Neuer Förderverein in Obertshausen

Freunde für den Alten Friedhof

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Viele Obertshäuser besuchen regelmäßig das Gelände an der Rembrücker Straße. Für viele ist der Friedhof mehr als eine Ruhestätte.

Obertshausen - Eine Unterschriftenaktion mündete am Dienstagabend in einem Förderverein, der den Alten Friedhof bewahren will. Eigentlich soll dort in zehn Jahren mit Bestattungen Schluss sein. Von Peter Back

Fast täglich besucht Marianne Baier ihre verstorbenen Angehörigen auf dem Alten Friedhof am Rembrücker Weg. Wenn es nach einem Parlamentsbeschluss aus den 70er Jahren ginge, wäre dort mit Bestattungen in zehn Jahren Schluss und ab 2050 wäre gar eine andere Nutzung des Geländes möglich. Das wollte die Obertshäuserin nicht hinnehmen und wurde aktiv. Baier griff vergangenen Sommer zu Stift und Papier, fertigte eine Liste an und bat jeden, den sie traf, zu unterschreiben. Die Rentnerin wollte die Menschen für das Thema sensibilisieren.

Viele seien erschrocken, als sie erfuhren, dass ein Ende des Friedhofs möglich ist, erzählt sie. Motiviert durch den großen Zuspruch legte Baier die Unterschriftenlisten in zahlreichen Geschäften und in den Kirchen aus. „Bis heute haben mehr als 600 in Obertshausen lebende Personen unterschrieben“, sagt die engagierte Rentnerin erfreut. Der Zuspruch aus der Bevölkerung ist also da. Und auch die Politik hatte sich zum Thema positiv geäußert. Die Christdemokraten haben sogar ihren Wahlkampf dem Thema gewidmet. „Die neue Koalition aus CDU und SPD hat die schnellstmögliche Instandsetzung der Trauerhalle im Koalitionsvertrag festgeschrieben“, berichtet Hildegard Ott, Initiatorin der Vereinsgründung.

Aber der Verein möchte die Ruhestätte nicht nur erhalten, sondern in ihrer Nutzbarkeit erweitern. „Obertshausen hat so wenig Schönes“, sagt die frisch gewählte Vorsitzende. Das Gelände, zu dem auch das kleine Kapellchen gehöre, sei einer dieser raren, schönen Orte. Die Vision der Förderer: Die Ruhestätte zu einem Ort für „Besinnung und Begegnung“ machen. Dazu beitragen soll eine erweiterte Nutzung der Trauerhalle. Klassische Musikvorträge und Lesungen können sich die Initiatoren dort über die Trauerfeierlichkeiten hinaus vorstellen. Eine Zusammenarbeit mit etablierten Vereinen soll dies möglich machen. „Durch das geschlossene Auftreten als Friedhofsbefürworter bilden wir eine Lobby“, sagt Ott.

Und auch die katholische Kirche unterstützt: Pfarrer Norbert Hofmann bietet die Nutzung des Pfarrsaals als künftige Tagungsstätte an und bezeichnete den Förderverein als „Vorbild für Initiativen in Städten mit ähnlichen Problemstellungen“. Der einvernehmlich gewählte Vorstand besteht aus Hildegard Ott (Vorsitzende), Pfarrer Norbert Hofmann (stellvertretender Vorsitzender), Martina Diebel (Schriftführerin) und Hildegard Konrady (Kassiererin). Marianne Baier, Anne Knecht und Matthias Krug als Beisitzer mit beratender Funktion erweitern das Gremium. Darüber hinaus erhalten die Stadt als Träger des Friedhofs sowie die beiden großen Kirchengemeinden aus dem Ortsteil Obertshausen einen Sitz ohne Stimmrecht. Für die Kirche Herz Jesu sagt Carmen Lehmann, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, ihre Mitarbeit zu.

Anthony Giordano, CDU-Fraktionsvorsitzender, begrüßt die Gründung des Vereins. Der Friedhof sei ein „Stück Kultur“. Auch SPD-Fraktionschef Manuel Friedrich zeigt sich gegenüber der Initiative offen. Eine repräsentative Umfrage solle das öffentliche Meinungsbild zum Friedhof möglichst zeitnah abbilden.

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