Viel Arbeit für Rio

Isenburgerin managt Olympia-Teilnahme der deutschen Fußballfrauen

Neu-Isenburg - Das Training im Isenburger Sportpark vor dem Abflug nach Brasilien hat sich offenkundig ausgezahlt: Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft ist in Sao Paulo mit einem 6:1-Sieg gegen Simbabwe ins Olympia-Turnier gestartet, noch bevor es offiziell eröffnet war. Von Leo F. Postl 

Ihr Terminkalender ist oft randvoll: Doris Fitschen, die in Isenburg lebt, hat als Managerin der Frauenfußball-Nationalmannschaft vielfältige Aufgaben zu bewältigen. Das Foto entstand vergangene Woche beim Training vor dem Abflug nach Brasilien im Sportpark.

„Wenn das erste Spiel angepfiffen wird und es gibt keine Probleme mehr, dann habe ich meinen Job gut gemacht“, meinte Doris Fitschen ganz bescheiden. Bis jedoch der ganze Tross – bestehend aus den 22 Spielerinnen und weiteren rund 20 Betreuern – im Flugzeug gen Brasilien saß, war es für die Managerin der deutschen Fußballfrauen ein langer Weg. Auf dem sich die 47-Jährige, die in Neu-Isenburg wohnt, über einen Mangel an Arbeit nicht beklagen konnte. Mehrmals war Fitschen im Vorfeld der Spiele in Rio, hat das unfertige Quartier der Fußballdamen in Sao Paulo gesehen, ist die verschiedenen Wege zum Stadion abgefahren und hat viele Gespräche mit den Verantwortlichen für das Turnier in Brasilien geführt. „Vieles, was es zu organisieren gilt, wiederholt sich, aber es gibt auch immer ganz neue Aufgabenstellungen, die man noch nicht gekannt hat, aber dennoch genauso kompetent geregelt werden müssen“, betont Fitschen. Gerade mit Blick auf die nun besonderen Sicherheitsbestimmungen seien strenge Vorgaben seitens der verschiedenen Behörden einzuhalten.

Vor einigen Tagen hatte Bundestrainerin Silvia Neid ihre Spielerinnen zur letzten Vorbereitung nach Frankfurt eingeladen. Logiert wurde in der Villa Kennedy in Frankfurt, trainiert im Isenburger Sportpark – freilich unter Ausschluss der Medien. „Wir haben hier ganz besondere Spielzüge und auch die Ausführungen von Standards trainiert, das sollten andere erst erfahren, wenn sie gegen uns auf dem Spielfeld sind“, begründete Fitschen diese Auflage. Nur zu einer ganz bestimmten Zeit waren Interviews mit der Bundestrainerin, den Spielerinnen und natürlich Doris Fitschen anberaumt. Auch so etwas, die Abstimmung offizieller Termine, gehört zu den Aufgaben der Isenburgerin.

Seit 2009 muss die frühere Nationalspielerin als Managerin des Frauenfußball-Nationalteams vielfältige Aufgaben bewältigen, sie ist sozusagen das Bindeglied zwischen Bundestrainerin, Spielerinnen, Medien und den Veranstaltungsmachern von Olympia und Co. Und sie kennt das Geschäft aus dem Effeff: Fast zehn Jahre lang spielte Fitschen an der Seite der heutigen Bundestrainerin Neid in der Nationalelf, auf 144 Länderspiele brachte es die Defensiv-Allrounderin. Während die Spielerinnen um Neid trainierten und taktische Varianten im Sportpark besprachen, liefen bei Fitschen die Drähte heiß. „Ich muss mal kurz weg“, rief sie der Trainerin zu; und schon war sie verschwunden. Nach einer guten Stunde war sie zurück. „Alles gut“, war die einzige Nachricht, die nach außen drang. Was genau war? Das bleibt „Betriebsgeheimnis“.

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„Man muss auf bestimmte Abläufe vertrauen, alles selbst zu kontrollieren geht unmöglich“, weiß Fitschen aus Erfahrung. Ob für jede Spielerin die entsprechenden Fußballschuhe im Gepäck sind, dafür ist der Zeugwart verantwortlich, ob alle Teilnehmer einen gültigen Pass haben, auch dafür gibt es entsprechende Leute in ihrem Team. „Wenn wirklich etwas schief läuft, dann bin allerdings ich wieder gefragt“, bringt sie ihre Rolle als Team-Managerin ins Spiel.

Doris Fitschen hat alle wichtigen Kontakte, vom Präsidenten des Deutschen Fußballbundes über das Präsidium des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) bis hin zu den wichtigen Organisationsstellen in Brasilien. Damit es keine Verständigungsprobleme mit Behörden und Offiziellen vor Ort gibt, befindet sich auch eine Brasilianerin mit im Team. „Manch falsches Wort kann katastrophale Folgen haben, das sollte nicht passieren“, verweist Fitschen auf lokale Befindlichkeiten.

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Wie berichtet, gab’s nach dem allerletzten Training vor dem Flug nach Brasilien allerdings auch für Fitschen ein bisher nicht gekanntes Erlebnis: Dass sich mit Herbert Hunkel das Stadtoberhaupt für eine Stippvisite angesagt hatte, war für Fitschen noch nichts Ungewöhnliches. „Wir haben zur Stadt Neu-Isenburg und insbesondere zu Bürgermeister Hunkel ein besonders gutes Verhältnis, aber dass er auch noch das Goldene Buch auf den Sportplatz bringen lässt, das war wirklich für uns alle erstaunlich“, beschrieb Fitschen die Überraschung. Und so trugen sich das Team sowie Trainerin Neid, Co-Trainerin Steffi Jones und Fitschen ins Goldene Buch ein.

„Wann wollen Sie aus Brasilien zurückkommen?“, wollte Hunkel von Fitschen noch wissen. „Wir haben den Flug für den 20. August gebucht, sodass wir noch das Finale bestreiten können und – am liebsten mit der Goldmedaille um den Hals – hier einen Tag später ankommen werden“, so Fitschen. Trotz all ihrer Perfektion: So einen Finaleinzug oder gar -sieg kann selbst eine Doris Fitschen nicht im Voraus buchen. „Die Goldmedaille ist das Ziel aller Teilnehmer bei den Olympischen Spielen, wir würden eine solche gerne unserer langjährigen Trainerin zum Abschiedsgeschenk machen“, gibt sich die Managerin dennoch hoffnungsvoll.

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