Drogenhandel, Anabolikabesitz und Verstoß gegen das Waffengesetz

24-jähriger Dealer aus gutem Hause verurteilt

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Symbolbild

Obertshausen - Wegen Drogenhandel, Besitz von Dopingmitteln und Verstoß gegen das Waffengesetz verurteilt das Schöffengericht in Offenbach am Montag einen Angeklagten aus Obertshausen zu 16 Monaten Haft auf Bewährung. Von Stefan Mangold 

Normalerweise erscheinen zu Prozessen, die sich um Drogenhandel drehen, zumindest Polizisten im Zeugenstand. Der einzige Zeuge, den das Gericht in diesem Fall laden wollte, verweigerte sein Erscheinen, weil er sich möglicherweise selbst belastet hätte. Andere Zeugen braucht es nicht. Der Angeklagte hatte signalisiert, alles zu gestehen. Für ihn spricht Anwalt Bernd Schuster, der ein Papier mit dem Lebenslauf des 24-Jährigen hoch hält. Mit dem Hinweis „Sie wissen, mit welchen Mandanten ich sonst hier oft auftauche“, leitet der Strafverteidiger seinen Vortrag ein. Er möchte ein anderes Bild vom Angeklagten vor Richter Manfred Beck und den Schöffen zeichnen als die Staatsanwältin – auch wenn die Vorwürfe stimmen würden. Schuster skizziert die Tat als „gutbürgerlichen Unfall“.

Dass der Angeklagte hier sitzt, liegt an einer Kette von Aussagen: Vor gut zwei Jahren ermittelte die Polizei gegen einen Dritten wegen Drogenbesitz. Bei dem fanden sich knapp 30 Gramm Amphetamin und 6,5 Gramm Marihuana. Das Amphetamin überschreitet die vor hessischen Gerichten als geringfügig angesehene Menge um fast das Dreifache. Bei Cannabis liegt die Grenze bei 7,5 Gramm. Der Mann, bei dem die Polizei die Drogen gefunden hatte, erzählte, er habe die Substanzen von jemandem bekommen, von dem er keinen Namen wisse, sondern nur ein Autokennzeichen. Direkt habe er den Kumpel nicht verpetzen wollen, vermutet Richter Beck. Bei der Halterin des Wagens handelte es sich um eine hochgestellte Beamtin. Deren Sohn, der im Elternhaus lebt, gab schnell zu, der Gesuchte zu sein. Bei der Hausdurchsuchung fanden die Ermittler fünf Ampullen Testosteron, einen Haufen Tabletten mit anabolen Steroiden nebst drei Butterflymessern.

Auf eine typische Drogenhändlerbiographie blickt der Obertshausener nicht zurück. In einer Sportdisziplin war er in der Jugend mehrfacher Hessischer und Deutscher Meister. Der Sport führte ihn später ins Fitnessstudio, wie Anwalt Schuster ausführt. Unter Bodybuildern sei Anabolika oft ein beliebtes Thema. Will heißen: Der Angeklagte handelte nicht damit, er konsumierte es selbst. „Heute nicht mehr“, beteuert der junge Mann, dem die Einnahme nicht gut bekam. Er habe deshalb einen Hormonspezialisten konsultiert, „das Zeug brachte alles Mögliche, nur nicht das, was es sollte“. Und herkömmliche Drogen habe er nie genommen, noch nicht mal normale Zigaretten geraucht.

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Dem Kumpel, der ihn verpetzte, habe er von den Anabolika-Geschichten erzählt. Der wollte daraufhin von ihm wissen, ob er auch einen Drogenhändler kenne. Der Angeklagte „kannte wen, der wen kannte“, der dem Kumpel letztlich auch das Amphetamin für 1600 Euro verkaufte. Der Obertshausener gesteht, 200 Euro an Vermittlungsprovision erhalten zu haben, womit er sich strafrelevant am Handel beteiligte. Anwalt Schuster spricht von einem einmaligen Ausrutscher seines Mandanten, dem die Mutter tüchtig den Kopf gewaschen habe. Die Butterflymesser stammten aus DM-Zeiten, „drei Stück für 20 Mark“. Der Gesetzgeber verbot die Waffe 2001. Beim Angeklagten hätten die Messer „in der Mottenkiste gelegen“.

Die Staatsanwältin fordert insgesamt 21 Monate Haft auf Bewährung. Der Verteidiger plädiert auf einen minder schweren Fall von Handel und wäre mit einem Jahr einverstanden. Beck verhängt neben den 16 Monaten Bewährung auch drei Jahre regelmäßige Stelldicheins beim Bewährungshelfer und 150 Arbeitsstunden, die er an Wochenenden und im Urlaub leisten könne. Das sei effektiver als eine Geldstrafe, „die hätte doch die Mama bezahlt“.

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