Beim „Girls Planet“ trauen sich die Mädchen mehr

Kicken ohne Lästereien

+
Der Asphalt auf dem Gelände der Joseph-von-Eichendorff-Schule eignet sich zum Üben mit dem Skateboard.

Obertshausen - „Jungs lachen!“ Das ist an und für sich kein schlechtes Zeichen. Nina meint aber „auslachen“, und das wirke verletzend, „man traut sich dann nicht mehr“, betont die Zwölfjährige, die gerade ganz stolz Sprünge und Drehungen auf einem rollenden Longboard demonstriert.

Zusammen mit fast 50 anderen Mädchen beteiligte sie sich am Girls Planet, um den sich am Samstag das Programm der städtischen Kinder- und Jugendförderung in der Joseph-von-Eichendorff-Schule drehte. Runde für Runde balancieren sieben Schülerinnen auf den langgezogenen Skateboards entlang des Mittelstreifens. Die aufgemalten Straßen für die Verkehrserziehung und der glatte Asphalt eignen sich hervorragend zur Orientierung, das Gelände ist zudem ein bisschen abschüssig, was das Vorankommen auf den bunten Brettern fördert. Ein Fuß über den Vorderrädern aufsetzen, mit dem anderen Bein abstoßen, dann mit beiden Füßen draufstehen, aber zu einer Seite gewandt. Der Pädagoge Flo Gundrum aus Neu-Isenburg muss die Technik nicht lange vormachen, die Mädchen haben schnell den Dreh raus. Nina zeigt immer wieder Sprünge auf dem fahrenden Brett, „ich hab einfach keine Angst“, sagt sie.

Die weichen Bambus-Boards federn tüchtig, eignen sich also besser bei einem nicht so glatten Untergrund und für artistische Einlagen, erläutert Flo. Mit den härteren Glasfaser-Modellen erzielen Könner hohe Geschwindigkeiten, mit bis zu 120 Kilometer pro Stunde rasen sie in Miami von den Hängen, während andere mit den Dingern kreuzen und tanzen. Anfänger trainieren erstmal zu balancieren und ihre Bewegungen zu koordinieren.

„Jungs geben an“, bringt die elfjährige Denice den Vorteil des „Planets“ auf den Punkt. „Hier haben wir keine Angst und trauen uns mehr“, formuliert die gleichaltrige Anna-Lena die Vorzüge, wenn die Girls mal unter sich sein können. Kai Hennig von der Jugendförderung hebt die eigene Atmosphäre hervor, wenn nur Mädchen da sind und ohne kritischen Blick und Lästereien besserwissender Jungs Fußball spielen können.

Kai hat das Angebot zusammen mit Oliver Spahn, der neu im Team ist, erarbeitet. Ein halbes Dutzend Mitarbeiter leiten die Workshops, darunter zwei weitere externe Kräfte wie der Hausener Gernot Stemper. Den Erzieher kennen viele Kinder von der Waldschule, jetzt hat er sich auf Zumba-Tanz spezialisiert und begeistert die jungen Damen in der Mehrzweckhalle mit Hüftschwung und bunten Tüchern.

Bei Monika Jentzsch kann man bunte Gummibänder fürs Armgelenk gestalten, daneben Motive aus Emaille-Pulver in einem Ofen brennen. Am Eingang liegen Utensilien zum Verkleiden bereit - für ein fetziges Foto mit der besten Freundin. Im Foyer laufen nonstop Hits mit den Stimmen junger Talente, in der zweiten Hallenhälfte werden im Wechsel mit Zumba, Hip-Hop und Wendo, die Verteidigungsdisziplin für Frauen, geübt.

Diesmal waren es etwas weniger Teilnehmerinnen - vielleicht wegen einer ähnlichen Veranstaltung in einer Kirchengemeinde, mutmaßt Kai. Er lädt schon für die Herbstferien ein, wenn er das Jugendzentrum in eine Kochschule wandelt. In der zweiten Woche gibt es einen Kreativtag und Ausflüge, die auch tageweise gebucht werden können: 06104/703 56-02, -03 oder -05. Infos: www.kiju-obertshausen.de. (M.)

Kommentare