„Unsere Türen stehen offen“

Fußballmannschaft des TV Hausen zeigt gelebte Integration

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Nassar Bekr (vorne) ist ehemaliger Profi aus dem Irak. Jetzt trainiert er in der ersten Mannschaft des TV Hausen.

Obertshausen - Männer, die aus Syrien oder dem Irak fliehen mussten, finden beim TV Hausen eine neue sportliche Heimat. Einige spielen sogar in der ersten Fußballmannschaft. Für seine Integrationsarbeit wurde der Verein von der DFB-Egidius-Braun-Stiftung ausgezeichnet.

Es geschah während eines Fußballspiels. Malek Alkhaldi stand im Tor seines Heimatvereins in Syrien, als eine Bombe den Fußballplatz traf. Hätte er auf der anderen Hälfte des Feldes gestanden, wäre der 38-Jährige jetzt tot. Wie die meisten Vereinskameraden und Zuschauer, die sich das Spiel angesehen hatten. Nach diesem Erlebnis hat Alkhaldi entschieden, zu fliehen. Jetzt lebt er in Oberts-hausen, ist einer der Asylsuchenden, die in der Stadt ein vorläufiges Zuhause gefunden haben. Und er steht wieder auf dem Fußballplatz. Diesmal für die zweite Mannschaft des TV Hausen. Allerdings nicht mehr im Tor, sondern auf dem Feld. „Er ist auch ein guter Feldspieler“, erzählt Trainer Ralf Halassek. Überhaupt habe der Verein von den „Neu-Obertshausenern“ nur profitiert. „Wenn die nicht gekommen wären, hätten wir Probleme, eine zweite Mannschaft aufzustellen“, erzählt Halassek. Außerdem seien ein paar sehr gute Spieler dabei. Nassar Bekr zum Beispiel. Der Iraker war Profi in seiner Heimat.

Jetzt bereichert er die erste Mannschaft des Turnvereins. Das Talent im defensiven Mittelfeld kam erst im Sommer an die Herrnstraße. „Ein Tor hat er schon geschossen und mehrere vorbereitet“, berichtet der Trainer und hat Respekt vor der Leistung seines neuen Mannes. Auch Verteidiger Rashad Alabbush ist bald so weit und darf für die erste Mannschaft auf den Platz. Der Syrer bringe genau das Können mit, das die Elf jetzt braucht, oder wie der Trainer es ausdrückt, „die Jungs sind für uns Gold wert“. Mit den neuen Spielern könnte der direkte Wiederaufstieg in die A-Klasse gelingen. Denn, so gern der Verein alle Flüchtlinge unterstützen möchte, es ist die Leistung, die zählt.

Der Trainer erzählt, er habe auch ein paar der Asylsuchenden wieder wegschicken müssen. Da reichte das Können mit dem Ball nicht aus, um bei Turnieren mithalten zu können. Die teilweise noch mangelnden Deutschkenntnisse sind kein Problem. Die Fußballregeln sind international. Ein kurzer Pfiff genügt. Halassek wartet an der Außenlinie, seine Spieler haben sich auf dem Platz bereits eigenständig warm gemacht. Jetzt versammeln sie sich in einer langen Reihe vor dem 43-jährigen Fußballlehrer, der ihnen einen etwas veränderten Trainingsablauf eröffnet: Heute wird mit „Kondition“ gestartet.

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Der 43-Jährige erinnert sich an die ersten Flüchtlinge, die im Winter zum Training kamen. Mit Espandrillos und zerschlissenen T-Shirts seien sie auf Fahrrädern zum Sportplatz geradelt. „Sie konnten kein Wort Deutsch, haben aber alle Übungen exakt ausgeführt.“ Die Brüder Almurtadha und Zain Kadhem hätten übersetzt. Halassek hat viel Lob für seine Schützlinge parat: „Sie wissen sich zu benehmen, sind dankbar, auf dem Platz nicht aufbrausend.“ Heute sorgen die Kameraden dafür, dass die „Neuen“ mit passenden Trikots, Schuhen und Sporttaschen kommen. Und der Verein hat bereits im Januar für drei der neuen Vereinsmitglieder Spieler-Pässe beim Deutschen Fußballbund (DFB) besorgt.

Ähnliche Geschichten wie die von Malek Alkhaldi hören Trainer und der Vorsitzende nicht selten von ihren Neuzugängen aus den Krisengebieten der Welt. „Unsere Türen stehen offen“, sagt TV-Vorsitzender Alexander Fischer. Der Verein freut sich, etwas zur Integration der Geflüchteten beitragen zu können. Und die Arbeit trägt bereits erste Früchte. Mittlerweile würden die neuen Spieler auch schon Einladungen zum Geburtstag folgen und bekämen von Mitspielern Hilfe bei der Wohnungssuche. Für seine Integrationsarbeit wurde der Verein jetzt von der DFB-Egidius-Braun-Stiftung ausgezeichnet. Die 500 Euro Preisgeld nutzt der Verein für die Ausstattung weiterer Flüchtlinge. M.

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