Das Ende einer Ära

Metronom Music verabschiedet sich von den Bühnen der Stadt

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Musik ist die Leidenschaft von Ehepaar Fengler. Seit 26 Jahren prägt es die Musikszene der Stadt.

Obertshausen - Als das Duo Metronom Music 1990 aus dem thüringischen Schmalkalden nach Obertshausen kam, machten die Musiker sich schnell einen Namen in der Region.

Das Ehepaar Fengler sorgte damals für erste Annäherungen zwischen Ost und West: Im Gepäck hatten sie Schlager aus dem Osten. Nach 40 Jahren wollen sie das Musikerdasein nun beenden. Wenn das Duo Metronom Music in seine weißen ABBA-Kostüme schlüpft oder in Dirndl und Krachledernen auftritt, ist ihnen die Bewunderung ihres Publikums gewiss. Der Höhepunkt so mancher Show: Elke Fengler legt das aufblasbare Plastikkleid an. Mit dieser Gaudi und Unterhaltung soll nun Schluss sein. Das Paar will sich künftig mehr der Familie widmen. Zeit also für einen Blick zurück: Alles begann vor 40 Jahren im thüringischen Schmalkalden. Damals noch mit einer anderen Besetzung. Ab 1978 begleitete Udo Fengler die Gruppe am Keyboard – zu DDR-Zeiten eine Orgel aus dem Vermona-Kombinat in Klingental. Der Verstärker, erinnert sich Fengler noch gut, stammte aus eigener Fertigung, die Teile hatten sie auf dem Schwarzmarkt erworben.

Einfach drauf los spielen ging in der DDR nicht. Alle zwei Jahre lauschte eine spezielle Kommission den Bands im Lande und legte mit ihrer Klassifizierung die Stundenlöhne fest. Voraussetzung für künftige Engagements war, dass mindestens 60 Prozent Titel von DDR-Komponisten stammen. „Natürlich haben wir Grönemeyer und Maffay gespielt“, grinst Udo, „aber wir hatten auch bei uns gute Musiker“, erinnert er sich. Künstler wie Ute Freudenberg und die Puhdys, die im Westen kaum jemand kannte. Schnell hatte Metronom Music die strenge Kommission mit ihrem Können überzeugt. Die Kapelle wurde auf Anhieb in die Oberstufe eingeordnet.

Das bedeutete für jedes Bandmitglied einen Verdienst von 5,50 Ostmark pro Stunde. Damals stieß Elke Fendler zu der Truppe. 1987 schaffte es die Formation sogar in die Sonderstufe und erhielt einen Lohn von 7,50 Ostmark. Das Repertoire umfasste 300 Titel, die Formation trat an 50 bis 60 Abenden auf, vom Treffen der staatlichen Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ) auf Schloss Wilhelmsburg bis zur Urlauberunterhaltung in Oberhof. Vor 26 Jahren, also schon kurz nach der Grenzöffnung, machte die Familie Fengler in den Westen rüber. Elke fand eine Anstellung als Erzieherin in der Kita Rodaustraße. „Eigentlich wollten wir die Musik an den Nagel hängen“, erzählt Udo Fengler. Alte Kollegen und neue Nachbarn ermutigten sie jedoch, auch im Westen weiter zu spielen.

So wirkt Musik auf unseren Körper

In Obertshausen begann das Paar als Duo. Bald gehörte auch Tochter Colette zum Stamm der Gruppe, die je nach Auftrittsgröße mit Gastmusikern erweitert wurde. Die Fenglers gründeten weitere Formationen wie zum Beispiel die „Top Four“, die Pop von Abba und aktuelle Charts spielten. Auch der Hausener Bembel Express war eine Band des umtriebigen Ehepaars. In der ganzen Region brachten sie mit bis zu acht Musikern Oldies und Evergreens, Schlager, Rock und Pop und zünftige, handgemachte Musik auf die Bühne.

Udo hat Klavier und Trompete gelernt, spielt außerdem Tuba, Gitarre, Akkordeon, ist aktiv im Blasorchester des Musikvereins Dietesheim und im Werksorchester Karl Mayer. Er arrangierte zahlreiche Werke für den Bembel Express. Im Laufe der Jahre habe sich das Musikmachen stark verändert, erzählt Fengler. Zum einen wegen der neuen technischen Möglichkeiten und weil die Menschen durch die Neuen Medien übersättigt seien, meint Udo. „Es wird immer schwerer, das Publikum zum Singen und Tanzen zu motivieren“, ergänzt Elke. Auch würde das Interesse an ihren Veranstaltungen nachlassen. Ihr Auftritt beim Vatertagsfest der Hausener Feuerwehr am Donnerstag war einer ihrer letzten. Aber „so ganz aufhören können wir nicht“, gesteht Udo Fengler. Gerade bei der Feuerwehr hätten sie ein treues Publikum. „Durch die Musik sind wir mit vielen Menschen in Kontakt gekommen“, diese gewachsenen Beziehungen wolle das Paar weiter pflegen.

M.

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