„Keine Doppelbelastung mehr“

Helmut Hiepe gibt SPD-Vorsitz ab

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Helmut Hiepe während einer Aktion am Bahnhof.

Obertshausen - Helmut Hiepe tritt nicht mehr an. Wenn sich die Mitglieder des SPD-Ortsvereins am morgigen Freitag versammeln, steht er nicht mehr als Vorsitzender auf der Wahlliste. Die Kommunalpolitik indes verlässt er damit keineswegs. Von Michael Prochnow

Als ehrenamtlicher Stadtrat möchte er sich nun auf die Arbeit im Magistrat konzentrieren. Feuerwehrmann war er eigentlich schon immer. Er stammt aus einer Feuerwehr-Familie, auch Vater und Großvater waren Brandschützer. Helmut Hiepe ist waschechter „Offebäscher“, absolvierte bei MAN-Roland eine Lehre zum Maschinenschlosser und wechselte 1964 zur Berufsfeuerwehr Offenbach, als sein Papa diese gerade verlassen hatte. Nie verlor er sein Ziel aus den Augen, auf der Wache an der Rhönstraße Karriere zu machen. Als er sie vor zehn Jahren verließ, wurde er als stellvertretender Amtsleiter in den Ruhestand verabschiedet. Jetzt konnte er endlich für die Partei aktiv werden, deren Parteibuch er seit 1960 besitzt. Diesmal war er „Feuerwehr“ bei der SPD am Wohnort Obertshausen, die 2007 einen Nachfolger für Jörg Schüßler an der Spitze suchte.

Hiepe verbrachte seine Jugend bei den „Falken“, wuchs zu einer Zeit auf, als seine Partei noch die absolute Mehrheit hatte. Das ist in Obertshausen anders, aber für einen wie Hiepe kein Grund, das Handtuch zu werfen. Hatte er zuvor ein neues Steuerungsmodell zur Modernisierung der Wehr entwickelt, strukturierte er nun die Vorstandsarbeit der SPD, erneuerte die Satzung, richtete Arbeitskreise ein und forcierte die Öffentlichkeitsarbeit.

Doch der Weg war steinig. Werner Friedrich erhielt als Kandidat der Sozialdemokraten bei der Bürgermeisterwahl 2008 kaum ein Viertel der Stimmen. „Da hab’ ich gemerkt, in Obertshausen gibt es noch Einiges zu tun, vielleicht kann ich mich da einbringen.“ Konnte der Vorsitzende: 2011 wurde er in die Stadtverordnetenversammlung gewählt, saß im Ausschuss Umwelt, Verkehr und Bau, wirkt bis heute im Aufsichtsrat der Beteiligungsgesellschaft Monte Mare mit, im Abwasserverband Untere Rodau, ist Mitglied der Kommission für die Stadtwerke und Ortsgerichtsschöffe.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Nach dem Tod von Roland Wenz im vergangenen Jahr nahm Hiepe dessen Platz im Magistrat ein. Seine Ernennung sieht er als „starken Vertrauensbeweis“ seiner Genossen. „Ich bin kein Typ, der sich reinwählen lässt, das Händchen hebt und die Aufwandsentschädigung mitnimmt“, erklärt der Politiker, „ich engagiere mich“. Allein der Magistrat tage zwischen 35 und 40 Mal im Jahr, „man muss recherchieren, braucht Fachkompetenz, um mitreden zu können“. Einen ähnlich hohen Zeitbedarf erfordere die Arbeit als Partei-Vorsitzender, Hiepe möchte die Doppelbelastung künftig vermeiden.

Und er kann Erfolge vorweisen. Kleine, aber zählbare: Bei der Übernahme des Ortsvereins lag die SPD Obertshausen in der Wählergunst noch unter 20 Prozent. Sein Ziel, zwei Sitze im Stadtparlament hinzuzugewinnen, hat Hiepe weder 2011 noch beim jüngsten Urnengang erreicht. Aber die Partei gewann in der Stadt zwei Prozent – im Gegensatz zu Kreis und Land. „Es ist sehr bedauerlich und enttäuschend“, resümiert Hiepe, dass Wähler nicht zwischen bundes- oder weltpolitischen Themen wie der Havarie der Kernkraftwerke in Japan oder dem Flüchtlingszustrom und kommunalen Fragen unterscheiden können. „Die Arbeit der SPD in Obertshausen ist vorzeigefähig, aber vom Wähler nicht in diesem Maße honoriert.“

Helmut Hiepe möchte als Magistratsmitglied die Lebensqualität für Menschen verbessern. Er sieht sich auch als großen Verfechter des Wegs, die Steuerbelastung auf das Notwendigste zu beschränken.

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