Jungvögel verenden

Aus der Traum vom vollen Storchennest 

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Als noch alles in Ordnung war: Die Storcheneltern bereiten sich auf Nachwuchs vor.

Obertshausen - Eigentlich gehört der Weißstorch zum Landschaftsbild im Kreis Offenbach wie der Äppler zur Grünen Soße. Doch erst seit den 80er Jahren wird sich darum bemüht, den Lebensraum der Tiere zu bewahren. In Obertshausen ist nun eine erste Ansiedelung gescheitert. Von Rebecca Röhrich

Und schuld war ausnahmsweise mal nicht der Mensch. Im Frühjahr hatte alles so gut angefangen. Mit Unterstützung des NABU Obertshausen hatte Landschaftsbauer Bernhard Rudolph einen Kunsthorst auf dem Wiesenhof aufgestellt. Zehn Meter hoch und mit geflochtenen Reisern aus Birke sollte das Nest ein Storchenpaar anlocken, das sich dort im besten Fall vermehrt und original Obertshausener Störche produziert. Seit 120 Jahren habe es keine nistenden Weißstörche mehr in der Stadt gegeben, erzählt Peter Erlemann, Vorsitzender des NABU-Ortsverbandes.

Und der Plan schien aufzugehen: Bereits wenige Tage nach dem Aufstellen des Nistplatzes zog ein Storchenpaar ein. „Die haben sogar begonnen weiteres Nistmaterial wie zum Beispiel Stroh zu sammeln, obwohl ja schon alles bereit war“, erinnert sich Erlemann. Einer der beiden Vögel trug einen Ring und stammte aus dem Nordrhein-Westfalen. Den entsprechenden Code habe Peter Erlemann mit seinem Fernglas ablesen können.

Als die Tiere anfingen zu balzen und sich zu paaren, war das Glück für die Naturschützer perfekt. Und tatsächlich, Anfang Mai begannen die Vögel Futter in die Nistmulde zu würgen und am 24. Mai war sogar der Schnabel eines Jungstorches an der Nestkante zu sehen. Um Gewissheit zu erlangen, ließ Unternehmer Rudolph einen Hubwagen unweit des Storchennestes aufstellen.

Aus dem hochgefahrenen Montagekorb war nun erkennbar, dass sich drei Junge im Nest befanden. Für die Spaziergänger, vor allem für die Familien mit Kindern, wurde das Storchennest eine echte Attraktion. Immer wieder fragten Obertshausener beim NABU-Ortsverband nach dem Befinden der Zugvögel, beobachteten das Verhalten der Tiere bei ihren Spaziergängen.

Naturschutzbund beringt Störche

Dann kam der Regen. Peter Erlemann erinnert sich noch genau. Es war Sonntagnacht, vom 29. auf den 30. Mai, als heftige stundenlange Schauer über das Land zogen. Hinzu kamen recht kühle Temperaturen. Zu viel für die Storchenkinder. Erlemann vermutet, dass der Regen ihr Gefieder völlig durchnässt hatte und die Kleinen daraufhin an Unterkühlung gestorben sind. Nach ein paar bangen Stunden folge am Morgen die Gewissheit. Kein Altvogel brachte mehr Nahrung zum Nest. Der Nistplatz verwaiste.

Immer wieder musste der NABU-Vorsitzende Fragen von interessierten Bürgern beantworten. Es sei schon traurig gewesen zu berichten, dass die Jungvögel gestorben sind, erzählt er. Doch er ist zuversichtlich, dass es vielleicht im nächsten Jahr mit dem Storchennachwuchs klappt. Seit drei Jahren würden in Weiskirchen die Vögel brüten. Die Chancen stehen also gut, dass im nächsten Frühjahr auch in Obertshausen wieder das typische Geklapper vom Horst auf dem Wiesenhof erklingt und im späten Sommer eine Gruppe Obertshausener Jungvögel ihre weite Reise in den Süden antritt.

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