Kostenlos, aber nicht umsonst

Basar der Flüchtlingshilfe ist Ort der Begegnung 

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Töpfe, Tassen, Teller: Die Spendenbereitschaft für die Asylsuchenden ist nach wie vor groß.

Obertshausen - Wenn die Flüchtlingshilfe zum Basar in die Gemeinschaftsunterkunft Georg-Kerschensteiner-Straße einlädt, dann gibt’s mehr als Besteck, Teddybären und Kaffeepötte. Von Michael Prochnow 

Die Bewohner der Container am Sportzentrum feiern auch ihr Wiedersehen mit den ehrenamtlichen Helfern. Ein würdiger Abschluss unserer Sommerreihe über die Flüchtlinge in Obertshausen.  „Man kriegt nichts geschenkt“, lautet der Titel eines Jugendbuchs, das sich Ahmadwali gerade von der Auslage ausgesucht hat. Das stimmt nicht. Das Werk ist durchaus geschenkt, wie alle anderen Waren des Basars. Ahmadwali wählt auch einen Band der Jugendbuchreihe von Enid Blyton „Hanni und Nanni“ aus. Mit den Büchern möchte der Asylbewerber seine Deutschkenntnisse verbessern. Er kam vor acht Monaten mit seinem Bruder aus Afghanistan und wohnt jetzt im ehemaligen Hotel Engel an der Herrnstraße. In seiner Heimat hat er Informationstechnologie studiert und war für einen Mobilfunkanbieter tätig. In diesem Beruf würde er auch in Europa gerne wieder arbeiten, erklärt er auf Englisch. Einen Sprachkurs bekommt er hier nicht, weil er kein anerkannter Flüchtling ist.

Etwa 320 Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen konnten, leben derzeit in der Stadt. Und die Unterstützung kommt von allen Seiten. Auch über die Gemeinde der Mormonen in Frankfurt und Offenbach erhalten alle Neuankömmlinge eine Erstausstattung mit Decken, Handtüchern, Töpfen und Geschirr. Dank der Fahrradwerkstatt haben die meisten Flüchtlinge mittlerweile einen fahrbaren Untersatz. Allein nach einem Artikel in unserer Zeitung erhielten Erich Hocke, Kurt Müller und ihr Team über 50 weitere Drahtesel. Für zahlreiche Migranten konnten auch bereits Wohnungen hergerichtet werden – dort fehlen allerdings immer noch Räume. An Sportangeboten fehlt es indes nicht: Robert Bedner bereitet derzeit mit sieben weiteren Trainern zwei Dutzend junge Männer auf eine Teilnahme am 24-Stunden-Lauf in Rodgau vor. Und neue Initiativen stehen bereits in den Startlöchern: Ursula Klinzing möchte ein Nähprojekt auf die Beine stellen. Mit der Schneiderin Enjela aus Afghanistan und weiteren Talenten an Schere, Nadel und Faden sollen aus Stoffresten Einkaufstauschen in verschiedenen Größen hergestellt und verkauft werden. Dazu erhielt Enjela jetzt einen großen Tisch, weil sie bisher nur auf dem Boden hockend arbeiten konnte.

Und Marga Hornof ist wieder da. Sie ist eine der Helferinnen der ersten Stunden. Sie bereitete für die Basarbesucher Langosch, die ungarischen Teigfladen, die mit einer Knobi-Sauce gereicht werden. Einige Frauen bringen Kuchen für die Kaffeetheke mit. Und die Obertshausener sind wieder äußerst spendabel. Helfer und Asylsuchende haben viel zu entladen. Bettwäsche ist dabei, auch noch Stapel von Jeans, Blusen und T-Shirts, die sonst nur in der Kleiderstube des DRK Hausen bereitgehalten werden. Dazu Gesellschaftsspiele und jede Menge Kinder- und Jugendbücher. Aber auch Praktisches wie Besteck, Tonkrüge, Vasen, Kuchenplatten und Suppenterrinen sowie eine antike Küchenwaage.

Bilder: So helfen Sie Flüchtlingen in der Region

Laut Anne Kraus, der Leiterin der Einrichtung, werden aktuell vor allem weitere Leute gesucht, die beim Deutschlernen unterstützen können. Gute Sprachkenntnisse sind Voraussetzung für einen Platz in der Berufsschule, für Praktikum, Ausbildung und Arbeitsplatz, sagt sie. Einen großen Wunsch der Flüchtlinge will die Stadt nun erfüllen. Geplant ist, einen offenen Zugang zum Internet zu installieren. Der ist für die Menschen in den Containern sehr wichtig, damit sie mit ihren Familien, Verwandten und Freunden in Kontakt bleiben können.

Bislang müssen sie einen großen Teil ihrer raren Barmittel in Mobilfunkkarten stecken, bedauert Anne Kraus. Aber noch mehr treibt die Menschen um: „Viele Ehefrauen erhalten in den Heimatländern einfach keinen Termin bei der deutschen Botschaft, um ein Visum für die Familienzusammenführung zu beantragen“, weiß sie aus vielen Gesprächen. Und was brauchen die Leute sonst noch? „Einen Staubsauger“, lautet die Antwort von Ahmadwali. Er lebt mit dem Bruder und zwei weiteren Männern in einem Raum, und den möchte er gerne besser sauber halten können, erzählt der IT-Techniker aus Afghanistan.

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