Langjährige Museumsleiterin wechselt nach Saarbrücken

Jessica Siebeneich sagt Servus

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Jessica Siebeneich neben dem Maschinisten am Zwölf-Zylinder-Maybach-Motor des LZ 127. Nach siebeneinhalb Jahren verlässt die 37-Jährige Neu-Isenburg, heute ist ihr letzter Arbeitstag. Zum 1. Juli tritt sie eine Stelle im Historischen Museum Saar in Saarbrücken an.

Neu-Isenburg - Ob Zeppelinfahrt oder Serenadenreihe, Apfelwein-Schau oder Bembeltreff: Siebeneinhalb Jahre lang war die junge Historikerin Jessica Siebeneich zuständig für die Leitung von Zeppelinmuseum und Stadtmuseum „Haus zum Löwen“ und hat die Entwicklung der beiden Häuser mit geprägt.

Heute jedoch ist ihr letzter Arbeitstag in Neu-Isenburg: Die 37-Jährige tritt zum 1. Juli eine neue Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Historischen Museum Saar in Saarbrücken an. Als sich Siebeneich 2008 für die Leitung der beiden Isenburger Museen bewarb und auch noch den Zuschlag erhielt, war es für sie wie ein Glücksfall. „Ich war damals im Unternehmensarchiv der Zeppelinreederei beschäftigt und somit schon einmal mit der Materie des Zeppelin-Museums vertraut“, erzählt sie. Das Haus zum Löwen befand sich damals in der Endphase des Umbaus. „Die Konzeption war zwar vorgegeben, doch ich war bei der Umsetzung dabei, das hat mir ebenfalls viel geholfen“, nennt Siebeneich einen weiteren Grund, warum die Zeit in Isenburg für sie eine besondere war.

Dass sie der Hugenottenstadt dennoch den Rücken kehrt, hat mehrere Gründe. „Dass Neu-Isenburg eine Lebensstellung werden würde, davon ging ich niemals aus, jetzt habe ich die Chance bekommen in ein großes Museum zu wechseln und in einem großen Team zu arbeiten.“ Aber es gibt auch einen ganz persönlichen Grund: Ihr Lebensgefährte hat jüngst einen neuen Job in Saarbrücken angetreten. Doch trotz aller Freude über den neuen Lebensabschnitt geht Siebeneich auch mit einem weinenden Auge. „Ich wurde in Isenburg sehr gut aufgenommen, die Menschen sind sehr offen und hilfsbereit“, betont sie und verweist auf Weggefährten wie Christel Passinger, Gerhard H. Gräber oder Wolfgang Kuhn.

Der Weg zur Wiedereröffnung des Heimatmuseums war für Siebeneich eine besondere Erfahrung. Gefallen habe ihre an ihrer Arbeit in Isenburg aber auch, dass sie viele Sonderausstellungen und spannende Dauerausstellungen konzipieren und organisieren konnte – darunter „Arbeiten am Luftschiff“ (2013); „Köche, Kapitäne und Co – Berufe an Bord eines Zeppelins“ (2014) oder „Apfelwein macht schön, schlank und schlau: Apfelwein in Neu-Isenburg“ (2013). Ein Höhepunkt sei für sie auch die „Nacht der Zeppeline“ gewesen.

Zu ihren Aufgaben „hinter den Kulissen“ gehörte die Museumsverwaltung, die wissenschaftliche Betreuung der Dauerausstellung sowie des Archivs und die Erschließung und Digitalisierung der Archivbestände. Sie knüpfte Kontakte, vernetzte und warb für die Museen. Ein Beispiel: Fast alle Grundschüler Isenburgs müssten eigentlich in den vergangenen sieben Jahren einmal im Sachkundeunterricht bei Jessica Siebeneich gewesen sein. Denn ein wichtiges Arbeitsfeld war die Museumspädagogik.

Viel Erfahrung konnte sie aber auch in der Frage sammeln, wie sich Veranstaltungen mit unterschiedlichen Erfolgsprognosen tatsächlich entwickelt haben. „Da gab es auch so manche Enttäuschung und andere wurden zu Selbstläufern, so wie die Serenaden-Reihe von Karl-Werner Jörg“, so die Museumsleiterin. Ihre Jahre in der Hugenottenstadt bezeichnet sie als „schön, spannend und abwechslungsreich“. Dass sie nun an das Historische Museum Saar wechselt, liegt auch an ihrem Studium der Industrie- und Wirtschaftsgeschichte. „Mich interessierte schon immer die Nachkriegszeit und hier war ja das Saarland ein besonderer Spielball zwischen Frankreich und Deutschland.“

Ihren Umzug nach Saarbrücken würde sie am liebsten mit einer Zeppelinfahrt machen. „Ich habe zwar auch ein Faible für den großen Maybach-Motor, aber mein Lieblingsplatz im Zeppelinmuseum war die Passagiergondel; es muss wunderbar gewesen sein, mit dem Zeppelin so nahe und ruhig über die Landschaften geschwebt zu sein“, meint Siebeneich. Ihr bisheriger Dienstherr, Bürgermeister Herbert Hunkel, nutzte gestern die Magistratspressekonferenz für einen Abschied samt reichlich Dankesworten. „Jessica Siebeneich war für die Besucher aus aller Welt eine kompetente Ansprechpartnerin“, betonte der Rathauschef. Und sie habe für ihren Nachfolger oder ihre Nachfolgerin die Messlatte sehr hoch gehängt.

Auch der Verein für Zeppelin-Luftschifffahrt bedauert den Weggang: „Ein kleiner Trost bleibt uns ja: Sie wird weiter unser Vereinsmitglied bleiben, und sie wird die Faszination der Zeppeline vom Heimathafen der Zeppelin-Luftschifffahrt nach Saarbrücken tragen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Wer Siebeneichs Job übernimmt, steht laut Hunkel noch nicht fest. Das Interesse an der Stelle sei groß, weit mehr als 100 Bewerbungen habe die Stadt erhalten. Die Bewerbungsgespräche seien jedoch noch nicht abgeschlossen. 

lfp/hov

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