Mit dem Longboard

Auf und ab für den Weltrekord

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Neu-Isenburg - 24 Stunden auf dem Brett: Mit neun anderen Sportlern hat der Neu-Isenburger Robert Busch den Weltrekord im „Distance Skaten“ auf dem Longboard erzielt. Von Domenico Sciurti

Am Kinn unter seinem Bart versteckt ist eine etwa ein Zentimeter lange Narbe. Die hat er sich auf dem Longboard zugezogen. Darüber lacht der 28-jährige Sportler heute. Aber jedem, der sich auf das Brett mit Rollen stellt und sich „in den Verkehr stürzen möchte“ rät er, erst einmal richtig bremsen zu lernen. Auch Helm und Knieschützer sind empfehlenswert, um Verletzungen zu vermeiden. Longboard-Fahren ist seinen Angaben nach seit etwa drei Jahren Trend. Immer mehr Menschen trauen sich demnach auf das etwas andere Skateboard. Kerngruppe sind zwar 17 bis 35-Jährige, aber auch über 40-Jährige hat er schon gesehen, die die Vorzüge des Longboards zu schätzen wissen.

Busch gehört trotz zugezogener Verletzung zu den Profis. Vor etwa vier Jahren entdeckte er das Longboard in einem Katalog und wollte es unbedingt ausprobieren. Es folgte die Bestellung, ohne zu wissen, ob es wirklich was für ihn ist. Doch bereits kurze Zeit später war er ein großer Fan und schnell arbeitete er sich zum Könner hoch. Heute ist er mit neun anderen Skatern Weltrekordhalter im „Distance Skaten“.

Weite Distanzen fahren

Der Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde gelang der Gruppe beim Longboard-Festival in Offenbach. Vorgabe war, in 24 Stunden mindestens 500 Kilometer Strecke zurückzulegen. Die zehn Männer schafften sogar 585,28 Kilometer. Mit von der Partie war auch der 25-jährige Dean Szczuka aus Dreieich, mit Leo Riemer ein weiterer Neu-Isenburger sowie ein Dietzenbacher. Unterstützung kam von Yves Lorenz, dem Inhaber des Snowboard- und Fashionstores Panorama in Neu-Isenburg, der teilweise die Ausrüstung für die beiden Männer zur Verfügung stellte.

Zehn Starter:

Für den Weltrekord sorgten neben Robert Busch (68,84 Kilometer) und Dean Szczuka (56 km) folgende Longboarder: Christian Pfeiffer (München, 65,92 km), Marco Heinen (Korschenbroich, 32,32 km), Florian Kren (München, 44,48 km), Jan Hahlbrock, (Linz, 64,32 km), Dennis Sander, (Neu-Anspach, 81,92 km), Leo Riemer (Neu-Isenburg, 64,32 km), Lars Tüxen (Viersen, 51,52 km) und Sascha Appel (Dietzenbach, 56 km).

„Distance Skaten“, also weite Distanzen fahren, ist eine der Eigenschaften, die das Longboard vom Skateboard unterscheidet. Durch größere und weichere Rollen sowie einer bestimmten Technik sind Longboardfahrer länger unterwegs. Das Longboard ist im Unterschied zu einem normalen Skateboard zudem meist größer und stabiler – deswegen ideal als Einstiegssportart und – wie Busch sagt – je nach Modell auch stark genug, um selbst einen „100-Kilo-Mann“ zu tragen. „Alle-Leute-Skateboard“, nennt er es. „Je größer das Board, desto einfacher zu fahren“, erklärt Busch. Wer sich einmal ans Board gewöhnt hat, der kann dann auch mehr wagen, als nur lange Distanzen zu fahren: Weitere Techniken sind beispielsweise das „Sliden“ – ein kontrolliertes Rutschen. Hohe Geschwindigkeit erreichen die Longboarder beim Downhill-Fahren, also beim Bergabfahren. Beim Carving (Schnitzerei) wird das Kurvenfahren zum Kunststück und beim Dancing, also Tanzen, vollführen die Fahrer verschiedene Dreh- und Laufbewegungen.

„Vorwärtskommen“

„Sich umschauen und dabei vorwärtskommen“, ist das Lebensmotto, das Busch auf das Brett gebracht hat. Heutzutage würden die Menschen dazu tendieren, immer nur zielgerichtet nach vorne zu rennen, sagt er. Der 28-Jährige möchte beim Vorwärtskommen aber auch seine Umgebung wahrnehmen und dabei Spaß haben.

Robert Busch

Zudem liebt er Sport, unterrichtet hauptberuflich Yoga und begibt sich regelmäßig auf das Snowboard. Das Longboard ist für ihn gleichzeitig sportliche Betätigung und Fortbewegungsmittel in einem. „Fahrräder werden geklaut“, scherzt Busch. Beim Vergleich mit dem Fahrrad wird der Neu-Isenburger ernst: „Mein Traum ist es, dass das Fahrrad-Fahren und das Longboarden irgendwann einmal gleichgestellt sein werden.“ Er spricht damit das Problem mit der Straßenverkehrsordnung an, die das Nutzen eines Longboards auf den Straßen untersagt.

Selbst auf Radwegen sei das Fahren lediglich toleriert. Skaten dürfe man eigentlich nur auf dem Gehweg und dort auch nur mit Schrittgeschwindigkeit. Doch, betont Busch, würde die Polizei nicht streng mit den Skatern umgehen. Bei Ausflügen mit etwa 30 Longboardern, die er im Sommer regelmäßig in Dreieich organisiert, seien die Sportler des Öfteren angehalten und darauf hingewiesen worden, dass das Fahren auf der Straße eigentlich verboten sei. Doch anstatt Strafen zu verteilen, baten die Beamten, möglichst nur Feldwege zu nutzen und sich wenigstens mit Lichtern auszurüsten. Der Bitte seien die Skater sofort nachgekommen, betont der 28-Jährige.

Dean Szczuka

Zusammen mit seinem Kollegen Szczuka ist er guter Dinge, dass die Gesetzgebung in Zukunft klare Regeln für das Skaten aufstellen und das Fahren auf Straßen legalisieren wird. Immer mehr Interessengruppen würden zusammenkommen und somit Druck machen. Bis dahin sei es aber auf jeden Fall angebracht, vom Straßenverkehr gesperrte Wege für das Longboard-Fahren zu nutzen, empfiehlt der Profi. So wie auch beim Festival in Offenbach.

Kein Verkehr auf dem Berg

Dieses war Bestandteil des Wettbewerbs Mission Olympic um den Titel „Aktivste Stadt Deutschlands“, einer deutschlandweiten Initiative, um Menschen zu einem aktiven Lebensstil zu bewegen. In Zusammenarbeit mit dem in Neu-Isenburg ansässigen 40Inch Longboard Magazin wurde das Festival auf die Beine gestellt. Für den Weltrekordversuch nutzten die Veranstalter eine verkehrsfreie Strecke auf dem Bieberer Berg in Offenbach. Die zehn Teilnehmer wurden vom 40Inch Magazin selbst ausgewählt.

Auf der 320 Meter langen Strecke mussten die Skater dann 24 Stunden lang auf und ab fahren. Busch machte laut eigener Aussage nur eineinhalb Stunden Pause und erzielte für die Gruppe eine Distanz von 68,64 Kilometern, das heißt, insgesamt 214 Mal ist er den Berg auf- und abgefahren. Der Dreieicher Szczuka kam auf 56 Kilometer. Auf dieses Erfolgserlebnis möchte sich Busch aber keineswegs ausruhen: „Nächstes Jahr müssen wir den Rekord sicherlich verteidigen.“

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