Wie Sünder bekehrt werden sollen

Stadt stellt neue Puzzleteile zum Schutz des Naturschutzgebiets vor

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Setzen auf einen Mix aus Appellen und Abschreckung: Bürgermeister Herbert Hunkel (von links), Förster Andreas Knöffel, Dr. Tina Baumann, die Leiterin der Abteilung Stadtforst des Frankfurter Grünflächenamts, und Naturschützer Ernst Böhm hoffen darauf, dass sich die Notwendigkeit, das Naturschutzgebiet rund um den idyllisch gelegenen Weiher zu schützen, auch unter den Besuchern herumspricht.

Neu-Isenburg -  Neuer Anlauf, um Naturschutz und Naherholung im streng geschützten Areal rund um den Gehspitzweiher vielleicht doch irgendwann auf einen Nenner zu bringen: Die Stadt hat auf die wiederholten Berichte über Vandalismus und unschöne Vorfälle reagiert und plant ein neues Konzept zum Schutz des Naturschutzgebiets. Sie setzt dabei vor allem auf Besucherlenkung und Information. Von Barbara Hoven 

Knapp zwei Monate ist es her, da hatte Ernst Böhm seinem Ärger über einen besonders dreisten Umweltfrevel am Weiher öffentlich Luft gemacht: Wie berichtet, hatten Unbekannte sich eine Brücke aus Balken gebaut, waren darüber zur Insel im See gelangt und hatten dort ein Nest des stark bedrohten Flussregenpfeifers zerstört. Immer wieder erwischt der Naturschützer am Gehspitzweiher Feiernde, die manchmal gar grillen, oder auch Badende – alles natürlich streng verboten. Hinzu komme, erzählt er, dass nicht jeder auf Kritik vernünftig reagiert – mancher Streit eskaliert, sogar mit einem Knüppel wurde ein Naturschützer jüngst angegriffen.

Böhm hatte angesichts solcher Berichte auch bei der Stadt um Unterstützung gebeten, und Bürgermeister Herbert Hunkel hat reagiert. Auf seine Einladung hin trafen sich vor einigen Tagen im Rathaus Vertreter von Oberer Naturschutzbehörde (RP Darmstadt), Forstamt Langen, StadtForst Frankfurt, Unterer Naturschutzbehörde (Kreis Offenbach), Isenburger Polizeistation sowie vom städtischen Fachbereich Ordnung und die zuständigen Dezernenten und Vertreter der lokalen Naturschutzverbände, „um über eine Optimierung des Schutzes im Naturschutzgebiet Gehspitzweiher zu beraten“, wie Hunkel gestern bei einem Ortstermin im Wald an dem idyllisch gelegenen Gewässer berichtet.

Bei dem Termin mit den Offiziellen schilderte Gebietsbetreuer Böhm noch einmal die Lage: Besonders im Sommer würden an Wochenenden und Abenden bei warmem Wetter die meisten Verstöße gegen die mit einem Naturschutzgebiet verbundenen Auflagen begangen. Die ehrenamtlichen Helfer seien am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt. Obwohl für alle Naturschutzgebiete per Verordnung ein generelles Betretungsverbot außerhalb zugelassener Wege gilt, häufen sich am Weiher seit etwa drei Jahren unschöne Vorfälle: vom nächtlichen Zelten über Lagerfeuer bis hin zur Zerstörung von Schildern. „Die Liste ist lang“, klagt Böhm.

Kontrollgänge von Naturschützern, Forst und Mitarbeitern der Ordnungsbehörde erfassen jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Immer wieder seien sie mit Uneinsichtigkeit und teilweise aggressivem Verhalten konfrontiert, berichtet die Stadt. „Insgesamt eine unschöne Entwicklung, der nun mit einem neuen Konzept begegnet werden soll“, sagt Hunkel. Einigkeit bestehe unter den Fachleuten darüber, dass eine lückenlose Kontrolle nicht geleistet werden kann, zumal es viele andere Schutzgebiete gibt, die auch unter Beobachtung stehen. Stattdessen hat man eine bessere Koordination der Einsätze beispielsweise über einen Kontrollplan vereinbart.

Erörtert haben die Teilnehmer der Runde auch Möglichkeiten, wie man die Besucher besser informieren und so – das ist die Hoffnung – auch die Besucherströme künftig besser lenken kann. Maßnahmen, die zügig umgesetzt werden sollen, sind unter anderem das Wieder-aufstellen der amtlichen Naturschutzschilder an „strategisch wichtigen Punkten“ wie den Haupt-Laufwegen. Ein Schild soll direkt am Waldparkplatz angebracht werden. Auch Piktogramme seien dort denkbar – einfache bildliche Darstellungen von allem, was Strafe kostet oder kosten kann. „Darüber hin-aus soll es an ausgewählten Beobachtungsstellen gut gestaltete Infotafeln geben, die über die Bedeutung des Gebiets für seltene Tiere und Pflanzen aufklären“, berichtet Hunkel. Und es soll auf dem Rundweg deutlicher auf die Beobachtungspunkte hingewiesen werden.

Nicht zuletzt könnte es nach dem Beispiel der Sprendlinger Baierhansenwiesen eine naturpädagogische Aktion über ein bis zwei Wochen geben, um die Menschen für das Gebiet zu sensibilisieren. „Uns ist es wichtig, den Leuten zu vermitteln, warum das Naturschutzgebiet so wertvoll ist und dass besondere Vorschriften in einem Naturschutzgebiet kein Selbstzweck sind, sondern ausschließlich dem Schutz von Tieren und Pflanzen dienen“, betont der Bürgermeister. „Damit erreichen wir mehr als mit bloßen Strafandrohungen.“

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Um die Besucherströme zu lenken, wollen die Verantwortlichen an neuralgischen Punkten feste, „landschaftsgerechte“ Zaunelemente installieren. „Damit wird auch optisch klar gekennzeichnet, dass ein Betreten verboten ist – ein wichtiger Faktor, wenn es zu Anzeigen und Ordnungswidrigkeitsverfahren kommt“, erklärt der Magistrat. Denkbar seien auch gezielte Maßnahmen, um das Betreten, Lagern und Baden unattraktiv zu machen. Der Forst will prüfen, ob einzelne Schneisen, die auf das Schutzgebiet stoßen, geschlossen werden können.

Rechtlich ist übrigens die Obere Naturschutzbehörde für die Sicherung des Gebiets und Vorgaben zur Pflege verantwortlich. Das Forstamt Langen kümmert sich im Auftrag des RP um die Pflegemaßnahmen, unterstützt von ehrenamtlich tätigen Naturschützern. Alle Beteiligten seien sich einig, dass nun effektiv gehandelt werden muss, „damit das Naturschutzgebiet auch künftig seine Funktion als Lebensraum für gefährdete Tiere und Pflanzen – gerade auch im Ballungsraum – erfüllen kann“, betont Hunkel. Bei einem Ortstermin am Montag dieser Woche habe man bereits erste konkrete Schritte vereinbart. Der Gehspitzweiher, eine ehemalige Lehmgrube mitten im Wald, gilt als eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete des gesamten Kreises Offenbach.

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