Kerschensteiner-Schüler lernen Projekt „Reduse“ kennen

„Bewusster einkaufen“

Obertshausen - Joghurtbecher, Coladosen und Plastiktüten in den gelben Sack, die Reste vom Mittagessen in die Biotonne und verflossene Modetrends in den Altkleider-Container: Das beherzigen wohl die meisten der 300 Jugendlichen an der Georg-Kerschensteiner-Schule, die jetzt das Projekt „Reduse” des Vereins Multivision kennen gelernt haben.

Aber das Handy nach der Zerlegbarkeit auswählen? „Wir verbrauchen zu viel und zu schnell”, lehrt der flott gestaltete Film, „die Natur hat kaum Gelegenheit zur Regeneration”. Die Sequenzen beeindrucken mit nachvollziehbaren Informationen. So bestanden bis vor kurzem noch 50 Prozent der Schulhefte aus Altpapier, heute seien es kaum mehr zehn Prozent, „die Wälder werden weiter schrumpfen”.

Szenenwechsel: Kleidungsstücke aus Baumwolle sind gefragt. Doch damit das Naturprodukt rasch nachwächst, werden hochgiftige Substanzen versprüht. Die schädlichen Insekten seien dagegen mittlerweile resistent, die Bauern und Kinder auf Feldern und in Betrieben nicht.

Abwässer werden ungefiltert in Flüsse geleitet. „Zehn Badewannen Wasser werden für die Herstellung eines T-Shirts eingesetzt“, dazu Kinderarbeit und eine unfaire Entlohnung. Der Streifen in der Aula weist auch auf die Verwendung nicht nachwachsender Stoffe wie Kupfer, Eisen und Bauxit hin, für die „immer mehr immer schneller immer tiefer” gegraben wird. Wie lange noch?

Für die Herstellung von Mobiltelefonen und Tablett-Computern werden Erze, Kupfer, Bauxit und seltene Erden aus allen Teilen der Welt benötigt. Für manche werden Regenwälder abgeholzt und Tonnen giftigen Schlamms an die Umwelt abgegeben. Andere werden von Kindern bei großer Hitze aus tiefen Höhlen geborgen. „2050 fehlen diese Stoffe, wenn wir nicht recyceln”, heißt es. Dabei heben bereits Flugzeuge aus recyceltem Aluminium ab. Nun gelte es, das Handy so zu konzipieren, dass es in seine Bestandteile zerlegt werden kann, die dann der wiederverwertet werden können. Eine Aufgabe für Produktdesigner.

Ein weiteres Problem sei Plastik zur Verpackung, das nur kurz gebraucht und dann weggeworfen werde, aber hunderte von Jahren brauche, bis es zersetzt ist. Es verseuche Flüsse und Meere, im Atlantik treibe bereits ein Plastikstrudel so groß wie halb Europa.

„Wir müssen bewusster kaufen und Material in den Stoffkreislauf zurückführen”, mahnt Moderator Jonas Laß von Multivision, jeder könne etwas bewirken: Kaputtes reparieren, Geräte länger nutzen und teilen statt besitzen. Schüler schlagen vor, Einzelverpackung im Supermarkt abzulehnen, eigene Behälter mitzubringen, und direkt beim Bauer oder auf dem Wochenmarkt frische, regionale und saisonale Produkte zu kaufen. In Sachen Handy sind den meisten Schülern aber nach wie vor Marke, Kamera und Design wichtig. (M.)

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