Stadt bereitet der Test eines neuen Anflugverfahrens Sorgen

Mal wieder Krach ums Thema Fluglärm

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Neu-Isenburg - Ein neues Anflugverfahren, das die Deutsche Flugsicherung derzeit testet, bereitet Isenburgs Stadtoberen Bauchweh. Das Problem: Der ohnehin schon stark lärmbelastete Stadtteil Gravenbruch kriegt noch mehr Krach vom Himmel ab.

Das will Bürgermeister Herbert Hunkel nicht hinnehmen. „RNP-to-xLS“ – diesen sperrigen Titel trägt das neue Verfahren, das dem Rathauschef Sorgen bereitet. Seit Ende Mai und bis zum 31. August wird es mit maximal 300 Flügen für beide Betriebsrichtungen getestet. Es handelt sich um ein Präzisionsanflugverfahren, das einen genaueren Verlauf des Anflugs erlaubt und sich durch eine kurvenförmige Anflugspur auszeichne. Dadurch sollen landende Flugzeuge exakt um Siedlungsgebiete herumgeführt werden können. Das Verfahren ähnelt dem bereits bekannten „Segmented Approach“, dem „verschwenkten Anflug“, der seinerzeit in aller Munde war.

Allerdings könne im Gegensatz dazu beim Test diesmal der Anflug sowohl auf die Süd- als auch auf die Nordwestbahn erfolgen. Die Anflüge auf diese beiden Bahnen würden dann südlich der Stadt Offenbach zwischen Obertshausen und Heusenstamm geführt werden. Dies würde laut Magistrat zu einer Entlastung Offenbachs bei gleichzeitiger höherer Lärmbelastung der südlich liegenden Gemeinden – wie zum Beispiel Heusenstamm, Obertshausen und Gravenbruch – führen. Für die Kernstadt hingegen seien keine großen Änderungen zu erwarten, „da sich die Luftfahrzeuge dann bereits auf dem Endanflug befinden“.

Es handelt sich zwar vorerst lediglich um einen Test, der Ende August enden wird. Danach werde das Verfahren vorerst ausgesetzt und nach einer Auswertung soll über das weitere Vorgehen in den Gremien, unter anderem in der Fluglärmkommission, beraten werden. Doch Hunkel will es nicht versäumen, sich rechtzeitig in dieser Angelegenheit zu positionieren. Denn es sei „als sicher anzunehmen, dass die für RNP-to-xLS vorgesehene Route zu einer höheren Lärmbelastung der südöstlich vom Flughafen gelegenen Gebietskörperschaften führen wird. Für Neu-Isenburg trifft dies vor allem auf Gravenbruch zu“.

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Dabei sei der Stadtteil ohnehin schon stark durch die Nähe zur A3 verlärmt. Falls der Probebetrieb erfolgreich verläuft und das Anflugverfahren eingeführt wird, würden die Gravenbrucher also laut Hunkel noch mehr Lärm abbekommen. „Prinzipiell befürworten wir die Einführung leiserer Flugverfahren“, sagt der Bürgermeister. „Im Falle von RNP-to-xLS soll vor allem Offenbach entlastet werden. Dies würde jedoch zu einer weiteren Lärmerhöhung im Kreis führen. Davon wäre auch Gravenbruch betroffen. Die kann nicht hingenommen werden.“ Die Stadt wiederholt deshalb gestern per Pressemitteilung ihre schon vielfach geäußerte Forderung: „Es muss überall leiser werden! Verfahren, die neue Belastungen schaffen würden, können nicht im Sinne der Region sein.“

Das Kurvenanflugverfahren RNP-to-xLS kann nur an Flughäfen angewendet werden, die bereits über entsprechende bodengestützte Navigationsanlagen GBAS (Ground Based Augmentation System, Satelliten gesteuert) verfügen – was auf den Frankfurter Flughafen zutrifft. Zudem müssen die Flugzeuge mit einem GBAS-System ausgestattet sein, was bisher jedoch nur für eine geringe Zahl von Flugzeugen der Fall ist.

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Momentan, so heißt es in der Pressemitteilung aus dem Rathaus, lasse sich noch nicht präzisieren, wann und ob das Verfahren in den Regelbetrieb übergehen wird. Man könne aber davon ausgehen, dass mittel- oder langfristig die Etablierung des Anflugverfahrens beabsichtigt ist. Die DFS habe in der Sitzung der Fluglärmkommission am 20. Mai 2015 erläutert, dass sie mit einer baldigen Zulassung des Verfahrens durch die European Aviation Safety Agency (EASA) rechne.

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