Thomas Blankenhorn

Gestatten: Der neue Stadtfotograf

Neu-Isenburg - Spannend nimmt sich das Leben des neuen Stadtfotografen aus: Thomas Blankenhorn (68) lernte bereits in jungen Jahren Menschen kennen, die Zeitgeschichte schrieben – darunter Bundeskanzler. Interessant auch sein Leitmotiv für die nächsten Monate: „Menschen, die in Neu-Isenburg Verantwortung übernehmen.“ Von Stefan Mangold 

Thomas Blankenhorn legt in den nächsten Monaten den Fokus auf Führungskräfte.

Es ist unwahrscheinlich, Thomas Blankenhorn einmal auf einer Wiese liegend zu beobachten, wie er Doldenblütler mit dem Objektiv heranholt. Ebenso wenig zückt er vor Landschaften die Kamera, es sei denn, sie dienen als Kulisse für Menschen – wie vor Kurzem in Indien. Der Frankfurter besuchte den Bundesstaat Rajasthan. Seit zwei Jahren regnet es dort nicht. Die farbintensiven Sari der Frauen und die bunten Turbane der Männer beeindruckten Blankenhorn vor dem Hintergrund der gräulich, bräunlichen Dürre. „Mich interessiert vor allem die Partie um die Augen, ihre schnellen Veränderungen, ein Spiegelbild des Innen und Außen“, erklärt der Diplom-Sozialpädagoge. Seine über Jahre aufgenommenen Familienbilder erzählen zudem ureigene Geschichten, „wer fehlt, wer kommt hinzu“.

Die erste Kamera bekam der Norddeutsche, den das Forum zur Förderung von Kunst und Kultur (FFK) jüngst zu Isenburgs Stadtfotografen für 2016 gewählt hat, im Alter von acht Jahren geschenkt. Er will nicht ausschließen, dass sich die früh entwickelte Leidenschaft, Leute auf Bildern festzuhalten, aus dem Wissen entwickelte, dass sie bald verschwinden könnten. Blankenhorn lebte in einer besonderen Welt; denn sein Vater Herbert war deutscher Botschafter in London, Paris und Rom.

Durch Lektüre im Netz kann jeder erfahren, dass sich Thomas als 14-Jähriger einmal lausig gefühlt haben muss. Damals war er sitzen geblieben, auf der Deutschen Schule in Paris, „das passierte durch die vielen Wechsel“. In der Ausgabe vom 18. Juli 1962 schreibt „Der Spiegel“ darüber.

Fokus auf Führungskräfte

Es dürfte ihn nur bedingt aufgemuntert haben, dass dort weiter steht, Thomas verfeinere gerade eine Fertigkeit seines Vaters, die Konrad Adenauer nicht beherrsche. „Als kleiner Junge habe ich vergeblich versucht, das Pfeifen auf zwei Fingern zu lernen“, zitiert das Magazin den Kanzler, der den Vater von Thomas angewiesen haben will, „Blankenhorn, wenn die Kommunisten pfeifen, dann pfeifen Sie tüchtig zurück!“.

Nach Gründung der Bundesrepublik ernannte Adenauer den 1904 geborenen Herbert Blankenhorn zu seinem persönlichen Referenten. In den 60er Jahren wurde Herbert Blankenhorn Botschafter in Paris, Rom und London. Der Sohn spricht deshalb neben Französisch auch fließend Englisch und Italienisch. Die häufigen Umzüge eigneten sich aber kaum dazu, dauerhafte Freundschaften aufzubauen.

Zum einen habe er davon profitiert, zu beobachten, wie sich der Vater auf diplomatischen Parkett bewegt, stets die Worte austarierend, „zum anderen vermisste ich in dem Betrieb die Authentizität.“ Thomas suchte Kontakt zu jenen, die kein exponiertes Leben führten, „bei den Angestellten in der Küche hielt ich mich oft auf“.

Adenauer erinnert er als sympathischen, humorigen Rheinländer. Beeindruckt habe ihn aber Willy Brandt, „ein herzlicher, charismatischer Mensch“. In den hochpolitischen späten 60er Jahren blieben auch in der Familie Bankenhorn hitzige Diskussionen nicht aus. Häufige Themen: Vietnam und das Dritte Reich. Einmal stand der Vater während eines Disputs auf und drückte den Lichtschalter, ehe er das Zimmer verließ, „dann saß ich im Dunkeln“.

Für seine Amtszeit als Stadtfotograf möchte Blankenhorn den Fokus in den nächsten Monaten auf Menschen richten, die Verantwortung tragen. Bisher fotografierte er schon den einen und anderen, der bei Polizei, Feuerwehr oder einer Schule tätig ist. Er hofft, „mehr Frauen zu finden“. Am Ende sollen die Bilder Isenburger Persönlichkeiten „im öffentlichen Raum“ zu sehen sein.

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