Ein Mann der Worte

Dieter Mank schreibt über das Leben anderer

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Eine große Zeichnung vom geschätzten James Joyce ziert die Wand des Arbeitszimmers.

Obertshausen - Der Schriftsteller Dieter Mank verdient sein Geld mit den Lebensgeschichten fremder Menschen. Aber der promovierte Germanist schätzt auch das Wort im Dialekt. Für ihn die ehrlichste Form der Kommunikation. Von Rebecca Röhrich 

Alte, wuchtige Holzschränke, majestätische Tische aus der Jahrhundertwende und Bücher, wohin das Auge blickt. Durch schräge Dachfenster fällt Licht auf Bilder und Büsten und auf ein Notebook. Neben dem Gerät liegt, fein säuberlich gestapelt, das Manuskript seines „Schäksbier Speggtagels“ – William Shakespeare in südhessischer Mundart. Das Arbeitszimmer von Dieter Mank ist eines Schriftstellers würdig. Der 65-jährige Obertshausener liebt die Worte, besonders die hessischen. Seit über 30 Jahren beschäftigt er sich mit Dialekten, spielt mit ihnen, wie im Falle Shakespeare, oder schreibt humoristische Büchlein über die Eigenarten des hiesigen Lokalkolorits. Mank verfasste viel Begleitliteratur zu dem Lieblingsschriftsteller seiner Kindheit Karl May. Sein Geld verdient er als Chronist, verfasst Familiengeschichten und Biografien. Die Auftraggeber sind Patentanwälte oder Fabrikanten aus der Region. Ein Kunde kam sogar aus Hamburg. „Länger als ein Jahr sollte man nicht an einer Biografie schreiben“, erklärt der Mann mit Brille und wuscheligen weißen Haaren, während er an seinem Schreibtisch sitzt und sich um ihn rum die Bücher türmen. „Sonst verzettelt man sich.“ Halten die Kunden schließlich das fertige Buch über ihr Leben oder die Familiengeschichte in den Händen sei das oft sehr emotional.

Für den gebürtigen Frankfurter stand der Berufswunsch früh fest. Bereits als 18-Jähriger wollte er Schriftsteller werden. Hing 1968 bei der Frankfurter Buchmesse an den Lippen vom Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger, sog den damaligen Zeitgeist in sich hinein. „Alles ist politisch“ so die Parole. Mank studierte Germanistik und Philosophie, promovierte über den Autor Erich Kästner, wollte aber nicht „die Bodenhaftung verlieren“, wie er sagt. Hilfreich sei da die Liebe zum Dialekt gewesen. „Mundart ist etwas Handfestes“, sagt er. Der regional gefärbte Zungenschlag habe immer ganz stark etwas mit der eigenen Geschichte zu tun. Deshalb öffne der gleiche Dialekt oftmals Türen und Herzen der Menschen, mit denen er zu tun habe oder deren Lebensgeschichten er aufschreiben soll.

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Das Schreiben hat Mank ganz klassisch gelernt. Hat als Zeitungsjournalist bei der Frankfurter Neuen Presse begonnen und volontiert. Schon als Journalist scheute er sich nicht, die Menschen im Dialekt zu zitieren. So zum Beispiel bei einer Umfrage zum Rücktritt von Bundeskanzler Helmut Schmidt 1982. Für den belesenen Mann eben die wahrheitsgetreue Kommentierung von Frankfurtern eines bundesweit wichtigen Ereignisses. Denn der Dialekt transportiere mehr als das reine Wort. Mit den Jahren hat er sich allerdings einen Spleen angewöhnt. Zwar gibt es keine offizielle Schreibweise von hessischen Wörtern wie zum Beispiel Ebbelwoi. Dem Experten fällt es allerdings schwer, andere Schreibweisen als die Seinige als ebenso richtig anzusehen. „Aber ich bin tolerant“, sagt er. Nur das Wort Apfelwein werde nicht akzeptiert, setzt er lachend nach.

Einige Jahre hat er als Nachrichtenreakteur gearbeitet, bis er 1985 den Sprung in die Selbstständigkeit wagte, und bis heute nicht bereut. „Ich lebe meinen Traum“, sagt Mank. Im November wird er 66 Jahre alt. An Rente denkt er nicht. „Ich kann nicht ohne das Schreiben“. Wer überlegt, sein Leben oder die Familiengeschichte schriftlich festhalten zu lassen, kann sich an Dieter Mank per E-Mail: info@wort-momente.de oder telefonisch unter Tel.: 06104/499463 wenden. Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite www.wort-momente.de.

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