„Hilfe für ältere Bürger“ hofft auf neue Mitstreiter

Verein in Verjüngungskur

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Liesel Dörr, die nächstes Jahr an Heiligabend 100 wird, bekommt seit 24 Jahren vom Verein „Hilfe für ältere Bürger“ das Essen auf Rädern geliefert. Von Gaby Obst gab’s nun als Dankeschön für die Treue eine Jubiläums-Wochenration von Apetito.

Neu-Isenburg - Auch ein Verein, der sich vorwiegend für ältere Bürger engagiert, braucht hin und wieder eine Verjüngungskur. Die hat der Vorstand der „Hilfe für ältere Bürger“ nun aufs Gleis gesetzt – und sucht Jüngere, die sich einbringen.

Die bekannteste Stammkundin für eine der Offerten, das Essen auf Rädern, ist die 98-jährige Liesel Dörr: Die Isenburger Institution bekommt seit sage und schreibe 24 Jahren Mahlzeiten geliefert – und ist nach wie vor sehr zufrieden. „Heute bin ich spät aufgestanden, da habe ich mir nur eine Nudelsuppe warm gemacht – aber die hat wirklich gut geschmeckt“, sagt Liesel Dörr. Und jetzt, zum Kaffee, hätte sie gerne ihren Lieblingskuchen: „En Erdbeerbodde mit viel Sahne, des ess ich für mei Lewwe gern“, verrät die 98-Jährige. Das „Christkind“ kann am 24. Dezember den 99. Geburtstag feiern und ist sich ziemlich sicher, auch noch die 100 zu packen.

Dörr ist nicht nur eine Institution, die viel erzählen kann, sondern sie ist auch jene Seniorin, die am längsten das Angebot Essen auf Rädern des Vereins „Hilfe für ältere Bürger“ in Anspruch nimmt. Bei einem Pressetermin im Café Ernst berichtet sie bereitwillig von ihren langjährigen Erfahrungen mit den von der Firma Apetito zubereiteten Mahlzeiten, die der Verein ihr nach Hause bringt. „Dass des net schlecht sei kann, sieht man ja daran, dass ich immer noch lebe“, meint die stets zu einem Scherz aufgelegte Seniorin. Dann wird sie aber ganz sachlich: „Ich bin wirklich sehr zufrieden, da gibt es nichts zu meckern.“ Dörr erhält seit Jahren ein Wochenpaket mit von ihr ausgewählten Mahlzeiten. „Gestern hatte ich Rindfleisch mit Kartoffeln und Rote Beete.“

Für Gaby Obst, die langjährige Vorsitzende der „Hilfe für ältere Bürger“, ist Liesel Dörr ohnehin ein Phänomen – auch weil die Seniorin noch immer so viel Energie ausstrahlt. Noch im vergangenen Jahr war „die Liesel“ mit auf Tagesfahrt und hat den ganzen Bus unterhalten. Einzig das schwächer werdende Augenlicht macht ihr etwas zu schaffen, doch davon lässt sie sich nicht unterkriegen. Auch mit der Zubereitung der Apetito-Speisen habe sie kein Problem. „Ich kann zwar nicht alles lesen, aber die Farben helfen mir gut weiter“, beschreibt Dörr das Hilfssystem. Entsprechend der Farbe auf der Verpackung ist auch die Schaltuhr der Mikrowelle auf die farbige Markierung am Zeitschalter einzustellen.

Vor kurzem hat sich die „Hilfe für ältere Bürger“, die es seit mehr als 45 Jahren gibt, eine Verjüngungskur verschrieben. Der Verein hat auf Initiative des Gründers und Ehrenvorsitzenden Claus Wisser sein Konzept und Outfit aufgefrischt. Mit neuen Flyern und Einkaufstaschen mit der Aufschrift „Mein Verein – Neu-Isenburger sind füreinander da“ möchte die Gruppe um Gaby Obst und deren neue Stellvertreterin Maria Sator-Marx auf sich aufmerksam machen und neue Mitglieder werben. „Ja, es war wirklich an der Zeit, etwas zu ändern, denn wir wurden meist nur auf das Essen auf Rädern reduziert, bieten aber freilich viel mehr“, betont Obst. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, älteren Menschen so lange wie möglich ein selbständiges Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Organisation von gemeinsamen Unternehmungen. So werden Tages-, Halbtages- oder auch Mehrtagesfahrten angeboten. Zudem stehen regelmäßige Kaffeenachmittage in den Vereinsräumen in der Hirtengasse auf dem Programm. „Wir freuen uns über jedes Mitglied, jeden Reiseteilnehmer und jede helfende Hand, auch wenn das Zeitkontingent für ehrenamtliches Engagement noch so klein ist“, betont Obst. Viele Senioren lebten einsam, seien durch Alter oder Krankheit in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, trauten sich einen Ausflug oder gar eine Reise alleine nicht mehr zu.

Der regelmäßige Kontakt mit einer älteren Person, sei es beim gemeinsamen Einkauf, einer Straßenbahnfahrt oder einem Café-Besuch, gebe einem selbst aber auch viel Positives. „Man lernt andere Denkweisen, Werte und Erinnerungen kennen und kann sich an der Freude der anderen selbst erfreuen.“ Der Vorstand hofft, mit dem neuen Konzept vor allem auch jüngere Menschen als Mitglied, ob still oder aktiv, zu gewinnen – „zum Beispiel vor dem Hintergrund, dass unser Angebot nicht in erster Linie für diese ‚Jüngeren‘ interessant ist, wohl aber für deren Eltern und Großeltern“. (lfp)

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