Gericht verurteilt 30-Jährigen

Einbruch endet mit Beinbruch

Obertshausen - Die Zeit in Deutschland endete für einen Albaner schmerzhaft und hinter schwedischen Gardinen. Der 30-Jährige bekam wegen Einbruchs 18 Monate Haft. Von Stefan Mangold 

Der Mann hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich, sitzt mangels Wohnsitz in Deutschland bereits seit einem halben Jahr ein. Sein persönliches Dilemma beginnt am 31. Januar in Obertshausen. An diesem Tag soll der Albaner im Schutz nachmittäglicher Dunkelheit in eine Wohnung gestiegen sein. Keine leichte Aufgabe für den schwergewichtigen Eindringling, der nur dank körperlicher Höchstanstrengung die zwei Meter hohe Terassenmauer erklimmt, bevor er das Balkonfenster im ersten Stock aushebeln kann.

Drinnen bleibt ihm dann kaum Zeit, die Schubladen zu durchwühlen oder in Buchseiten nach Scheinen zu blättern. Lediglich einen Gürtel der Marke Hugo Boss steckt der Angeklagte ein, ehe er das Weite sucht. Doch aufmerksame Nachbarn haben vom geplanten Beutezug Wind bekommen, was auch der Einbrecher bemerkt. Dessen Flucht endet daraufhin abrupt und schmerzhaft: Beim wagemutigen Sprung vom Balkon über die Mauer auf die Straße bricht sich der Mann ein Bein. Kurz darauf nimmt ihn die Polizei fest.

Bei sich führt der Albaner Bargeld in einer Höhe, mit der nur selten jemand aus dem Haus geht. 7000 Euro finden die Beamten in der Hosentasche. Und damit nicht genug: Nur wenige Tage vor dem missglückten Coup hatten zwei Offenbacher ebenfalls Einbrüche angezeigt und den Verlust eines ähnlich hohen Geldbetrages beklagt. Ob das Geld, das der Angeklagte bei sich führt, damit in Zusammenhang steht, lässt sich jedoch nicht nachweisen. Auf den Scheinen finden sich keine Fingerabdrücke der Geschädigten. Der Angeklagte selbst gibt bei Gericht an, ein Bekannter aus Albanien habe ihm das Geld gegeben, um für ihn in Deutschland ein Auto zu kaufen. Richter Manfred Beck zweifelt an dieser Version. Schließlich habe der Mann bei der ersten Vernehmung durch die Polizei noch eine andere Geschichte erzählt.

Gegen die Version spricht zudem der Weg, über den der Albaner nach Deutschland gekommen ist. Dieser lässt sich durch Flugtickets und Stempel im Pass rekonstruieren. Der Angeklagte hält sich bei der Schilderung bedeckt. Fest steht: Von Tirana ging es für ihn nach Lyon, ein paar Tage später über Brüssel nach Wien. Dort mischte er sich unter Flüchtlinge und gelangte so unkontrolliert mit dem Zug nach Deutschland. Ein Einreisestempel fehlt jedoch.

Richter Beck vermutet, dass der arbeitslose Angeklagte nicht in Eigenregie, sondern im Auftrag einer Organisation gehandelt hat. Diese könnte die Reise vor dem Hintergrund finanziert haben, den Mann womöglich mit einer Einbrecher-Gruppe nach Deutschland zu schleusen. Dafür spreche auch dessen Wohnung in Obertshausen, die zum einen alles andere als leicht zugänglich liege, zum anderen einem nicht unvermögendem Bürger gehöre. Alles deute daraufhin, dass dies von den Kriminellen zuvor genau ausbaldowert wurde. Generell warnte der Richter davor, Immobilien in Online-Foren wie Facebook zu publizieren. Da das Gericht keine positive Sozialprognose für den Angeklagten sah, musste er im Anschluss an das Urteil von 18 Monaten Haft in die Justizvolzugsanstalt zurück. Ob er nach Verbüßung in seine Heimat abgeschoben wird, entscheidet das Ausländeramt.

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Rubriklistenbild: © dpa

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