„Das Thema ohne Ressentiments durchdenken“

Neuer Vorstoß für einen Tierfriedhof

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Bestattungskultur im Wandel: Hund und Katze finden ihre letzte Ruhe immer häufiger auf einem Tierfriedhof, in Bad Homburg etwa gibt es einen.

Neu-Isenburg - Wer sein totes Tier nicht einfach beim Tierarzt lassen möchte, hat in Neu-Isenburg bislang wenig Alternativen. Von Stefan Mangold

Seit im vergangenen Sommer das Stadtparlament den Magistrat beauftragt hat zu prüfen, wie und wo die Einrichtung eines Tierfriedhofs möglich wäre, ist’s wieder ruhig um das Thema geworden. Nun machen zwei Isenburgerinnen einen neuen Vorstoß für eine letzte Ruhestätte für Tiere. Ein Ansinnen, das mit vielen Hürden verbunden ist. Wer erzählt, nach seinem Tod am liebsten neben seiner Katze Mimi oder dem Rüden Rodolfo im Grab die letzte Ruhe zu finden, der riskiert, dass ihn sein Gegenüber für einen spleenigen Charakter hält. Gabriele Schweitzer wirkt dennoch sachlich und schon gar nicht schrullig. Trotzdem setzt sich die 50-Jährige zusammen mit der Tierheilpraktikerin Viola März-Kämmerer für einen Tierfriedhof in Neu-Isenburg ein. Und Schweitzer hofft, dass es irgendwann in Deutschland möglich ist, Mensch und Tier in einer letzten Ruhestätte nebeneinander zu legen.

Die Mutter einer 20-jährigen Tochter erzählt von ihrer Labradorhündin. Die starb vor fünf Jahren. Für sie und ihren Mann sei das ein schlimmer Moment gewesen. Die Trauer zog sich über Wochen hin. Fast jeder Hundebesitzer erlebt das: Der Vierbeiner, der erwartungsfroh zur Türe springt, wenn es läutet oder sich ein Schlüssel umdreht, nimmt automatisch den Part eines Familienmitglieds ein. Für Kinder, die ein Leben ohne den Hund bis dahin nicht kannten, fühlt sich dessen Tod mitunter schmerzhafter an als das Hinscheiden eines Verwandten, der weit weg wohnt. Lebt der Mensch mit einem Haustier, bindet er sich fast zwangsläufig emotional ähnlich stark wie an einen Menschen. „Deshalb stellt sich auch die Frage nach dessen Bestattung im Grunde nicht anders“, findet Schweitzer, die Tierurnen herstellt und vertreibt (wir haben berichtet). Kaum jemand ist bereit, sein Tier zum Abdecker zu bringen. Den meisten fehlt ein Garten. Schweitzer rät sowieso davon ab, den Hund, die Katze auf dem eigenen Grund zu vergraben, ohne bei den Behörden nachzufragen. Das Grundwasser dürfe schließlich niemand gefährden.

Schweitzer erzählt von Leuten, die im Wald beerdigen. Manche verhielten sich dabei irrwitzig verantwortungslos: „Sie stellen brennende Kerzen auf, auch während Trockenperioden.“ Es sei bei über 1500 in Isenburg gemeldeten Hunden – Katzen dürften es noch mehr sein – nicht nur eine Frage des Gefühls, sondern auch der Vernunft, im Ort einen Tierfriedhof einzurichten. In Frankfurt oder Bad Homburg beispielsweise existieren schon welche. Gabriele Schweitzer lernte Ende vergangenen Jahres Viola März-Kämmerer kennen. Die Tierheilpraktikerin bringt noch ein wirtschaftliches Argument ins Spiel. Republikweit hätten Friedhöfe damit zu kämpfen, ihre Kosten zu decken. Die Bundesbürger verfügten mittlerweile immer häufiger, verbrannt zu werden oder in einem Begräbniswald zu liegen. Beides zu Lasten der Friedhöfe, die für den Kauf eines reinen Urnengrabs für 25 Jahre bis zu 75 Prozent weniger verlangen können, als wenn ein Sarg in der Erde liegt.

Abschied nehmen mit Tierbestattungen

Gabriele Schweitzer nennt einen Platz in Isenburg, der sich ihrer Ansicht nach als Tierruhestätte eignet: Das Grabfeld 6 des Waldfriedhofs, das eine Fläche von rund einem Hektar umfasst. Auch hier bringen die beiden Frauen ein ökonomisches Argument ins Spiel. Das brach liegende Grundstück müsse die Stadt gärtnerisch versorgen, um es nicht verwildern zu lassen. Die Kosten ließen sich durch den Verkauf von Tiergräbern senken.

Peter Viehmann, Geschäftsführer des Zweckverbands für das Friedhofs- und Bestattungswesen in Neu-Isenburg und Dreieich, hält dem entgegen, beim Waldfriedhof handele es sich um einen Humanfriedhof, der an das Grabfeld 6 grenze. Der Vorstand habe auch aus Gründen der Pietät dagegen gestimmt, dort Tiere bestatten zu lassen. Trauernde Verwandte könnten sich daran stoßen, wenn ein paar Meter weiter jemand sein Tier beerdigt. Tierfriedhöfe organisierten generell private Gruppen wie Tierschutzvereine, „nirgends ist die Stadt der Träger“. Schweitzer rechnet weiter damit, auf Gegenwind zu stoßen. Sie hofft, die Diskussion in Bahnen zu lenken, „in denen die Leute das Thema ohne Ressentiments durchdenken“.

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