Helfer suchen dringend Hilfe

„Oase“ von personeller Austrockung bedroht

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Die Oase suchte mit einem Infostand neue, gerne junge und über ein Auto verfügende Freiwillige.

Obertshausen - Trocknet die Obertshausener Oase noch vor ihrem zehnten Geburtstag aus? Die immer wichtiger werdende Lebensmittelausgabe für Bedürftige im Pfarrsaal von Herz Jesu dürstet nach frischen Kräften, die dienstags und mittwochs mit anpacken.

Ein neuer Spielstand, Tombola, Flohmarkt? Auf dem Tisch steht eine blaue Schüssel, gefüllt mit leeren Käseschachteln, Magarinetöpfen und Salatölflaschen. Ein Blick auf die Tafel beschreibt das Anliegen der beiden Damen auf der Terrasse des Herz-Jesu-Pfarrsaals: „Die Oase sucht Helfer!!!” Mit drei Ausrufezeichen, da muss wirklich Not am Mann herrschen. Etwa 80 Frauen und Männer bilden Fundament und Gerüst der segensreichen Einrichtung unter dem Dach der katholischen Kirchengemeinde an der Bahnhofstraße. Hiltrud Roth, langjährige ehrenamtliche Mitarbeiterin der Pfarrei und Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, kannte aus etlichen Begegnungen die Situation vieler Menschen in der „Kleinstadt mit Herz”, denen es trotz Sozialstaat am Notwendigsten fehlt.

Sie rief im Jahre 2007 mit einigen Mitstreitern die Lebensmittelausgabe ins Leben. Helfende Hände waren damals rasch gefunden. Zeitweise boten sich mehr als 100 Frauen und Männer an. Auch der Kontakt zu den örtlichen Supermärkten lief sehr erfolgreich. Also gehen seitdem einige Autofahrer dienstagabends nach Ladenschluss auf große Tour und sammeln die bereitgestellten Kartons mit den Überbleibseln an den Laderampen ein.

Die Geschäfte überlassen der Hilfsorganisation schnellverderbliche Waren, die nicht mehr den Ansprüchen für den Verkauf entsprechen, oder Artikel, die ihr Mindesthaltbarkeitsdatum fast erreicht haben. Produkte, die langfristig gelagert werden können, geben die Läden nicht her, sie müssen von der Oase zugekauft werden. Dafür werden die Spenden verwendet, die dem Team regelmäßig überbracht werden.

Nach dem Eintreffen der meist reich gefüllten Holz-Stiegen und Plastikkisten müssen die Gaben sortiert werden, manche Teile von Obst und Gemüse müssen gleich in den Bio-Müll, alle anderen werden verteilt. Rund 80 Familien versorgen sich allwöchentlich mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Waschmittel. Die meisten sind Hartz-IV-Empfänger, vor allem Rentner, informieren Marita Scheuermann und Cornelia Stenger. Im Winter kommen weniger Senioren, weil sie den Weg bis in die Kirchstraße meiden.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Viele Arbeitslose und Alleinerziehende zählen zu den Kunden, auch Flüchtlinge und manchmal Studenten. Einer von ihnen hat neulich eine Anstellung gefunden, „der kam zurück, einfach um sich zu bedanken”, freuen sich die beiden Frauen. Das Problem: Der Altersdurchschnitt der Helfer liegt bei 70 Jahren! Bis auf zwei Aktive, die mittwochs hinter den Theken stehen, befinden sich alle im Rentenalter. Die Oase braucht also dringend jüngere Leute, die Lebensmittel mit dem eigenen Auto abholen, die beim Sortieren, bei der Ausgabe sowie bei Auf- und Abbau helfen.

Interessierte schauen dienstags und mittwochs im Pfarrsaal vorbei oder rufen Hiltrud Roth an unter 06104/44576. (M.)

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