Flotte Filme mit vielen Fans

Youtube-Star mit Jugendkulturpreis ausgezeichnet

Am Mittwochabend nahm Sven Marquardt in der Huha den mit 1500 Euro dotierten Preis entgegen. Sein Film „Hier nicht!“ beeindruckte die Jury mit schnellen Schnitten und kreativen Bildern.
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Am Mittwochabend nahm Sven Marquardt in der Huha den mit 1500 Euro dotierten Preis entgegen. Sein Film „Hier nicht!“ beeindruckte die Jury mit schnellen Schnitten und kreativen Bildern.

Neu-Isenburg - Alle vier Jahre verleiht die Stadt den Jugendkulturpreis. Bürgermeister Herbert Hunkel erzählt von der Jury aus Vertretern des öffentlichen Lebens und der Jugend: Von Stefan Mangold

Es habe im Dezember keine langen Diskussion gegeben, aus den Bewerbern dem Filmemacher Sven Marquardt den Zuschlag zu geben. Am Mittwochabend nahm der 15-Jährige im gut gefüllten Foyer der Hugenottenhalle den Preis in Empfang. Sven Marquardt kann sich nicht nur über Urkunde und Ruhm freuen, sondern auch über die 1 500 Euro Preisgeld, die der Gymnasiast von der Goetheschule für eine neue Filmkamera ausgeben will. Den Kulturpreis gewann Marquardt für seinen 78-sekündigen Film mit dem Titel „Hier nicht“, der mit dem Konterfei des Filmemachers und der Symbolik eines Fadenkreuzes beginnt, das sich über dessen rechtes Auge einschwenkt. Letztlich geht es um den geplanten Amoklauf eines jugendlichen Täters. Es fallen die Stichworte „Waffenbesitz“, „Selbstjustiz“ und „Terror“, die sich durch die Einblendung am Ende auflösen.

Als „Sven Blablub“ firmiert Marquardt auf Youtube, seine Beiträge werden auch in der Schule diskutiert. Bei der Verleihung zeigten Mitschülern mit Plakaten ihre Sympathie.

Was das Thema Amokläufe betrifft, ließen sich die USA und Deutschland zumindest partiell vergleichen. Schließlich erschossen auch an hiesigen Schulen psychisch kranke Täter schon Mitschüler. Was den Terror des Alltags betrifft, beleuchtet der Zehntklässler jedoch eine andere Perspektive. Das Risiko in den USA, einem Tötungsdelikt zum Opfer zu fallen, nimmt sich sechsmal höher aus als in Deutschland. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass nicht jeder Bürger, der sich schief angesehen wähnt, im Laden nebenan eine Pistole kaufen kann, um die Ursache seines Unbehagens ins Jenseits zu schicken. Ein täglich virulenter Terror, den niemand so nennt, weil ihn die Gesellschaft durch Gewohnheit akzeptiert.

In Marquardts Preisträgerfilm nimmt der Zuschauer quasi an der Suche des Täters nach Zufallsopfern teil. Die Kamera streift, wie aus der Perspektive eines Raubtieres, Einfamilienhäuser. Der Film lebt von seinen schnellen Schnitten, die mit den Taktwechseln der Musik korrespondieren. Der Streifen endet mit dem Abbild der jeweiligen Landkarten der USA und der Bundesrepublik. „Hier“ steht unter der einen, „hier nicht“ unter den Umrissen Deutschlands. „Ästhetik, Kreativität, Ideenreichtum gepaart mit einer ausgereiften Filmtechnik kennzeichnen die Arbeit von Sven Marquardt“, heißt es in der Begründung zur Preisvergabe der Jury, die auf der großen Urkunde zu lesen ist. Diese und den Preis übergaben am Mittwochabend Kulturdezernent Theo Wershoven und der Bürgermeister.

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Hier geht es zum Youtube-Kanal von Sven Marquardt 

In seinem filmischen Alltag unterhält der Klassensprecher einen Youtube-Kanal. Für „#freiTag“ wirbt bei der Verleihung in der Huha ein Fanclub aus Mitschülern mit Plakaten. In seiner Danksagung stellt der junge Mann, der sich äußerst selbstbewusst und sympathisch präsentiert, seine Anfänge vor. Der Vater schenkte dem damals Zehnjährigen eine Fotokamera, die den Jungen im Urlaub beschäftigen sollte, „damit ich weniger meckere“. Sein erster Trickfilm bestand aus abgespielten Fotografien. Später kam ihm der neue Laptop der Mutter gelegen. Der verfügte über ein Videoschnittprogramm. Als Vorbilder in Sachen Humor nennt Marquardt die Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Olli Schulz. Nach dem Abitur will der Isenburger, der mit seiner Familie in Zeppelinheim lebt, sein künstlerisches Interesse beruflich ausbauen: „Mir schwebt eine eigene Filmproduktionsfirma vor.“

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