvögel Deutschlands.“

Bilder: Die am stärksten bedrohten Arten

Auch ansonsten muss Böhm bei seinen Rundgängen immer wieder die Auffrischung der Erkenntnis hinnehmen, dass Naturschutz am Weiher manche Zeitgenossen offenkundig nicht interessiert. Und wie wenig Verständnis manche Spaziergänger für seine Mahnungen haben, die Natur wenigstens in dem 25 Hektar großen Schutzgebiet in Ruhe zu lassen. Der Leinenzwang werde regelmäßig ignoriert, auch von zerstörten Schildern oder Leuten, die Zelte zum Übernachten aufbauen oder Picknick oder gar Lagerfeuer machen weiß der Zeppelinheimer zu berichten.

Dabei sollen die Menschen sich durchaus am Wald und dem Blick auf den See erfreuen – aber eben auf den vorgegebenen Pfaden und unter Beachtung der Regeln. Gerade bei den Kontrollen wünscht sich Böhm mehr Unterstützung, vielleicht auch durch Stadt und Polizei. Böhm hofft auch auf weitere Freiwillige, die sich für den Erhalt des Naturschutzgebiets einsetzen. Interessierte können sich im Rathaus unter 241703 melden.

Die Stadt appelliert dringend an alle Besucher, im Naturschutzgebiet Gehspitzweiher die Regeln einzuhalten und die Wege nicht zu verlassen. Wer sich an der Tier- und Pflanzenwelt erfreuen möchte, habe dazu von einem Rundweg über drei eingerichtete Beobachtungsstellen aus einen guten Blick auf die Wasserfläche. „Polizei und Ordnungsamt kontrollieren im Rahmen der Möglichkeiten ebenfalls das Naturschutzgebiet Gehespitz“, sagt Bürgermeister Herbert Hunkel. Und ergänzt: „Wir freuen uns, wenn wir weitere Naturfreunde für Kontrollen finden würden.“

hov

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