Nach jahrelanger Diskussion und einem Jahr Bauzeit

Neu gestalteter Beethovenpark wiedereröffnet

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Gleich nach der offiziellen Eröffnung nahmen die Kinder die neuen Spielgeräte im Beethovenpark mit Begeisterung in Besitz.

Obertshausen - Ein „Dauerbrenner“ entpuppt sich als Schatzkästchen: Bürgermeister Roger Winter, der bisherige Erste Stadtrat Hubert Gerhards und Landschaftsarchitekt Klaus-Dieter Aichele eröffneten mit Scheren offiziell den neu gestalteten Freizeitpark an der Beethovenstraße. Von Michael Prochnow 

20 Jahre Diskussionen und ein Jahr Umbauzeit bedurfte es schließlich, resümierte Rathauschef Roger Winter am Samstag zur Eröffnung des neu gestalteten Beethovenparks. Zuletzt ragte der einstige Musik-Pavillon aus einer Asphalt- und Steinwüste, die als Rollschuhbahn geplant war. Der Minigolfplatz entlang der Theodor-Körner-Straße war bereits in den 1990-er Jahren geschlossen worden, der Kiosk am Eingang eher ein „Treffpunkt von Freunden des Hopfengetränks“, kristisierte Winter in seiner Rede.

Vom neuen, offenen Bild der Anlage sei er sehr angetan. Breite Wege mit wassergebundenen Decken ziehen sich durch leicht ansteigende Wiesen mit hölzernen Sitz- und Liegegelegenheiten, führen an den neuen Kinderspielplatz. Man müsste ihn aus der Vogelperspektive betrachten, um den Bezug zur einst vielfältigen Leder-Industrie in der Region zu erkennen. Die schräge, sich drehende holländische Scheibe mit den lockeren Lederbändern und die wellenförmige Holzlatten-Strecke zum Drüberlaufen stellen eine Armbanduhr dar. Die Pfosten der Elemente aus Kletter-Tauen bilden Ahlen. Durch die Ösen der kleinen Originale wurden die Fäden geführt. Zwischen den Seilen hängt das Symbol der Branche „Echt Leder“. Der Hügel im sandigen Braun, von dem eine breite Rutsche herab führt, gleiche einr Handtasche aus dem Hause Lederwaren Picard, erläutert Landschaftsarchitekt Klaus-Dieter Aichele.

Das Gelände zwischen den Gärten der Häuser ist für die ältere Generation ausgestattet. Die Seniorenhilfe stellte eine Bank zur Verfügung, die Stadt ließ verschiedene Bewegungsgeräte installieren, die bei der Eröffnungsfeier bereits großen Anklang fanden. Der Malteser Hilfsdienst begleitete die Feier mit einem Würstchengrill, der Vereinsring schenkte Getränke aus, die Kinder- und Jugendförderung lud kleine Gäste ein, sich mit auffälligen Hüten, Jacken und Blusen zu verkleiden.

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„Die Fläche ist sehr transparent“, erläuterte Hubert Gerhards am vorletzten Tag seiner offiziellen Amtszeit als Erster Stadtrat. Niedrige Büsche ermöglichten den Überblick und so eine soziale Kontrolle. „Es ist ein innerstädtisches Kleinod, kein Museum“, warb er um Verständnis, dass auch Müll und Lärm auftauchen werden. Zugleich erinnerte Roger Winter, dass es keine Einrichtung der Stadtverwaltung, sondern aller Bürger sei, die sie entsprechend pfleglich behandeln mögen. Gerhards bewertete die 6300 Quadratmeter große Anlage als „harmonisch und gut gelungen“. Er wünsche sich, dass sie von allen Generationen rege genutzt werde und die umliegenden Einzelhändler davon profitieren.

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Für den Streitpunkt haben die Kommunalpolitiker „viel Prügel einstecken“ müssen. Er erinnerte an den Spielplatz „Taka-Tuka-Land“, einem Schiff mit Palmen, das „nicht mehr ansehnlich“ war. Auch eine Randbebauung mit betreutem Wohnen und einem Hospiz war vorgesehen: „Heute wäre die Diskussion anders verlaufen“, meinte der scheidenden Politiker. „Es war eine schwere Geburt, fast eine Totgeburt“, sagte er, „aber irgendwann musste eine Entscheidung getroffen werden“. Das Projekt kostete acht Jahre Vorbereitungszeit, die beteiligten Firmen leisteten 5000 Arbeitsstunden, die Mitarbeiter des Bauhofs weitere 1000. Etwa 800.000 Euro kostete die Neugestaltung. Die Feier gestaltete das Werksorchester Karl Mayer mit, auch die Delegation aus der befreundeten Stadt Caravaca in Spanien nahm an der Eröffnung teil. Eine Weihe durch Pfarrer Norbert Hofmann und seinen spanischen Gast war allerdings nicht erwünscht.

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