Kochen steht ganz oben auf der Liste der ehrenamtlich Engagierten

Flüchtlingshilfe: Gemeinsam Schwitzen für Pizzen

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Fleißig belegen die Flüchtlinge und Ehrenamtlichen die Pizzen. Bild unten: Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Obertshausen - Unsere Sommerreihe über die Flüchtlinge in Obertshausen widmet sich dem Engagement der Helfer und dem Schicksal der neuen Nachbarn. Heute stellen wir die Freizeitgruppe der Flüchtlingshilfe vor. Von Michael Prochnow 

Sie unternimmt regelmäßig etwas mit den gestrandeten Menschen: Zum Beispiel Pizza backen. Pizza ist vielleicht nicht die gesündeste Variante eines Mittagessens. Aber Kinder lieben den belegten Teig aus der Backröhre, und in der Gemeinschaftsunterkunft an der Georg-Kerschensteiner-Straße haben die Bewohner jetzt noch eine ganz andere Fähigkeit der italienischen Nationalspeise entdeckt: Sie eint Nationen! Afghanen und Äthiopier stehen gemeinsam am Herd, Männer aus Eritrea, dem Irak und dem Iran arbeiten mit den jungen Leuten aus Obertshausen in der Küche der Pavillons am Sportzentrum. 15 Mitglieder umfasst die Freizeitgruppe. Sie unterstützt die Bewohner manchmal beim Deutsch-Lernen, startet einen Spieleabend, besucht den Frankfurter Zoo, die Alte Fasanerie in Hanau Klein-Auheim, unternimmt eine Fahrradtour ins Blaue. Oder ins Grüne. Oder sie backen Plätzchen oder grillen. Pizzamachen steht bereits zum dritten Mal auf dem Programm, und es ist die Spezialität von Corinna „Coco“ Ploch, Lisa Sannicolo, Tabea Münch und Laura Wörenkämper.

Gekonnt knallen die Jungs den Teigballen auf die Anrichte, breiten ihn mit den Händen aus, bevor sie ihn mit dem Nudelholz flach rollen. Die Mädchen haben zahlreiche Zutaten auf chromglänzende Schüsseln verteilt, die Hobbyköche gießen mit einer Schöpfkelle die Tomatensoße über die kreisrunden Teigfladen. Dann lassen sie geschnittene Zwiebeln draufregnen, legen Champignon- und Auberginenscheiben aus, kleine Würfel von Schafskäse und Mozzarella. Auch Mais, Brokkoli und Rucola stehen zur Auswahl. Die frischen Zutaten haben Laura und Tabea eingekauft, die Ausgaben erstattet ihnen Daniel Ketteler vom Büro der Flüchtlingshilfe.

Die meisten sind Vegetarier – das gilt auch für die Mädchen. Die kontrollieren indes die Einstellungen am Herd, heben den belegten Teig an und raten den Kochkünstlern, ihr Werk noch ein bisschen garen zu lassen. „Keiner von ihnen kannte Pizza“, erinnert sich Coco. Einer der 50 Bewohner hat aber als Koch gearbeitet, beherrscht das Schneiden und Verarbeiten der Zutaten, berichtet die Helferin. Heute ist er nicht dabei, dafür Abdul aus dem Irak. Er hat bisher kein kulinarisches Treffen ausgelassen, verrät Lisa. Jetzt kreiert er eine ganz besondere Version, formt den Teig zu einem Herz und legt die Käsewürfel zu Buchstaben: L, O, V, E. Die „Liebe“ zerläuft im Ofen ein wenig, ist aber noch lesbar. Und die kreativen Bäcker haben das Ergebnis zum Essen gern! Die ersten fertigen und heißen Werke werden stolz herumgereicht, die Leckereien sind wahrlich gelungen.

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Und noch eine andere Aktivität haben die Ehrenamtlichen auf die Beine gestellt: Dreimal in der Woche trainiert eine ganze Mannschaft Migranten von der Kerschensteiner-Straße und aus privaten Wohnungen mit fünf Übungsleitern für den 24-Stunden-Lauf. Er steigt am 10. und 11. September, bis dahin brauchen viele der Athleten noch passende Sportschuhe und -kleidung. Auch Sponsoren suchen sie noch, denn für jede gelaufene Runde soll ein Betrag gezahlt und dem Verein „Gemeinsam mit Behinderten“ überreicht werden.

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