Elf Tage deutsch-ägyptischer Jugendaustausch

Spannend, emotional

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Gruppenfoto im Schnee auf der Zugspitze: Im wahrsten Sinne des Wortes ein Höhepunkt für ägyptische und deutsche Jugendliche. - Foto: Joachim Reinhard

Neu-Isenburg - Das Abschiednehmen nach elf Tagen deutsch-ägyptischer Jugendbegegnung im Dekanat Dreieich ist allen Teilnehmern schwergefallen. „Diese Zeit in Deutschland war die beste Erfahrung meines Lebens“, sagt die 19 Jahre alte Lydia aus Giza (Ägypten).

Zwei Dinge haben Lydia ganz besonders beeindruckt: „Ich habe Pünktlichkeit gelernt und ich werde mich zukünftig beim Autofahren anschnallen“, sagt die junge Ägypterin lächelnd. Und auch die 16 Jahre alte Veronika aus Menia hat sich etwas vorgenommen: „Ich werde zukünftig gesünder leben, in Ägypten sind wir es nicht gewohnt, uns um das Essen oder um den Sport Gedanken zu machen.“

Der Abschied fiel schwer, als die Gäste nach elf Tagen vom Münchner Flughafen aus die Heimreise antraten. Den Abschluss der Begegnung hatte ein fünftägiger Aufenthalt in den bayerischen Alpen gebildet. Der Höhepunkt war ein Ausflug auf den höchsten Berg in Deutschland: Für die jungen Gäste aus dem Land der Pharaonen war insbesondere die Bobfahrt auf dem üppigen Schnee der Zugspitze ein unvergessliches Erlebnis.

Veranstalter dieses deutsch-ägyptischen Jugendaustausches waren (wie berichtet) das Evangelische Dekanat Dreieich sowie die evangelischen Kirchengemeinden Gravenbruch und Langen. Gefördert wurde das Projekt von Erwin Nöske von der Dr. Bodo-Sponholz-Stiftung. Gemeindepädagoge Joachim Reinhard, Dekanatsjugendreferent Carsten Preuß und Pfarrer Dr. Tharwat Kades zogen zum Abschluss der Begegnung eine rundum positive Bilanz: „Alles hat toll geklappt. Die Jugendlichen haben sich hervorragend verstanden und konnten voneinander lernen: Es war ein kleiner Beitrag zum besseren Verständnis zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen.“

Bereits zum zwölften Mal war eine Gruppe junger ägyptischer Christen der Evangelical Presbyterian Church auf Einladung des Dekanats auf Deutschlandbesuch. In diesem Jahr bildete das Thema „Flucht und Vertreibung“ erstmals einen Schwerpunkt der Begegnung. Mit der 16 Jahre alten Hananeh aus Afghanistan und den 17 und 21 Jahre alten syrischen Schwestern Lorin und Media nahmen erstmals auch drei in Deutschland lebende Geflüchtete muslimischen Glaubens am Austausch teil. „Mich hat das an die Zeit in Syrien vor dem Krieg erinnert: Da war es auch ganz normal und selbstverständlich, dass Christen und Muslime gut zusammen leben“, sagt die 21 Jahre alte Media. Ursprünglich hatte sie befürchtet, dass der Austausch langweilig werden könnte – doch dann hat es ihr so gut gefallen, mit vielen verschiedenen Leuten unterwegs zu sein: „Das würde ich sofort wieder machen.“ Hananeh ergänzt: „Der Austausch war cool: ich bin so glücklich, dass ich dabei sein konnte.“

Besonders emotional war ein Vormittag in der evangelisch-reformierten Marktplatzgemeinde: Pfarrer Matthias Loesch berichtete, wie die Gemeinde einst von hugenottischen Glaubensflüchtlingen gegründet wurde und stellte einen Bezug zu aktuellen Flüchtlingsschicksalen her. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so ruhig war es in der Kirche, als Lorin und Hananeh sowie einige Andere von ihrer Flucht berichteten. „Ich habe das zuvor erst zwei oder drei Mal erzählt“, sagt Hananeh. Aber es sei eine sehr schöne Erfahrung gewesen: „Wenn du von deiner Traurigkeit sprechen kannst, geht es dir hinterher besser“, sagt sie. Und an die deutschen und ägyptischen Jugendlichen gewandt: „Ihr habt mit uns gefühlt, das war toll.“

Auch die deutschen Jugendlichen waren von der Jugendbegegnung begeistert: „Ich hatte vorher Bedenken, dass die Kontaktaufnahme mit den Ägyptern schwierig sein könnte“, sagt die 14-jährige Susanna aus Neu-Isenburg. Aber das Gegenteil sei der Fall gewesen: sie habe viele neue Freunde gefunden und eine andere Kultur kennengelernt. Auch der 14 Jahre alten Zoe aus Isenburg hat die Begegnung so richtig Spaß gemacht. Beide hätten sich vorgenommen, im nächsten Jahr mit nach Ägypten zu reisen, berichtet Joachim Reinhard.

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