GKS-Schüler wagen sich an Neuinterpretation von „Frühlingserwachen“

Alter Stoff im neuen Gewand

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Diesmal probten die Schüler nicht nur einen Theaterklassiker, sondern schrieben ihn zuvor um.

Obertshausen - Das Theaterstück „Frühlingserwachen“ von Frank Wedekind gehört zu den Lektüreklassikern. Die Schüler der Klasse „Darstellendes Spiel“ der Georg-Kerschensteiner-Schule (GKS) hat die Geschichte so fasziniert, dass dem Plot einen modernen Anstrich gegeben haben. Von Peter Back 

Am Mittwoch, 11. , und Donnerstag, 12. Mai, werden sie ihre Fassung des satirischen Dramas auf die Bühne bringen. Man muss kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass die Aula der Georg-Kerschensteiner-Schule (GKS) bei den Aufführungen des Theaterstücks „Frühlingserwachen“ gut gefüllt sein wird. Denn in den vergangenen Jahren haben sich die Produktionen des Unterrichtsfachs „Darstellendes Spiel“ einen Namen gemacht. Zeit also, etwas Neues zu wagen. Seit Februar proben die Schüler das satirische Drama „Frühlingserwachen“ von Frank Wedekind mit der Besonderheit, dass sie den gesellschaftskritischen Stoff in die heutige Zeit transferieren. Denn für die Schüler ist die Gesellschaftskritik des Stücks immer noch aktuell – wenn auch auf eine andere Art und Weise.

Während Sexualität in der Zeit um die Entstehung des Werks als Tabuthema galt, sei heute eine Übersexualisierung zu beobachten, finden die Jugendlichen. Diesen Aspekt wollten sie in dem Theaterklassiker von 1906 herausarbeiten. Mit dieser Idee überzeugten sie ihre Lehrerin Christiana Blumöhr.

Bevor es mit den Proben losgehen konnte, machten sich also die Oberstufenschüler daran, dem über 100 Jahre alten Text eine zeitgemäße Form zu geben. Authentizität war dabei eines ihrer wichtigsten Ziele. Die Überarbeitung sei nicht einfach gewesen, waren sich die Schüler einig. „Die Herausforderung des Umschreibens bestand darin, den Zuhörern glaubhaft zu machen, dass damals tatsächlich noch viele Jugendliche an den Klapperstorch geglaubt haben“, erklärt Schülerin Paulina Streitenberger.

Für die Bearbeitung des Textes nahmen sich die Jugendlichen, allein oder zu zweit, jeweils einzelne Szenen des Originaltextes vor, kürzten sie und schrieben sie in eine moderne Sprache um. Auch der Gedanke, die Texte auswendig lernen zu müssen, ließ sie den Umfang des Stoffs stark reduzieren. „Das Schauspiel zeigt auf eindrucksvolle und traurige Weise, was passieren kann, wenn man nicht aufgeklärt ist“, sagt Schülerin Laura Haefner. „Das Drama, bei dem drei Jugendliche den Tod finden, verschönert nichts, sondern beschreibt eine dunkle Seite des Lebens“, ergänzt Streitenberger.

So düster die Geschichte auch ist, die Arbeit habe großen Spaß gemacht, erzählen die Schülerinnen. Jeder sei mit großer Begeisterung dabei – das sei ansteckend, sagt Haefner. „Außerdem können wir unsere eigenen Ideen in das Stück einbringen und an fast jeder Stelle mitreden,“ sagt sie. 15 Mädchen und neun Jungs in der Klasse ergeben ein weibliches Übergewicht, sodass einige männliche Rollen von Mädchen besetzt wurden. „Die meisten freuen sich über den Geschlechtertausch“, sagt Streitenberger. „Einfach, um sich mal auszuprobieren“, fügt sie hinzu. „Wir erschaffen etwas Eigenes, das einzigartig sein wird“, beschreibt Streitenberger, die schon als Grundschülerin auf der Bühne stand.

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Wo Stück und Umsetzung eine Herausforderung für die Schüler waren, war die Requisite in diesem Jahr einfach zu organisieren. Da die Szenen im Alltag spielen, können sich die Schauspieler in ihrem eigenen Kleiderschrank bedienen. Die wenigen außergewöhnlichen Gegenstände seien im Theaterbestand der GKS vorhanden. Lehrer Christian Wilke ist mit seinem Team für die Technik verantwortlich und spart darüber hinaus während der Proben nicht mit Tipps für die Nachwuchsschauspieler. Ganz im Sinne eines Identität stiftenden Gedankens hat Lehrer Sebastian Hombach das Plakat und die Eintrittskarten in gleichem Design gestaltet.

Karten für die beiden Aufführungen am Mittwoch, 11., und Donnerstag, 12. Mai, jeweils um 19.30 Uhr, gibt es im Sekretariat der GKS, Georg-Kerschensteiner-Straße 2, zu fünf Euro das Stück im Vorverkauf sowie an der Abendkasse zu je sieben Euro.

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