Bei dem anderen Volk

Besucherrekord beim Weinfest in Obertshausen

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Hugo Beutler-Torkler und seine Koko, Standbetreiber der ersten Stunde auf dem Obertshausener Weinfest.

Obertshausen - Das Weinfest übertrumpft sich gerade selbst: Seit der ersten Ausgabe vor acht Jahren waren noch nie so viele Besucher auf dem Festplatz Vogelsbergstraße versammelt wie am Freitagabend. Eine erste Bilanz aus der Perspektive eines Standbetreibers der allerersten Stunde.

Das ist Rekord: Rund 3000 Gäste zählten Jürgen Hofmann vom Kulturamt und Jürgen Krapp von den Weinfreunden auf dem Fest der guten Tropfen! Als wäre diese Zahl allein nicht schon Grund genug zum Jubeln, staunen die Organisatoren auch über die mitreißende Stimmung. Diesmal sind es die Sängerinnen der „Krassen Lappen“, die den Asphalt des runden Basketballfelds glühen lassen. Ein Dutzend Paare schwingen das Tanzbein, hinter der Bühne treffen sich Kinder, kreisen mit Rollern um die Band. Der Hügel am anderen Ende der Festmeile ist bevölkert mit Jugendlichen, einige haben sich Bier von der Tankstelle besorgt und genießen die Begegnungen in lauer Sommernacht nach ihrem Geschmack.

Hugo Beutler-Torkler war mit seinem sechseckigen, hölzernen Stand von der ersten Stunde an dabei. Damals stand die Bühne jenseits des Hügels, ihm war ein Platz auf der Südseite zugewiesen. „Jetzt ist es fast perfekt, schön kompakt“, bewertet der Weinhändler ganz aus der Nähe. „Selbst wenn mal nicht viel los, sieht es trotzdem gut besucht aus.“ Aber das ist diesmal nur vor 18 Uhr und nach 1 in der Frühe der Fall, also außerhalb der Öffnungszeiten. Auch dass sich „die Leute vertragen“, spreche für die Veranstaltung. Zu Hugo, der heuer neben Josefs Brezelwerkstatt residiert, kommen viele Stammkunden. Sie lieben die württembergischen Rebensäfte, den Trollinger und die klassischen badischen Sorten, Gutedel, Weiß-, Grau- und Spätburgunder. „Die sind ein bisschen kräftiger und gehaltvoller, von der Sonne verwöhnt“, wirbt der Gelnhäuser.

Als Händler darf er sein Sortiment ergänzen, hat einen Riesling von der Nahe und einen französischen Cabernet Sauvignon auf der Karte - was am Fußball-Donnerstag bekanntlich auch nichts geholfen hat. „Du kennst die Leute, die bleiben am Stand stehen und bekommen schon mal ein Glas extra“, beschreibt er Heimvorteil und Kundenpflege. Das Plus des Markts in Obertshausen sei die „sehr kollegiale Verwaltung, die nicht von oben herab“ herrsche. Andernorts habe er sich schon mal eine Abmahnung eingefangen, weil er fünf nach elf noch die Flasche eines Kunden aus dem Kühlschrank geholt hat. Die Kooperation mit den Weinfreunden schätzt Beutler-Torkler, weil die sich auskennen und Kontakte zu immer neuen Winzern knüpfen. „Die Auswahl der Teilnehmer ist qualifizierter, als sie ein städtischer Angesteller leisten könnte.“

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Auch das Miteinander der Kollegen sei perfekt, „man kennt sich“. Bäume und Bebauung bilden einen „geschlossenen Charakter“, Burg, Fachwerk oder eine historische Kulisse braucht man nicht“, lehrt ihn die Erfahrung. „Wichtig ist eine gute Erreichbarkeit für Besucher und Beschicker, „und die ist in Obertshausen perfekt“. Sagt der Experte. Interessant sei, dass viele junge Leute und Familien mit kleinen Kindern kommen. „Weintrinker sind halt ein anderes Volk.“ Sagt’s und serviert die letzten Mispeln, Äpfel, die aussehen wie Kiwis, geschält und entkernt im eigenen Saft eingelegt waren und mit Calvados genossen werden. Von Jose und seinen Freunde, die auf den 45. Geburtstag des Spaniers anstoßen. (M.)

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