Elternverein feiert 35-jähriges Bestehen

Spanien ist Teil Obertshausens

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Zur spanischen Kultur gehört auch der Flamenco, der zum Fest getanzt wurde.

Obertshausen - 35 Jahre - kein großes Jubiläum, aber Gelegenheit zu einem stimmungsvollen Rückblick. Von Michael Prochnow 

Beim spanischen Elternverein fällt der freilich temperamentvoll-musikalisch aus: Die „Asociacion de Padres de Familia“ erweiterte ihr traditionsreiches Weinfest um einen Feiertag mit einem akademischen Akt und viel Prominenz. Allein das südländische Wetter fehlte. Die Spanier mussten in Kleinkunstsaal, Foyer und Innenhof umziehen. Dabei war das Gelände vor dem Bürgerhaus in einen Festplatz verwandelt – mit Schiffsschaukel, Süßwaren-Stand und Bühne. Zur Atmosphäre gehörte vor allem Musiker Roberto Moreno, der mit spanischen und südamerikanischen Rhythmen alle Generationen bewegte. Gestern begleiteten das Duo Alma de Fuego und die Big Band der Karl-Mayer-Werkgemeinschaft die Geselligkeit im Bürgerhaus. An den Theken schenkten Vereinsmitglieder gute Tropfen aus den Anbaugebieten Rioja, La Mancha und Galicien aus. Und natürlich gab es, neben anderen Spezialitäten, Paella. Neben der Kasse konnte man für Giuliano spenden, den siebenjährigen Rödermarker, der an einer unheilbaren Krankheit leidet und einen Treppenlift benötigt.

„Wo ist die Zeit geblieben?“, fragte Luis Galvez, der den Elternverein gründete und seit mehr als 30 Jahren führt. Er ließ rund 50 Jahre spanische Kultur in Obertshausen Revue passieren. 1963 gründete sich in Hausen eine spanische Fußball-Mannschaft. Man traf sich im Schwesternhaus St. Josef, doch schon bald war das Pfarrheim zu klein. Also übernahm die Gruppe das geschlossene Kino in der Krone, das funktionierte aber nur bis 1969: Die „hitzigen Spanier“ feierten bis spät in die Nacht, Anwohner rebellierten, der Verein löste sich auf.

1971 waren die Spanier wieder da, erneut mit Fußballern, diesmal bei der Teutonia. Sie kickten nun erst in einer eigenen spanischen Hessenliga, später wieder in der deutschen, diese Episode endete 1979. Der Pfarrgemeinderat Hausen, in dem Galvez saß, organisierte eine Weihnachtsverlosung. Mit den Einnahmen wurden Geschenke für spanische Kinder besorgt. Im Januar folgte die erste Dreikönigsfeier.

„Wir müssen was machen“, erkannten die Südländer. Es folgte ein Maskenball, und wieder platzte der Saal aus allen Nähten. Im Oktober 1981 gründete sich dann der aktuelle Verein. Durch Bürgermeister a. D. Robert Roth und Ex-Parlamentschefin Hildegard Bühl wurde ein Raum an der Goethestraße gefunden, in dem das Vereinsleben florierte. Die Ziele waren klar formuliert, der Verein sollte Freizeitgestaltung bieten, spanische Werte und Gepflogenheiten pflegen, das Zusammenleben mit anderen Bürgern erleichtern, kulturelle und sportliche Veranstaltungen realisieren. Die „Asociacion“ unterhält „beste Kontakte zu Stadt, Kreis, Vereinen und hessenweiten Organisationen. Galvez dankte den Bürgermeistern und seinen Vorstandskollegen für die Unterstützung.

Auch der Bundestagsabgeordnete Peter Wichtel hat die Entwicklung des Jubiläumsvereins begleitet, würdigte in besonderer Weise das Wirken von Luis Galvez. Ismail Tipi aus dem Landtag kennt nach eigenen Angaben kaum einen anderen Verein, der so engagiert ist, „ihr packt einfach zu, und das ist es, was eure Gemeinschaft ausmacht“. Heide Heß überbrachte die Grüße des Landrats und die Botschaft, „eure Feste sind sehr angesagt“. Die Spanier vertraten den Kreis mehrmals bei Hessentagen. Erster Stadtrat Michael Möser gratulierte für den Magistrat, erinnerte sich an den „Mann mit Bart“. Galvez und die „Asociacion“ habe „Kultur nicht nur Kindern, sondern ganz Obertshausen vermittelt“, lobte Möser, „die spanische Kultur ist ein Stück von Obertshausen“.

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