„Pakt für den Nachmittag“

Vorerst in kleiner Runde starten

Neu-Isenburg - Es ist ein Start in kleiner Runde: Die Albert-Schweitzer-Schule und die Gravenbrucher Ludwig-Uhland-Schule schließen als einzige Schulen im Kreis Offenbach den „Pakt für den Nachmittag“.

Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) und Landrat Oliver Quilling (CDU) haben gestern vor Vertretern von Stadt und Schulen die Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. 11.15 Uhr, Albert-Schweitzer-Schule. Es ist Vormittag, als die Offiziellen die Stifte zücken, um mit ihrer Unterschrift den Startschuss für den „Pakt für den Nachmittag“ im Kreis Offenbach zu geben. Eine kleine Spitzfindigkeit, die natürlich nicht davon ablenken soll, dass die Vertreter von Land, Kreis und Stadt von besagtem Pakt, einem Programm zum Ausbau der Ganztagsangebote an hessischen Grundschulen, durchaus Großes erwarten.

„Ich freue mich, heute hier in Neu-Isenburg zu sein und nun auch den Startschuss für ein zuverlässiges und qualitativ hochwertiges Ganztagsangebot im Landkreis Offenbach geben zu können“, stellt der Kultusminister zufrieden fest. Die Unterzeichnung des Pakts sei „ein guter Tag für die Schullandschaft hier im Kreis“. Er sei der festen Überzeugung, „dass es in einer sich veränderten Gesellschaft die gemeinsame Aufgabe von Land und Schulträger ist, dem Wunsch vieler berufstätiger Eltern für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf gerecht werden“. Und genau dies leiste der Pakt.

Kern der Vereinbarung ist ein verlässliches und integriertes Bildungs- und Betreuungsangebot von 7.30 bis 17 Uhr an der ASS und der Uhland-Schule. Vorhandene Träger bewährter Betreuungsangebote – in diesem Fall vor allem die „Freizeitvilla“ neben der ASS – sollen einbezogen werden. „Uns ist besonders wichtig, dass beim ‚Pakt für den Nachmittag‘ keine bestehenden Angebote verdrängt werden, sondern die schon bestehenden etablierten Strukturen ergänzt und noch besser miteinander verzahnt werden“, betont Lorz.

Geplant ist, dass die Hauptstelle der ASS vom Schuljahr 2016/2017 an als „gebundene Ganztagesschule“ das umfassendste Betreuungsangebot in Isenburg anbieten wird. Die Kinder können dort laut Magistrat bei Bedarf bereits um 7.30 Uhr kommen, und sie werden bis 14.30 Uhr unterrichtet. Auf Wunsch wird eine Betreuung bis 17.30 Uhr mit Mittagessen angeboten.

Sowohl die ASS als auch die Uhland-Schule erhalten mit der Teilnahme am Pakt vom Land Hessen zusätzliche Ressourcen in Form von Stellenzuweisungen und finanzielle Unterstützung. Und was heißt das Ganze nun konkret für die Schulen? Für die ASS bedeutet der „Pakt“ wohl vor allem ein einheitliches Bildungssystem im Haupthaus; denn mit Halbtags- und Ganztagsklassen sowie der verlässlichen Grundschule in der Dependance im Buchenbusch gab es in den vergangenen Jahren drei unterschiedliche Systeme nebeneinander.

Nach den Sommerferien wird nun die Schule im Buchenbusch eine eigenständige Grundschule im sogenannten „Profil I“ mit Betreuung bis 15 Uhr und Mittagessen. Die ASS-Hauptstelle in der Freiherr-vom-Stein-Straße wird in den „Pakt“ aufgenommen. Mit 2,4 Lehrerstellen mehr rechnet Rektorin Bettina Helfer. Für alle Kinder ist künftig der Schulbesuch bis 14.30 Uhr verpflichtend, auf Wunsch wird eine Frühbetreuung angeboten. Die Eltern haben außerdem weiterhin die Wahl, ob sie ein Mittagessen und/oder die Betreuung in der Freizeitvilla bis 17.30 Uhr dazu buchen wollen. Allerdings müssen die Eltern für die neuen „zusätzlichen Leistungen“ auch etwas zahlen: 70 Euro monatlich sind fällig; Mittagessen noch nicht inklusive.

Die Abspaltung von der Dependance im Buchenbusch, erläutert Helfer, sei auch der Gesamtsituation in Isenburg geschuldet – so sei etwa durch die Neubaugebiete ein großer Anstieg der Schülerzahlen zu erwarten. Doris Keiber, die Rektorin der LUS, sieht den Pakt ebenfalls als Chance. Ganz reibungslos laufe es allerdings noch nicht. Die erhöhte Lehrerzuweisung sei zugesagt, es sei aber bisher nicht gelungen, die Stellen zu besetzen. Keiber hofft, dass die Suche nach passenden Kollegen bis nach den Ferien Erfolg hat.

Im Kreis und in Isenburg habe das Thema Bildung seit Jahren hohe Priorität, erklären Landrat Quilling und Bürgermeister Herbert Hunkel. Im Kreis gebe es bereits an allen Grundschulen Betreuungsangebote, die zum Teil sehr unterschiedlich organisiert werden. „Mit dem Pakt können wir nun einen erheblichen Schritt weitergehen und die bestehenden Angebote stärker rhythmisieren.“ Viel Vorarbeit sei zu leisten gewesen, „wir sind froh, dass es jetzt losgeht“, so Quilling. Enttäuscht, dass es zunächst einmal nur zwei Schulen im Kreis sind, die im Sommer mit dem Pakt starten, ist er nicht. Es sei für alle Beteiligten ein Lernprozess. Andere Schulen hätten durchaus Interesse und könnten nun von den Erfahrungen profitieren – „ich glaube, andere werden nachziehen“. (hov)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Kommentare