Ablauf der Ferienfreizeiten hat sich sehr verändert

Erstes offizielles Zeltlager vor 60 Jahren

+
Peter Zahn, Initiator des ersten Zeltlagers der Katholischen Jugend Hausen (KJH) , erinnert sich an schöne Tage mit seinen Jungs.

Obertshausen - Der größte Unterschied liegt in den Dimensionen. Damals, Mitte der 50er Jahre, radelte so manche Gruppe der Katholischen Jugend in Hausen auf eine Wiese in Odenwald oder Vogelsberg. Von Michael Prochnow

Heute tüfteln die Organisatoren ein logistisches Meisterwerk für rund 150 Teilnehmer im Fichtelgebirge aus. Ein Vergleich zwischen fast 60 Jahren Zeltlager-Geschichte. Normalerweise treffen sie sich einmal in der Woche in dem kleinen Raum im Schwesternhaus an der St. Josefskirche. Peter Zahn und seine zehn Jungs im Alter von 14 und 15 Jahren. Kurz vor den Sommerferien 1962 sitzen sie öfter zusammen und besprechen das Programm. Jeder soll eine Aufgabe übernehmen für Vielbrunn. Das Städtchen an der hessisch-bayrischen Grenze ist das Ziel eines der ersten Zeltlager der Katholischen Jugend Hausen (KJH).

54 Jahre später. Die Runde der KJH-Gruppenleiter berät sich. Felicitas Sattler, Jonas Pfrötzschner und Valentin Kaiser bilden diesmal den Kopf für eine der größten Zelt-Freizeiten im Bistum Mainz. Fast 100 Mädchen und Jungen im Alter zwischen neun und 16 Jahren und rund 30 Begleiter und Helfer sind dabei. Ein eigenes Team bringt die Gruppen- und Funktionszelte mit Transportern auf den Platz in der Gemarkung Immenreuth-Gabellohe bei Bayreuth.

Auch Peter Zahn lässt 1962 die zwei geliehenen Zelte vorab ans Ziel bringen. Dazu hat er mit dem Bauern in Vielbrunn gesprochen und einen VW-Bus organisiert. Acht seiner Jungs schwingen sich aufs Fahrrad, strampeln mit Rucksäcken, Satteltaschen und aufgebundenen Kochtöpfen vier Stunden am Main entlang in Richtung bayrische Grenze. Unterhalb ihres Lagerplatzes plätschert ein Bach, in der Nähe heben die jungen Hausener eine Grube aus und legen einen Baumstamm als Donnerbalken drüber.

In einfachen Zelten und mit einem Donnerbalken als Toilette waren vor fast 60 Jahren nur die Jungs in der wilden Flora und Fauna unterwegs.

2016: In St. Pius haben sich alle Teilnehmer, viele Eltern und Geschwister versammelt. Pastoralassistent Ralf Hofmann erteilt den Reisesegen, dann geht es zu den wartenden Bussen. Auf dem Gelände im Fichtelgebirge werden die Schüler zum Auftakt Zeugen eines Streits zwischen „Lucky Luke“ und „Winnetou“. Die Inszenierung des Vortrupps lässt keinen Zweifel am Motto. Der „Wilde Westen“ heißt die neuen Siedler vor einem zweistöckigen Gebäude mit sanitären Anlagen willkommen. Vor 54 Jahren: Die Buben um den 18-jährigen Peter Zahn formen eine Feuerstelle aus Steinen. Holz haben sie schon gesammelt. Über den Flammen bereiten sie in den nächsten Tagen Eintopf, Nudeln mit Gulasch und warme Würstchen. Sie singen viel, Hans-Albert spielt dazu auf seiner Klampfe. Das Banner mit dem Christus-P, das sie als katholische Jugend ausweist, haben sie aufs Zelt gebunden, um es vor Überfällen zu sichern. Einer hält Nachtwache, die orangefarbene Fahne wird nie stiebitzt.

So einen peinlichen Diebstahl haben 2016 die im „Wilden Westen“ bislang auch verhindern können. Das Banner weht an einem Stamm in zehn Metern Höhe. Und wenn sich im Schutze der Dunkelheit „Gangster“ aus der Heimat oder aus Nachbargemeinden anschleichen, werden sie stets vor dem Raub von der Nachtwache entdeckt – und müssen als Tribut am Tage im Küchenzelt mit anpacken ...

Strafen für Schabernack gab es auch damals: Die Zahn-Truppe hat eine Zigarre an einen Kochtopf gebunden und diesen einem Kameraden auf den Kopf gesetzt. Der muss nun nach dem Stumpen schnappen. Abends werden Gespenstergeschichten vorgelesen, danach folgt das Abend-, in der Frühe das Morgengebet. Auch ein Kirchenbesuch steht auf dem Programm sowie Frühsport, Waldlauf und eine Radtour. Sie wird in einer Gartenwirtschaft enden, wo ein kühles Blondes gezischt wird. In der Westernstadt gibt es auch einen Gottesdienst. Allerdings geht es danach ins Freibad. Ideales Ziel bei den Temperaturen. Auch wenn sich viel geändert hat, die Jugendlichkeit und der gemeinsame Spaß einen die Teilnehmer von heute und damals.

Kommentare