Hermann-Hesse-Schüler lernen von Profisportlern

Boxen mit dem Europameister

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Die Zwölf- und 13-Jährigen der Hermann-Hesse-Schule geben beim Training mit den Profis alles.

Obertshausen - Boxen gegen Gewalt klingt wie ein Widerspruch, doch die Trainer der Budo-Kampfsportakademie zeigen: Kampfsport kann auch Prävention sein. Von Rebecca Röhrich 

Die Luft in der Turnhalle der Hermann-Hesse-Schule ist warm und stickig. Rund 40 Zwölf- und 13-Jährige stehen mit knallroten Köpfen und verschwitzten Haaren in einer langen Reihe. Mit ihren Fäusten trommeln sie nacheinander auf die Boxpratzen –das sind Handschuhe mit Polstern – ein, die ihnen Profiboxer Alexander Dimitrenko entgegenhält. Gemeinsam mit seinem Trainer Ibo Günes motiviert der Zwei-Meter-Hüne die Jungen und Mädchen, körperlich an ihre Grenzen zu gehen. Sie sollen aber auch lernen, mit ihren Aggressionen umzugehen und diszipliniert zu sein. Der 44-jährige Günes, ein kleiner drahtiger Mann und Karatemeister, kann auch mal laut werden, wenn die Unterhaltungen der Schüler zu emsig werden. Eine kurze Ansage von Günes, und es wird plötzlich so leise in der Halle, als hätte man ein Radio ausgeschaltet.

Die Teenies sind begeistert von den beiden Hamburger Sportlern, die drei Stunden lang mit Übungen für die Motorik Sozialverhalten trainieren wollen. „Kinder und Jugendliche brauchen Selbstbewusstsein“, sagt Günes. Gerade mit Beginn der Pubertät, wenn sich der Körper verändert, müsse man die Schüler unterstützen und ihnen Erfolgserlebnisse ermöglichen. Dann seien viele Konfliktpotenziale von Vorhinein ausgeschaltet. Denn: Aggression und Gewalt seien häufig ein Ausdruck von Unsicherheit. Aber auch Teamfähigkeit und Gemeinschaftsgefühl sollen bei dem Anti-Aggressionstraining gefördert werden. Gemeinsames Sporttreiben fördere den Zusammenhalt.

Und tatsächlich, die Klassen 6aR und 6aH wuseln bunt durcheinander, haben glückliche Gesichter. Keine Neckereien, keine Gruppenbildung. Wie ein Leuchtturm ragt Alexander Dimitrenko aus der Schülermasse heraus. Der Deutsche mit ukrainischer Migrationsgeschichte wurde 2010 Europameister im Schwergewicht. Um Kinder- und Jugendliche in schwierigen Situationen zu unterstützen, gründete er den Verein „Box dich durch“ und leistet dort Jugendarbeit und Integrationshilfe.

Große Kämpfe von Muhammad Ali

Dass die beiden Profis extra von Hamburg nach Oberts–hausen angereist sind, haben sie Claudia Demling-Günes, Elternbeirätin der Klasse 6aR, zu verdanken. Sie ist mit Trainer Günes verheiratet und hat ihre Beziehungen spielen lassen. Da auch die sportlichsten Schüler nicht drei Stunden durchpowern können, vermitteln die Trainer zwischendurch auch etwas Theorie. Yasmin, Eileen, Philip und Jordan wissen jetzt, dass sie, wenn Fremde sie bedrohen, selbstbewusst, aber freundlich auftreten sollten. Ihnen hat der Vormittag großen Spaß gemacht. Auch Schulleiter Dietmar Borrmann ist beeindruckt von dem großen Boxer. „So’n Typ trägt“, sagt er und freut sich über glückliche Gesichter, die nach dem Training raus in den Sonnenschein strömen.

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