Neues Leben für altes Haus

Am Waldschwimmbad: Aus Restaurant wird Bürogebäude

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Zur Eröffnungsparty am Freitagabend gab’s unter anderem eine Trommel-Show vor dem illuminierten Gebäude, die viele Gäste verfolgten. Äußerlich hat das markante Haus seine Optik in weiten Teilen behalten, die große Terrasse allerdings wurde verglast.

Neu-Isenburg - Das war nicht irgendeine Eröffnungsfeier: Aus dem ehemaligen Waldschwimmbadrestaurant ist ein Bürogebäude geworden, dessen Glasfassade das Bild des Traditionshauses mit der wechselvollen Geschichte verändert und ihm neues Leben eingehaucht hat.

Die Stadt zeigt sich mit dieser Lösung sehr zufrieden – nicht nur, weil die beiden im Haus ansässigen Vereine bleiben dürfen. „Housewarming“ nennen es die Amerikaner, wenn sie ein neues Haus beziehen und erstmals den Kamin anfeuern. Warm wird es auch den Gästen bei der großen Party der Firma Brand Loyalty Germany GmbH, die vom Industriegebiet im Osten der Hugenottenstadt in das ehemalige Schwimmbadrestaurant gezogen ist. Die Eröffnungsfeier für das von Grund auf sanierte und auch noch etwas erhöhte Gebäude ist ein Fest für alle Sinne. „Das schönste Gebäude für unser bestes Team“, kommentiert Robert van der Wallen, Vorstandsvorsitzender von Brand Loyalty International, bei der Übergabe des Hauses an das Isenburger Team am Freitagabend. Ein dickes Lob stellt er dem Projektleiter Hans Jörg Stapff – selbst Isenburger und bei Brand Loyalty „Head of Quality“ – aus.

Ein bisschen scheint es am Freitag, als wären alte Zeiten wieder eingekehrt in das historische Gebäude an der Carl-Ulrich-Straße. Dort fanden einst legendäre Feste statt – doch nach einer Zeit des Leerstands waren bekanntlich in dem Haus, das bis Ende 2014 der Stadt gehörte, mehrere Anläufe verschiedener Pächter gescheitert, dort ein Restaurant zu betreiben. Weil die Stadt bei der Verpachtung als Gastrobetrieb dauerhaft Verluste von rund 230 000 Euro wegstecken musste, hatte das Stadtparlament schließlich entschieden, die Immobilie zu verkaufen – wie es die FDP seit geraumer Zeit gefordert hatte.

Wo einst die Sonnenterrasse war, hat Verena Magel-Giudice nun ihren Arbeitsplatz – mit optimalem Schwimmbad-Blick.

„Es war wirklich ein glücklicher Zufall, dass wir mit Ihrem Unternehmen in Kontakt gekommen sind und Sie sich für dieses Gebäude entschieden haben“, schildert Bürgermeister Herbert Hunkel die schwierige Anbahnung des Verkaufs – denn es waren sehr viele Emotionen mit im Spiel. Die Firma Brand Loyalty – Marketing-Spezialisten, die unter anderem schon für Rewe, Metro und Spar gearbeitet haben – suchte größere Büroräume und fand im leer stehenden Schwimmbadrestaurant ein geeignetes Objekt, das freilich noch etwas vergrößert werden musste. „Wir haben derzeit rund 50 Mitarbeiter, 40 von ihnen sind ständig anwesend und wir wollten auch noch Kapazitäten für eine personelle Aufstockung“, schildert Projektleiter Stapff die Bedingungen für den Kauf.

Durch einen geschickten Kniff des Isenburger Architekten Walter Lautenbach gelang dies, ohne dass die Gebäudefront eine merkliche Veränderung erfuhr. Mit einem Kostenaufwand von rund 3,8 Millionen Euro wurde das Ex-Schwimmbadrestaurant schließlich in ein vorzeigbares „neues“ Gebäude umgebaut. „Es ist eine überaus gelungene Verwandlung in ein modernes Bürogebäude, zudem mit einem dreifachen Nutzen für unsere Stadt“, betont Hunkel bei seinem Grußwort: „Wir sind jährlich einen Kostenfaktor los, wir konnten das Gebäude erhalten und auch noch eine Firma in Neu-Isenburg halten.“

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Der Rathauschef verweist aber auch auf die große Überzeugungsarbeit, der es bedurfte, um dieses mit vielen Emotionen behaftete Gebäude zu veräußern. Er sieht im neuen Gebäude die schönste Verwaltung der Stadt – durch die Glasfront ist der Blick aufs Schwimmbadgelände frei.

Was Hunkel auch freut: Der Vertrag mit Brand Loyalty sichert den Vereinen, die im Untergeschoss des Gebäudes ihre Räume haben – die DLRG und der Tauchverein Neptuns Freunde – für die nächsten 15 Jahre das Nutzungsrecht der Clubräume zu. „Eine tolle Geste“, stellt Hunkel heraus.

„Hier möchte ich glatt arbeiten, das muss wirklich Freude machen“, meint Stadtwerke-Geschäftsführer Eberhard Röder, der einen Bilderrahmen mit historischen Fotos des Gebäudes mitgebracht hat.

Die Philosophie von Brand Loyalty sei Transparenz, betont Robert van der Wallen. Dies werde in der Architektur im neuen Verwaltungsgebäude sichtbar. Die Büroräume präsentieren sich hell und freundlich. „Ich habe den allerschönsten Arbeitsplatz, aber das wird nicht ewig so bleiben“, zeigt Verena Magel-Giudice auf ihren Stuhl buchstäblich an der Sonne – im obersten Geschoss, quasi in den Baumkronen und mit Blick aufs Freibad. „Aber so alle halbe Jahre wechseln die Teams ihre Plätze.“ 

lfp

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