Vorschlag der Grünen

Altkleider: Geld statt hässlicher Kästen

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Gute Tat und Kommerz nah beieinander: Ein Rotkreuz-Container in Nachbarschaft zu einem privaten am Egerländer Platz.

Obertshausen - Lassen sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen oder wird dabei ein zartes Pflänzchen platt gemacht? Die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen möchte die Stadt „Wildwuchs beseitigen und Geld verdienen“ lassen, indem die Altkleidersammlung von der Verwaltung organisiert wird.

Mit einer Mehrheit von 19 zu 15 Stimmen beauftragte die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat, bis März 2015 zu prüfen und zu berichten über die Aufstellung eigener Altkleider-Container. Mit gebrauchten Textilien könne wieder Geld verdient werden, teilte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Dr. Klaus-Uwe Gerhardt, mit. Er möchte dem „Wildwuchs der gewerblichen Container-Aufsteller“ begegnen und Einnahmen für den Stadtsäckel generieren. Dazu berichtete er aus Langen, wo bereits ein entsprechendes System installiert sei: Da die Kommune eine flächendeckendes Konzept verwirklicht habe, könne sie gewerbliche Altkleidersammlungen untersagen, informierte der Antragsteller.

Fremdfirmen drängen immer mehr auf den Markt, verschandeln mit ihren Containern zuweilen das Stadtbild und erwecken mit Aufklebern und Handzetteln den Eindruck, dass sie für Bedürftige tätig seien. Tatsächlich machten sie mit den Spenden der Bevölkerung aber nur selbst Kasse, habe es aus Langen geheißen. Behälter der Stadt würden für ein einheitliches Erscheinungsbild sorgen. Und mit den Einnahmen könnten die Abfallgebühren stabilisiert werden, argumentierten die Grünen. Mit den örtlichen Hilfsorganisationen solle kooperiert, keine Konkurrenz geschaffen werden.

Hildegard Ott von der CDU wies darauf hin, dass die Stadt keine Einfluss darauf habe, was auf privatem Gelände aufgestellt werde. Sammelnden Vereine könnte die finanzielle Grundlage für wichtige Projekte entzogen werden, wenn ihr Gewinn aus Alt-Textilien wegbricht, „das kann keiner wollen“. Die Sammlungen seien „Bestandteile eines gut funktionierenden Gemeinwesens“. Die Stadt müsste nicht nur Container anmieten, aufstellen und überwachen, auch die Weiterverwendung sei zu organisieren. Das mache Personal, Aufwand, Kosten notwendig. Elke Kunde (FDP) sah’s ähnlich. Die Altkleider-Verwertung sei keine hoheitliche Aufgabe. „Es ist gut, wie es ist“, sagte sie. „Es geht um die Lenkungsfunktion“, konterte Rudolf Schulz, Fraktionschef der „Bürger für Obertshausen“. Keineswegs solle ehrenamtliches Engagement in Abrede gestellt werden.

Korrekt gekleidet - Ökologisch und fair shoppen

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Jürgen Weber (CDU) bezweifelte, dass Rotem Kreuz, Maltesern und Kolpingern nichts weggenommen werde, wenn die Stadt in das Geschäft einsteige. Seine Parteifreundin Karina Döbert-Hase, die beim sammelnden Malteser Hilfsdienst aktiv ist, hatte sich informiert: Der Gewinn aus den MHD-Containern betrage maximal 3000 Euro im Jahr. „Das brauchen die Maltester aber auch“. Diese würden es begrüßen, den Wildwuchs einzugrenzen, aber nicht in der Form, dass die Kommune selbst unter die Sammler geht. Walter Fontaine (SPD) stellte fest, der Antrag sei „erledigt“, wenn festgestellt werde, dass caritative Verbände geschädigt würden. Bürgermeister Roger Winter sprach sich für die Prüfung aus. Sie wurde von Grünen, SPD und „Bürgern“ angenommen.

(M.)

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