Der kühlste Kopf im Fegefeuer

Abschied von Obertshausens Erstem Stadtrat Hubert Gerhards

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Seltenes Quartett: Bürgermeister Roger Winter (links) und die Vorgänger Bernd Roth (rechts) und Josef Seib überreichten Hubert Gerhards die Abschiedsurkunde.

Obertshausen - Er war der Erste Stadtrat neben drei Bürgermeistern. Jetzt überreichten ihm Roger Winter, Bernd Roth und Josef Seib die Urkunde zum Wechsel in den Ruhestand: Nach 24 Jahren verlässt Hubert Gerhards, dienstältester Wahlbeamter im Kreis, zum 31. Juli das Rathaus. Mit Wegbegleitern feierte er im Bürgerhaus Abschied. Von Michael Prochnow 

Der neuen Stadtverordneten-Vorsteherin Julia Koerlin oblag es, die Gäste zu begrüßen. Eine Mammutaufgabe – alles, was Rang, Namen oder beides hat in Obertshausen, strömte zur Verabschiedung von Hubert Gerhards. Allein: Sie hatte es immer noch leichter als der amtierende Bürgermeister Roger Winter. Denn der hatte die Mission, das „bewegte politische Leben von Hubert Gerhards“ zu skizzieren. 1951 in Dernbach im Westerwald geboren, baute Gerhards sein Abi in Montabaur, studierte Rechtswissenschaften in Mainz und Freiburg, legte 1983 das zweite juristische Staatsexamen ab. Es folgte der „Wechsel ins wunderschöne Offenbach am Main“, wo er als Dezernatsbeamter und persönlicher Referent bei Bürgermeister und Stadtkämmerer Petermann „erste Einblicke ins kommunalpolitische Geschehen“ gewann.

Die nächsten Stationen Gerhards waren das Rechtsamt und das Stadtkrankenhaus. 1987 wechselte er als Leiter des Schulamts zum Kreis Offenbach, bearbeitete Rechtsangelegenheiten, wurde Verwaltungsoberrat. 1989 übernahm er die Verwaltung des Dezernats III. Er galt schon damals als „kompetenter und kommunalpolitischer Kenner“, zitierte Winter. „Sein sachlich-ruhiger, kollegial-verbindlicher Umgangston“ überzeugte. Er habe sich als Mitarbeiter erwiesen, der sich durch die „Fähigkeit der straffen Gedankenordnung und der scharfen Begriffsbildung“ auszeichnet. Gerhards stand vier Schuldezernenten zur Seite.

1989 wurde er CDU-Stadtverordneter in Obertshausen. Es folgte eine kurze und lehrreiche Ausbildungszeit im Haupt- und Finanzausschuss sowie im Bauausschuss, bevor er Mitte 1992 erstmals zum Ersten Stadtrat gewählt wurde. Er war zuständig für die Finanzen, Soziales und Stadtwerke und bemerkte schon damals, dass „Wünschenswertes eventuell zurückgestellt werden muss“.

1998 wurde Gerhards mit einer „dramatischen Los-Entscheidung“ wiedergewählt, 2002 kam der arbeitsintensive Fachbereich Bauen, Wohnen, Umwelt und Verkehr hinzu. 2004 folgte die erneute Wiederwahl. Bei der Wahl 2010 gab es drei Abweichler - Kommentar Gerhards: „Gute Pferde springen immer knapp“. Winter lobte damals als Fraktionsvorsitzender der Grünen die „offene und dialogbereite Person“.

Sie sei in 24 Jahren „durch alle Fegefeuer der Kommunalpolitik“ gegangen, immer mit einem kühlen Kopf. Der Stadtrat befand sich 5040 Stunden in Sitzungen in Obertshausen, hinzu kamen jene von Kreistag, Planungsverband, Regionalversammlung, Kreisverkehrsgesellschaft, Abwasserverbänden.

„Trotz unserer unterschiedlichen politischen Herkunft haben wir es stets geschafft, ein gutes, konstruktives Klima zu haben“, dankte Winter. „Auch die unterschiedlichen Mehrheiten haben es nicht geschafft, uns auseinander zu dividieren. Sie waren ein höchst angenehmer Kollege, dessen Wortwitz und Gesellschaft stets bereicherten“, würdigte der Bürgermeister.

„Bei seiner Einführung war’s genauso heiß“, erinnerte Landrat Oliver Quilling. Das sei ein „Zeichen für die Verlässlichkeit von Hubert Gerhards“. Der „Fels in der Brandung“ hinterlasse ein bestelltes Feld. Für Anthony Giordano von der CDU geht eine Ära zu Ende. Dr. Ulrich Picard dankte Gerhards für die Begleitung der Vereine. Moderator Oskar Mürell präsentierte auch den Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde und die Jazzband.

„Kaum einer hat die Städtepartnerschaft so gelebt wie Hubert Gerhards“, betonte Laakirchens Bürgermeister Fritz Veichtinger. Er verlieh Gerhards den Ehrenring der Stadtgemeinde. Der Hainburger Rathauschef Bernhard Bessel sprach für die Kollegen im Kreis, lobte den Stadtrat als „absoluten Verwaltungsfachmann, der nie den gesunden Menschenverstand verloren, aber humorvoll für gutes Miteinander gesorgt“ habe.

Versprochen - gebrochen: Die bekanntesten Wahllügen

Im Namen des Vereinsrings dankte Luis Galvez für Gerhards Einsatz für die Vereine. Karl-Christian Schelzke vom Hessischen Städte- und Gemeindebund lud ihn ein, Fachvorträge zu halten. Die Bürgermeister a. D. Josef Seib und Bernd Roth haben sich mit ihrem Stadtrat „blind verstanden“ und „immer gewusst, was du denkst“, weil sie täglich mit ihm Probleme diskutierten. Roth: ,„Du bist pragmatisch, pflichtbewusst, manchmal stur in der Sache - aber es hat Spaß gemacht“. Er versprach: „Die Zeit danach ist auch schön“.

Lob sei in diesem Beruf relativ selten, salbe aber die Seele, meinte Gerhards. „Vieles muss in Ordnung und richtig gewesen sein“, doch „zu viel Weihrauch schwärzt den Heiligen“. Er resümierte aber auch: „Die CDU ist nicht immer fair mit mir umgegangen“. Und „ohne Mitarbeiter im Rathaus bewegt man gar nichts.“

Er stamme mit zwei Brüdern aus einem christlich geprägten Elternhaus, das ihm Werte vermittelt und eine gute Ausbildung gewährleistet habe. Beides bildete den „tragenden Boden auf meinem Berufsweg. Verantwortung, Pflichterfüllung und Respekt vor dem anderen sind Maxime meines Handelns“. Seine Frau Ursula und die drei Söhne gaben ihm Rückhalt, Nestwärme und Rückzugsraum.

Hubert Gerhards bleibt in Kreistag und der Regionalversammlung Südhessen. Der Stadt wünscht er ein „friedliches, tolerantes Miteinander und eine gute Zukunft“.

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