Seit zwei Monaten liegt die Baustelle neben der Rodauhalle brach

Wo bleibt die Unterkunft für Flüchtlinge?

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Das Gelände an der Rodauhalle befindet sich seit zwei Monaten im Dornröschenschlaf.

Obertshausen - Seit Herbst 2015 steht fest: An der Rodauhalle sollen Unterkünfte für Flüchtlinge entstehen. Das hatte der Kreis Offenbach aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen im vergangenen Jahr beschlossen. Im März wurde der Auftrag vergeben. Von Rebecca Röhrich

Seitdem ist auf dem Gelände nicht mehr viel passiert. Das wundert Anwohner und Stadt. Ein Berg aus zerstückeltem Asphalt türmt sich auf dem Gelände neben der Rodauhalle. Ein Bauzaun sperrt die Fläche ab, wo die Flüchtlingsunterkunft des Kreises entstehen soll. „Seit zwei Monaten hat sich hier nichts mehr getan“, sagt eine Anwohnerin. Viele Obertshausener wundern sich, warum es mit den Arbeiten nicht voran geht. Zumal mit der Freifläche vor der Rodauhalle ein „wichtiger Ort für Jugendliche verloren gegangen ist“, erzählt die Anwohnerin weiter. Die gebe es ja in Obertshausen nicht so reichlich. Besonders jetzt in den Sommermonaten sei dies bedauerlich. Auch Erster Stadtrat Michael Möser, zuständig für den Bereich Planen und Bau, hat die Tatenlosigkeit auf dem Grundstück registriert. „Da ist schon ewig lange nichts mehr passiert“, sagt er.

Dass für die Errichtung der Flüchtlingsunterkunft der Bolzplatz – mindestens für die Bauzeit – wegfällt, bedauert der ehemalige Fachbereichsleiter für Soziales. Und tatsächlich stimmt da etwas nicht. Die Firma, die mit dem Bau der Unterkunft beauftragt wurde, baut nicht. „Die Firma ist mit den Bauleistungen in Verzug“, bestätigt Kordula Egenolf, Pressesprecherin des Kreises. Und es habe die vom Kreis gesetzten Pflichten nicht eingehalten. Aktuell laufe das Mahnverfahren gegen den Auftragnehmer. Eine formalistische und vor allem langwierige Angelegenheit, denn solange das Unternehmen mit dem Bau beauftragt ist, kann keine andere Firma die Arbeit übernehmen. Erst wenn auch die letzte Frist verstrichen ist, kann auf dem Gelände wieder etwas passieren – oder das Unternehmen macht doch noch mit der Errichtung der Gemeinschaftsunterkunft weiter. „Die Fristen müssen eingehalten werden“, bestätigt die Pressesprecherin. Wann die letzte Frist abläuft, war nicht zu erfahren. Es ist also völlig unklar, wann es mit den Arbeiten weitergeht.

Bauvorhaben dieser Art werden europaweit öffentlich ausgeschrieben. Man habe den Bieter vor der Auftragsvergabe im März 2016 sorgfältig geprüft, sagt Egenolf. „Vor diesem Hintergrund war für die Kreisverwaltung nicht abzusehen, dass es mit der beauftragten Firma Schwierigkeiten geben würde“, heißt es aus der Kreisverwaltung. Es war das erste Mal, dass der Kreis die Firma beauftragt hat.

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Die anderen zwei Kreisunterkünfte für Asylsuchende in Dietzenbach habe ein anderes Unternehmen errichtet. In Obertshausen soll eine Unterkunft mit 160 Plätzen entstehen. Anfang des Jahres war noch die Rede davon, dass die Einrichtung „im Sommer 2016 beziehbar ist“. Um den Bau der Heime gab es vorab viele Diskussionen, gerade, weil sie auf einer der wenigen Freiflächen der Stadt errichtet werden sollen. Laut Erstem Stadtrat Möser schaut sich die Stadt bereits nach geeigneten Flächen um, um die beiden Fußballtore, die auf dem Gelände standen, wieder aufzubauen. Die seien nämlich eingelagert und „warten darauf, an geeigneter Stelle wieder aufgestellt zu werden“, verspricht Michael Möser.

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