Angeklagter schweigt

Einbruch ins Monte-Mare-Bad: Viel Lärm um ein Klebeband

Obertshausen - Am Montag saß ein Mann auf der Anklagebank des Schöffengerichts in Offenbach, dem die Staatsanwältin vorwirft, vor drei Jahren in das Erlebnisbad Monte Mare in Obertshausen eingebrochen zu sein. Der Mann leugnet. Von Stefan Mangold 

Bei einem weiteren Verhandlungstermin soll eine Gutachterin für Erkenntnisgewinn sorgen. Als die Staatsanwältin und der Verteidiger Manfred Hans auf den Beginn der Verhandlung warten, deutet der Anwalt schon mal an, was er sich als Urteil vorstellt: Freispruch. Naturgemäß kann das die Anklagevertreterin zu dem Zeitpunkt nicht genauso sehen. Ob es auf eine Freiheits- oder Geldstrafe hinauslaufen wird, ist nach dem Prozessauftakt noch unklar. Es geht um Folgendes: Am 8. Juli 2013 ging bei der Feuerwehr eine Feuermeldung aus dem Monte Mare ein. Vor Ort stellte sich schnell heraus, dass zwar nichts lodert, aber Unbekannte der Freizeiteinrichtung einen nächtlichen Besuch abgestattet hatten – in der Absicht, den Tresor zu knacken.

Auf den beim Öffnen mit einem Schneider entstandenen Rauch und Staub reagierte der Brandmelder. Die Täter türmten. Im Gebäude müssen es zwei gewesen sein. Das verrät die Auswertung der Kameraüberwachung. Die Gesichter sind durch Mützen verdeckt. Einer wirkt nicht ganz schlank. Richter Manfred Beck bittet den Angeklagten, aufzustehen und sich zu drehen. Auch er steht nicht im Verdacht, mit Magersucht zu kämpfen. Für den Verteidiger sagt der Figurenvergleich nichts aus: „Dicke gibt es viele.“

Der Angeklagte wirkt anders als so mancher, der ansonsten hier aufs Urteil wartet. Zum Fall schweigt er, aber mimisch geht er mit. Fällt zwischen den übrigen Prozessbeteiligten ein humoriges Wort, dann lächelt auch er. Wirklich gewalttätig sieht der Mann nicht aus. Die Staatsanwältin vermutet, er sei ins Büro gestiegen und habe von dort ein Loch durch die Wand in das Zimmer gebohrt, in dem der Tresor stand. Ein bedächtiges Vorgehen: Hätten die beiden die Glastüre zerstört, wäre ein Alarm losgegangen.

„Man muss sehr genau hinsehen, um das zu bemerken“, erklärt ein Polizist. „Oder Insiderinformationen haben“, will der Verteidiger eine andere Option ins Spiel bringen. Die Täter hatten den Brandmelder mit einem Klebeband versehen. Schließlich schlug das Teil dennoch an. Am Klebestreifen fand sich die DNA des Angeklagten. Die ist gespeichert, weil er im letzten Jahr als Mittäter bei einem Einbruch zwischenzeitlich zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt wurde. Damals saß er Schmiere im Auto.

In dem Kontext bringt Anwalt Manfred Hans einen Lieblingsparagrafen von Strafverteidigern ins Spiel: Paragraf 154 der Strafprozessordnung. Der besagt unter anderem, dass die Staatsanwaltschaft von der Verfolgung einer Tat absehen kann, wenn der Angeklagte zwischenzeitlich wegen einer anderen Geschichte verurteilt wurde, damit bereits einen ausreichenden Schuss vor den Bug bekam und die Rechtsordnung gewahrt bleibt.

Denn der Anwalt argumentiert ansonsten, sein Mandant arbeite als Gärtner ständig mit Klebeband. Alle möglichen Leute hätten sich bei ihm bedienen können, zumal auf dem entsprechenden Band noch weitere DNA gefunden worden sei. Die Staatsanwältin will davon nichts wissen. Sie kann sich vorstellen, dass die DNA auf dem Klebeband landete, als der Angeklagte den Feuermelder verklebte. Da der Bericht in den Ermittlungsakten Verständnislücken aufweist und die Indizien noch unklar sind, wird die Sachverständige für einen zweiten Verhandlungstag geladen. Am morgigen Donnerstag geht es weiter.

„Tag der offenen Tür" im Monte mare

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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