Bei einer Probe der Sängervereinigung

Bembel als Schlagwaffe: Verwirrter verletzt Mann schwer

Obertshausen - Ein Mann hat den zweiten Tenor der Sängervereinigung Hausen bei der Singstunde Dienstagabend mit einem Apfelweinbembel niedergeschlagen. Opfer und Täter mussten in Kliniken - der Sänger in die Notaufnahme, der Täter in die Psychiatrie. Von Marcus Reinsch

Zuhörer sind bei den wöchentlichen Singstunden der Sängervereinigung Hausen eine Seltenheit. Hier wird geprobt, nicht konzertiert. Aber die drei Dutzend Stimmgewaltigen des Männerchors haben natürlich nichts dagegen, wenn sich auch mal ein Neugieriger in den Kleinkunstsaal des Bürgerhauses verirrt und lauscht. Das dürfte auch bei den nächsten Treffen nicht anders sein. Obwohl Misstrauen zu verstehen wäre. Denn bei der Singstunde am Dienstagabend hat ein 33 Jahre alter Zaungast ein Mitglied der Sängervereinigung mit einem Apfelweinbembel niedergeschlagen und schwer verletzt. Das Opfer musste mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus. Der Mann erlitt Wunden am Kopf, wurde mehrfach genäht. Die Ärzte renkten ihm auch seinen ausgekugelten rechten Arm wieder ein. Mittlerweile durfte er nach Hause. Morgen soll feststehen, ob er ein Schädel-Hirn-Trauma hat.

Willi Picard, einer seiner Sängerkameraden, hat einen Teil seiner Fassung wiedergefunden, als er gestern von den Ereignissen erzählt. Der Chor arbeitete wie immer am Feinschliff seines Repertoires, als ein manchen vom Sehen bekannter Mann aus der Nachbarschaft am Fenster auftauchte, dann durchs Restaurant den Saal betrat und hinter den im Halbkreis nach Stimmlagen sortierten Mannen Platz nahm. Dirigent Hans Schlaud habe ihn noch freundlich willkommen geheißen, bevor der Besucher gegen 19.50 Uhr unvermittelt aufstand, den Bembel eines Sängers griff, ihn dem zweiten Tenor über den Schädel zog und flüchtete, nachdem er einem anderen Akteur die Knöpfe abgerissen hatte.

Der größte Bembel der Welt

Die meisten Mitglieder des Chors umsorgten das Opfer. Eine Handvoll nahm die Verfolgung des Täters auf, blieb immer in Sichtweite, aber mit Sicherheitsabstand, gab der Polizei durchs Handy mehrfach die neue Position durch. Das war genau richtig. Die Ordnungsmacht griff in der Schillerstraße zu. In einer Zelle landete der Verdächtige nicht. Der 33-jährige, bestätigte Polizeisprecher Rudi Neu gestern, ist als verwirrt bekannt. Deshalb sei er in eine psychiatrische Fachklinik eingewiesen worden. Sein Motiv für den Anschlag sei bisher unbekannt.

Rubriklistenbild: © dpa

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