Tagesmütterzentrale feiert 25. Geburtstag

„Echte Pionierarbeit geleistet“

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Marlis Otto (vorne, Mitte) mit Eva Dude, der Vorsitzenden der Tagesmütterzentrale, und Stadtverordnetenvorsteherin Christine Wagner so, wie sie sich am liebsten sieht – inmitten von Kindern mit deren Eltern. Auch Dreieichs Bürgermeister Dieter Zimmer und Landrat Oliver Quilling gratulierten, ebenso die Saxofonistin Irith Gabriely.

Neu-Isenburg -  Seit einem Vierteljahrhundert profitieren Familien von den Angeboten der Tagesmütterzentrale, zum 25. Geburtstag gab’s am Samstag ein großes, buntes Fest.

Die Stunden im Park an der Bansa-mühle verschafften diversen Gratulanten Gelegenheit, die Einrichtung und ihre Gründerin und Ehrenvorsitzende Marlis Otto mit Lob zu überschütten. Als Marlis Otto, sie war damals gerade 65 Jahre geworden und voller Tatendrang, die Idee hatte, neben den Kindergärten eine private Alternative zur Betreuung von Nachwuchs in Neu-Isenburg anzubieten, wurde sie von allen Seiten belächelt. „Die Idee ist ja nicht schlecht, aber wie soll das funktionieren“, schildert die „Mutter“ der heutigen Tagesmütterzentrale ihre Erfahrungen, als sie beispielsweise bei der Stadtverwaltung vorstellig wurde. Marlis Otto wollte insbesondere für Notfälle, vor denen Eltern immer wieder mal stehen, ein Angebot bereit halten.

Es ist der 10. August 1991, als Otto es schließlich geschafft hat und in einem Elf-Quadratmeter-Büro in der Bahnhofstraße ihre Babysitter-Zentrale, aus der später die Tagesmütterzentrale erwuchs, eröffnet. Eine erste finanzielle Unterstützung hatte sie da beim damaligen Präsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gefunden: Rasmus Bertram, selbst Vater von vier Kindern. „Er hat aus eigener Erfahrung die Problematik verstanden und mir damals die große Summe von 3000 Mark überwiesen“, erzählt Otto bei der Jubiläumsfeier am Samstagnachmittag im Bansapark.

Vor genau fünf Jahren übergab die agile Seniorin, die jüngst ihren 90. Geburtstag gefeiert hat und für ihr besonderes soziales Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, den Staffelstab der Verantwortung an Eva Dude. „Ich wollte schon mit 75 in die zweite Reihe zurücktreten, aber es ist mir halt erst mit 85 gelungen, mit Eva Dude eine so kompetente Person zu finden“, sagt die Ehrenvorsitzende.

„Wer vor 25 Jahren sein Kind an Fremde zur Betreuung gegeben hat, der hatte gar noch selbst ein schlechtes Gewissen und fühlte sich als Rabenmutter oder Rabenvater“, schildert Dude die Situation von damals. Mittlerweile habe die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch gesetzlich und gesellschaftlich jene Akzeptanz gefunden, die sich Otto schon damals gewünscht hatte, so Dude. „Heute hat sich vieles gewandelt, die Eltern sind anspruchsvoller und wollen ihr Kind nicht irgendeiner Person übergeben, die gerade Zeit hat, sondern auch die gesetzlichen Vorgaben für eine Tagesmutter oder Tagesvater sind immens gestiegen“, verweist die Vorsitzende auf jene 160 „Lehrstunden“, die für die Kinderbetreuung als Voraussetzung eingefordert werden. Die finanzielle Unterstützung der Tagesmütterzentrale in Neu-Isenburg sei mittlerweile gut. Aber es werden weiterhin Personen gesucht, die Kleinkinder in Betreuung nehmen, betont Eva Dude.

In seinem Grußwort bringt auch Landrat Oliver Quilling, der einst als Isenburger Bürgermeister die Entwicklung der Tagesmütterzentrale hautnah miterlebte, seine Bewunderung über das Engagement von Marlis Otto zum Ausdruck. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, Ihnen heute zu gratulieren, denn als Marlis Otto beim damaligen Sozialdezernenten unserer Stadt, Berthold Depper, vorstellig wurde, da kannte man Tagesmütter noch nicht“, so Quilling. Otto habe echte Pionierarbeit geleistet und ihr Büro sei in der Stadtverwaltung nur unter „Marlis-Otto-Zentrale“ bekannt gewesen, erzählt der Landrat. „Doch Marlis Otto lebte nicht nur für ihre Idee, sie hat auch Teamfähigkeit bewiesen und mit Eva Dude – die ein wahrer Glücksgriff für den Verein ist – eine überaus kompetente Nachfolgerin gefunden“, so Quilling.

Isenburgs Stadtverordnetenvorsteherin Christine Wagner überbringt die Glückwünsche der Gremien der Stadt und auch die von Bürgermeister Herbert Hunkel und Erstem Stadtrat Stefan Schmitt, da beide zeitgleich noch in der Partnerstadt Weida weilen, wo der traditionelle Kuchenmarkt gefeiert wird. „Diesen tollen Geburtstag würde es ohne Marlis Otto nicht geben“, hebt Wagner hervor. Sie lobt das persönliche Engagement von Marlis Otto, die zuerst gar die Wohnung der Betreuungseltern angesehen habe, bevor sie ein Kind dorthin in Obhut gab. „Wer denkt, dass eine Tagesmutter nur auf die Kinder aufpasst, der irrt gewaltig“, verweist Wagner auf die hohen Anforderungen.

Während die Party steigt und die Kinder auf der Hüpfburg toben oder sich an der Seifenblasenkunst von Anke Schubert erfreuen, gibt es für alle Tagesmütter eine Sonnenblume als Präsent. (lfp)

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