„Schlechterer Service für die Pendler“

Dreieichbahn hält seit Fahrplanwechsel nicht mehr am Bahnhof

Neu-Isenburg - Pendler aus Neu-Isenburg, die bislang im Berufsverkehr die drei durchgehenden Züge der Dreieichbahn zum Frankfurter Hauptbahnhof nutzten, schauen seit dem Fahrplanwechsel am Montag in die Röhre. Der Halt in der Hugenottenstadt ist entfallen. Dagegen regt sich Kritik. Von Holger Klemm 

Es könnte eigentlich eine gute Nachricht sein: Mit dem neuen Fahrplan fährt die Dreieichbahn stündlich von Dieburg nach Frankfurt. „Doch die Betreiber haben ganz offensichtlich ein Ass aus dem Ärmel gezogen, das die Berufspendler verärgert und das so nicht kommuniziert wurde“, bemerkt Natascha Bingenheimer, Kreistagsabgeordnete und Stadtverordnete der Linken in Dreieich. Ihre Partei kritisiert den Wegfall aufs Schärfste. „RMV und KVG ziehen alle Register, um den Service zu verschlechtern“, bedauert Bingenheimer. Die Linke fordert, Neu-Isenburg wieder anzufahren. „Es macht keinen Sinn, auf der einen Seite ein Angebot zu erweitern, und auf der anderen Seite Haltestellen zu streichen“, meint die Abgeordnete. Die Züge seien im Gegensatz zu früher als „Stadtexpress“ (SE) unterwegs, die kürzer fahrenden zwischen Buchschlag und Dieburg weiter als Regionalbahn und halten überall.

Der Wegfall in Neu-Isenburg habe zur Folge, dass in der Stadt nur noch die S-Bahn halte. „Dabei war die Dreieichbahn eine tolle Alternative, um zügig zur Arbeit zu gelangen“, bestätigt der Dreieicher Stadtverordnete Tino Schumann. Für Bingenheimer sieht es so aus, „als ob die Station als Haltepunkt komplett dicht gemacht wird, nachdem das Bahnhofsgebäude bereits an einem Privatmann verkauft und die Autoreisezüge ebenfalls eingestellt wurden“.

Auch der Magistrat ist mit der Streichung alles andere als einverstanden. Bürgermeister Herbert Hunkel bezeichnet die Direktverbindung zum Frankfurter Hauptbahnhof als wichtig für die Stadt und Pendler. Die S-Bahn brauche wesentlich länger. Deshalb habe sich der Magistrat im Aufsichtsrat der Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) und beim Rhein-Main-Verkehrsverbund dafür stark gemacht, den Haltepunkt beizubehalten. Die Stadt habe auch das persönliche Gespräch gesucht. KVG und RMV hätten versprochen, sich dafür einzusetzen, seien aber bei der Bahn gescheitert. Diese habe den Wegfall mit der hohen Auslastung im Frankfurter Hauptbahnhof begründet. Deshalb stünden keine Trassen für die Dreieichbahn zur Verfügung, die einen Halt in Neu-Isenburg ermöglichten.

Beispiele aus dem neuen RMV-Preissystem

„Wir bleiben aber am Ball“, verspricht Hunkel. Der RMV hat zugesichert, für den nächsten Jahresfahrplan die Direktverbindung erneut zu bestellen. Es bedürfe dann einer erneuten Prüfung durch die Bahn, ob der Halt in der Hugenottenstadt eingerichtet werden kann. Schon deshalb kann Hunkel die Befürchtung von Bingenheimer nicht nachvollziehen, dass die Station in Neu-Isenburg dicht gemacht werde. Der Verkauf des Bahnhofs habe mit dem Wegfall überhaupt nichts zu tun. Außerdem ändere sich an den Gleisen nichts.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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