Heinz Langhammer sieht Handlungsbedarf

Nassauische Heimstätte: Keine Renovierung im Idyll

+
Bei den schwarzen Stellen, meint Heinz Langhammer, handele es sich um Schimmelbefall. Auch sonst hat er an dem Haus in der Austraße einiges auszusetzen.

Obertshausen - Vor 30 Jahren bezog Heinz Langhammer mit seiner Familie eine Wohnung in der Austraße. Die meiste Zeit fühlte er sich dort richtig wohl. Nun sieht er dringenden Renovierungsbedarf. Im Gegensatz zur Nassauischen Heimstätte. Von Christian Wachter 

Heinz Langhammer wohnt eigentlich gerne an der Austraße. An diesem letzten Zipfel Hausen mit viel Grün vor der Türe und der Rodau direkt um die Ecke. Der Zustand des Hauses allerdings, in dem rund 60 Menschen leben, macht ihm zu schaffen. Er zeigt auf die schwarzen Stellen über und unter den Balkonen. Das sei Schimmel, sagt er, und niemand unternehme etwas dagegen. „Hätte man die richtige Farbe benutzt, wäre das wohl gar nicht erst passiert.“ Die Liegenschaft gehört der Nassauischen Heimstätte. Zwar wolle er die nicht schlecht machen, das sei ihm wichtig, allerdings fühle er sich schon länger nicht richtig ernst genommen. Oft tue sich nämlich auch dann nichts, wenn Mängel bekannt seien. Und Mängel weiß der 68-Jährige noch eine ganze Reihe aufzulisten.

Als im Sommer die Keller reihenweise voller Wasser standen, traf es auch das Haus in der Austraße. Es habe lange gedauert, bis sich die Heimstätte kümmerte habe, zudem sei auch noch eine Wartungsklappe nicht ordnungsgemäß repariert worden: „Dadurch ist dann natürlich noch mehr Wasser in den Keller geschossen, und die Risse im Boden machen das Ganze nicht besser.“ Auch die Grünflächen vor dem Haus betrüben ihn. „Alles ist verwildert, und ein Gärtner schaut nur selten vorbei“, so Langhammer. Die Bäume, deren Äste über das Grundstück ragen, könnten außerdem gefährlich für Kinder werden, falls mal ein Ast abbrechen und in den Sandkasten fallen sollte. „Aber wenn ich die Nassauische auf so etwas hinweise, bekomme ich teilweise nicht einmal eine Eingangsbestätigung.“

Vor 30 Jahren, erzählt Langhammer, habe das noch ganz anders ausgesehen. Er und seine Frau Karin waren damals überglücklich, die Wohnung im Erdgeschoss als Erstbezieher zu bekommen. Von ihren drei Söhnen ist einer körperlich und geistig beeinträchtigt. Er wohnt heute noch bei ihnen. Mit einem behinderten Kind, sagt er, sei es extrem schwer gewesen, überhaupt etwas zu finden. „Da waren wir für die Unterstützung der Stadt dankbar, die uns half, die Wohnung zu bekommen.“ Früher sei es auch wunderschön gewesen. Nach 30 Jahren aber, findet der Rentner, sei eine Renovierung notwendig. Bevor etwas repariert werde, schaffe man es aber lieber ganz ab. „Neben dem Sandkasten stand mal eine kaputte Bank, die wurde einfach entfernt; aber ich fahre im Auto doch auch nicht mit drei Rädern, nur weil ich einen Platten habe.“

Ein Traumhaus aus Stroh: Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen

Die Nassauische Heimstätte sieht das Haus in einem anderen Zustand. Durch die Nähe zu Wald und Wiese sei es naturgemäß etwas feuchter, argumentiert Pressesprecher Jens Duffner. „Die Fassaden weisen deshalb teils Algen- und Flechtenbewuchs auf, dabei handelt es sich aber nicht um Schimmel.“ Auch für die Bäume hat Duffner eine Erklärung: „Auf dem Nachbargrundstück stehen große, tatsächlich ungepflegte Bäume, deren Äste aufs Grundstück ragen.“ Wegen der Ortsrandlage gehöre das Nachbargelände aber nicht zur Stadt Obertshausen. Die erkläre sich also für nicht zuständig.

Bei den Unwettern habe es alleine im Gebiet des Regionalcenters Offenbach 90 Fälle von Wassereinbrüchen in Kellern gegeben. „Die Schäden konnten wir nur nach und nach abarbeiten.“ Eine Renovierung hält Duffner nicht für nötig: 30 Jahre sind für ein Gebäude eigentlich kein Alter, bei dem man schon an eine umfassende Modernisierung denkt, die ja auch wieder mietsteigernd wirkt.“ Einen Neubaustandard könne man bei einer Miete von 4,60 Euro pro Quadratmeter allerdings auch nicht erwarten.

Kommentare