Peter Bruder war treibende Kraft

Herz Jesu Kirche verdankt ihre Existenz engagiertem Obertshausener

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Die Herz Jesu Kirche in Obertshausen

Obertshausen - Die Stadt steckt voller verborgener Schätze. Wer sich eingehender mit ihnen beschäftigt, entdeckt wie verzwickt die Geschichte der Gemeinde ist. Diese Woche stellen wir unseren Lesern die Herz Jesu Kirche vor. Von Yvonne Fitzenberger 

Mehr als 100 Jahre alt ist die Kirche im Neo-Barock- und Jugendstil. Bis sie so an der Bahnhofstraße stand, wie die Obertshausener sie kennen, hat es allerdings Jahrhunderte gedauert: ein Neubau, eine Umbenennung und schwere Kriegsjahre prägen die Geschichte des Gotteshauses. Besonders schwer traf sie die Zeit unter dem Nazi-Regime: „Du sollst nicht töten“ besagt das dritte Gebot des Christentums. Umso bitterer muss es für die katholische Gemeinde gewesen sein, dass 1938 eine der beiden Kirchenglocken eingeschmolzen wurde. Vermutlich um damit Waffen und Munition zu produzieren. Damit war es aber noch nicht getan: Ohne das Wissen der Pfarrei verkaufte die NSDAP einfach das Grundstück hinter dem Chorraum. Das ließen die Kirchenanhänger aber nicht auf sich sitzen und boten dem Käufer ein Alternativgrundstück an. Um zu verhindern, dass das wiederum rückgängig gemacht werden konnte, rissen sie direkt die Gebäude auf dem Gelände ab.

Der Bau der katholischen Kirche zum Heiligsten Herzen Jesu – so lautet der vollständige Name – ersetzt seit 1911 die Nikolaus-Kirche. Ihr Vorgänger wurde 1716 errichtet. Wie zur damaligen Zeit üblich umgab sie ein Friedhof. In den Jahren bis 1845 kämpften die Obertshausener Bürger darum, eine eigene Pfarrei zu erhalten. Zwar waren sie seit 1725 von Lämmerspiel getrennt – Hausen allerdings nicht – gehörten dann aber zu Heusenstamm. Nur alle drei Wochen schaffte der Pfarrer es, eine Messe in der Nikolaus-Kirche zu halten. Immerhin weihte der Weihbischof Christoph Nebel die Kirche dem heiligen Nikolaus im Jahr 1756 – ganze 40 Jahre später. Einen eigenen Pfarrer hatten die Bürger trotzdem nicht.

Den ersten Antrag auf eine eigene Pfarrei wurde 1840 gestellt. Allerdings scheiterte der Antrag, weil die Bürger fürchteten, selbst für die Pfarrei aufkommen zu müssen, womit sie gar nicht so falsch lagen: Kirchenvermögen gab es nicht. Erst Peter Bruder, der sich sein Leben lang für Obertshausen und seine Kirche eingesetzt hatte, schaffte es, dass eine Pfarrstelle eingerichtet wurde – in 1904 schließlich auch die Pfarrei. 1908 platzte die Nikolaus-Kirche dank der wachsenden Anwohnerzahl aus allen Nähten. Ein neuer Friedhof wurde bereits 1876 benötigt und am Rembrücker Weg errichtet – heute ist er der alte Friedhof.

Die Genehmigung für einen kirchlichen Neubau gab es dann 1910, nachdem Bruder die entsprechenden Behörden daran erinnerte, dass sie Obertshausen eine größere Kirche bereits versprochen hatten. Als 1911 dann der Bau begonnen hatte, wurden Teile der alten Kirche mit eingebaut: Der Türrahmen sowie ein Teil des Turms wurden erhalten. Auch der Taufstein fand seinen Platz in dem Neubau wieder. Sie errichteten die Außenverkleidung im damals modernen Neo-Barockstil, das Innere prägt bis heute der Jugendstil.

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Die Kirche erhielt ihren Namen durch Peter Bruder. Auf seinen Wunsch hin wurde sie dem Herzen Jesu gewidmet. Der Schutzheilige der Kirche blieb Nikolaus. Erzbischof Georg Kirstein weihte die Kirche im Juni 1912, fertig war sie aber noch lange nicht. Der Bau verursachte zu hohe Kosten. Es fehlten selbst ein Jahr später Altäre, Kanzel und Orgel. Wohnhäuser, die später gekauft wurden, beengten das Gotteshaus. Durch den Verkauf zweier Glocken und alter Orgelpfeifen konnte 1916 die Pfarrei immerhin eine neue Orgel kaufen.

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