Neuer Zuwachs im Werkstattmuseum

Historischer Grenzstein entdeckt

Ein ganz besonderer Stein ruht jetzt auf dem Hof des Werkstattmuseums. - Foto: M.

Obertshausen - Mitarbeiterinnen des Heimat- und Geschichtsvereins haben einen Grenzstein des Deutschen Ordens aus dem 14. Jahrhundert wiederentdeckt. Von Michael Prochnow

Er schlummerte unbemerkt auf dem Gelände des Karl-Mayer-Hauses und erzählt nun auf einer eigenen Fläche im Hof von der Hausener Historie.

Für ihn ließ der Vorstand das Gestrüpp aus Efeu im Hof des Werkstattmuseums lichten und eine halbrunde Fläche aus hellen Kieselsteinen anlegen, begrenzt von blau-grauen Basaltplatten. Wie ein Monument ragt der Grenzstein nun aus dem Grund. Ein symmetrisches Kreuz ist eingehauen. In vier Feldern sind die Buchstaben „C“ und „F“ zu lesen, die Zahlen „17“ und „30“. Die Lettern stehen für eine Abteilung des Deutschen Ordens, den „Commende Frankfurt“, die Zahlen weisen auf das Jahr 1730, als die Gemeinschaft ihre Liegenschaft in der Hausener Gemarkung vermessen ließ, fand Otto Lechens, Chronist und Mitbegründer des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) heraus. Vor allem auf Grundlage seiner Erkenntnisse verfassten Professor Klaus Werner und Jörg Füllgrabe eine neue „Chronik der Stadt Obertshausen“.

Die liegt mittlerweile seit fast einem Vierteljahrhundert unbearbeitet im Büro des HGV.

Ein ähnliches Schicksal ereilte auch den Grenzstein, der bereits im Juni 1984 bei den Arbeiten an der neuen Brücke für den vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 448 aus der Rodau geborgen wurde. Die Heimatzeitung zeigt den damaligen Leiter des Bauhofs, Gerhard Henderkes, mit dem schwergewichtigen Zeitzeugen.

Der damalige Stadtrat und Landwirt Georg Rudolph hatte den einstigen Rektor der Waldschule und Heimatforscher Josef Seuffert informiert, der das Fundstück einordnen konnte. Rudolph hatte nämlich schon einige Jahre zuvor zwei gleichartige Grenzmarkierungen auf seinen Feldern gefunden.

Die Liegenschaften auf der Gemarkung der früheren Gemeinde Hausen gehen auf Schenkungen von Philipp von Flakenstein-Münzberg im Jahre 1328 zurück. Das belegen Urkunden, die Lechens in Archiven ausgewertet hat.

Weil der sandige Boden des Gräfen- oder Grafenwaldes wenig ertragreich ist, sollte das Gelände zwischen Bauerbach und Rodau, Tannenmühle und der Ortsgrenze mit Weiskirchen an die öffentliche Hand überführt werden.

Die Jahreszahl auf dem Stein war stets auf den Besitz gerichtet. Abgesehen davon, dass allein das Gewicht kaum ein Versetzen zuließ, befanden sich unter solchen Steinen „geheime Unterlagen“. Die damals unbeschädigt aufgefundenen Tonscheiben mit den Symbolen des Commendes haben die Hobby-Historikerinnen allerdings nicht bei dem Stein gefunden.

2100 Euro hat der Verein in die Hand genommen, um die Anlage um den Grenzstein von einem Gartenbetrieb gestalten zu lassen -- obwohl das Karl-Mayer-Haus der Stadt gehört, sagt Mitinitiatorin Birgitt Höf. Das Exponat kann nach der Sommerpause zur Jazz-Matinée am 28. August besichtigt werden.

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