Zweieinhalb Jahre Haft

Enkelin sexuell missbraucht

Obertshausen - Die Taten, die Richter Manfred Beck verhandelt, liegen lange zurück. Angeklagt ist ein 74-Jähriger. Laut Staatsanwalt soll sich der Mann in den 90er Jahren in Obertshausen an seiner Enkelin sexuell vergriffen haben. Von Stefan Mangold 

Das Urteil des Schöffengerichts in Offenbach: zweieinhalb Jahre Haft. Es sind abscheuliche Vorwürfe, die die Dolmetscherin bei der Anklageverlesung ins Polnische übersetzen muss. Aber als Richter Manfred Beck Rechtsanwalt John Hardrick fragt, ob sich sein Mandant zu den Vorwürfen äußern möchte, antwortet der 74-Jährige Angeklagte auf Deutsch: „So was gab es nie“, sagt der Senior: „Nie mit einem Kind, schon gar nicht mit der Enkelin“.

Aber die heute 29 Jahre alte Enkeltochter bleibt in ihrer Aussage bei den Vorwürfen. Die Übergriffe begannen schon vor ihrem siebten Lebensjahr nächtens im Ehebett der Großeltern, erzählt sie. Der Großvater habe ihr einen Finger in die Scheide gesteckt und anschließend daran gerochen. Sie habe vor Schmerzen geschrien und er ihr den Mund zugehalten, während er versuchte, sie zu penetrieren. „Die Oma lag daneben.“ Die habe zwar ihrem Mann aufgefordert, aufzuhören, doch dieser habe sie angeherrscht.

Auch das Opfer musste Schweigen. Die Enkelin erzählt, der Großvater habe einmal gesehen, wie sie ihren Popel aß. Anschließend drohte er, dies anderen Kindern zu petzen, falls sie sich ihm entziehe. Ein Detail, das sich kaum ausdenken lässt, wenn sie es nicht wirklich selbst erlebt hat. Nachdem sie nicht mehr bei ihren Großeltern übernachtete, habe sie der Großvater als Zwölfjährige zum Beispiel bei Familienfeiern in einem Nebenzimmer geküsst, ihr zwischen die Beine gefasst und befummelt.

Zu Ostern 2014 tauchte das Opfer auf einer Familienfeier auf. Ihrer Oma habe sie gesagt, sie werde eine Bombe platzen lassen. Die habe erwidert, sie wisse, was der Opa ihr angetan habe, „doch mach’ das bitte nicht heute“. Sie übergab ihrem Bruder einen Brief, dessen Inhalt einen Missbrauch durch den Großvater schildert. „Du gehst jeden Sonntag in die Kirche und glaubst, du bist ein guter Mensch“, liest Richter Beck daraus vor. Danach sei sie weggerannt.

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Die Mutter der Geschädigten war es schließlich, die ihren eigenen Vater bei der Polizei anzeigte. Die 50-Jährige berichtet, am Tag, als ihr Bruder zur Welt kam, habe ihr Vater sie nachts als Dreijährige ähnlich traktiert wie später ihre Tochter. Sie habe über Jahrzehnte gedacht, dieses Erlebnis nur halluziniert zu haben.

Der Angeklagte selbst sieht Geld als Motiv für die Anschuldigungen. Das Argument wirkt dünn. Die 5000 Euro Schulden bei den Eltern habe die Tochter bereits vor Jahren erlassen bekommen, der Erpressungshebel fehlt. Auch die Frau des Angeklagten sagt aus. „Mein Mann hat nichts gemacht“, sagt sie schon, ehe Richter Beck die Personalien abgeglichen hat. Sie hätte das niemals geduldet. Ihre bizarre Begründung: „Ich bin eine eifersüchtige Frau!“

Staatsanwalt und der Nebenkläger Peter Oberländer sehen die Vorwürfe durch die Aussagen als erwiesen an und fordern 30 Monate Haft. Anwalt Hardrick plädiert auf Freispruch, „letztlich steht Aussage gegen Aussage“. Richter Beck folgt dem Strafantrag der Anklage. Die Enkelin habe keinen „Belastungseifer“ gezeigt. Die Anzeige habe außerdem ihre Mutter gestellt.

Letzte Worte aus der Todeszelle

Rubriklistenbild: © dpa

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