Parkplatz-Mangel am Rembrücker Weg

Knöllchen nach dem Trauspruch

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Obertshausen - Eine Hochzeit kann ganz schön teuer werden. Nette Räume, leckeres Essen, flotte Dekoration, gute Musik. Da kommt so einiges zusammen. Eigentlich nicht eingeplant: Die Begleichung von 30 Knöllchen. Von Jörn Polzin 

Auf die „Grußkarten“ vom Ordnungsamt hätten die frisch Vermählten und ihre Gäste gerne verzichtet. Statt einer Spende für die Flitterwochen gab es einen unfreiwilligen Segen für die Staatskasse. „Ich bin stinksauer“, schimpft Norbert Heil, der mit seiner Tochter bei der Hochzeitsfeier im Hühnerhof zugegen war. Die Tochter als Gast, er als Musiker. Wie so häufig. Denn Heil, Mitglied der benachbarten Naturfreunde, verpasst kaum eine der Musikveranstaltungen in der Umgebung. Diesen Abend wird der Obertshausener jedoch in schlechter Erinnerung behalten. Wie die meisten Gäste hatte auch seine Tochter den Wagen auf dem Grünstreifen am Rembrücker Weg südlich der Autobahn abgestellt, wo unter anderem Kleingärtner und Naturfreunde residieren.

„Wenn Veranstaltungen stattfinden, müssen die Gäste mangels Alternativen dahin ausweichen“, betont Heil. Das Parken am Fahrbahnrand ist jedoch untersagt, das ist den meisten Anliegern bekannt. Auch Heil. Für den Obertshausener ist das Parkverbot aber unzureichend gekennzeichnet. Zudem seien die Ordnungsmächte bislang bei der Ahndung zurückhaltend aufgetreten, hätten alles nicht so eng gesehen. Bis zum Tag der Hochzeitsfeier. „So massiv ist es das erste Mal vorgefallen. Das ging richtig in die Hose“, wettert Heil.

Weit mehr als die zu verschmerzenden zehn Euro Bußgeld wurmt ihn das Verhalten eines Polizisten von der Heusenstammer Wache. Der habe sich nicht nur in dieser Situation wie ein aufbrausener Sheriff aufgeführt. Zudem sei die Situation längst bekannt, aber kein Umdenken erfolgt. „Die rechtliche Situation ist bedauerlich“, sagt Heil. Seine Anregung: „Es sollte ein Parkstreifen gelegt werden.“ Mit diesem Anliegen wurde er nach der Knöllchen-Flut auch im Hausener Rathaus vorstellig. „Man kennt die Problematik, kann aber nichts unternehmen“, lautete die für ihn ernüchternde Auskunft.

Viele Autos, wenig öffentliche Parkplätze. Auch bei den benachbarten Kleingärtnern kennt man das Problem. „Irgendwo müssen die Gäste ja parken“, betont der Vorsitzende Siegfried Wilz. Eine Ausweitung der Parkflächen ist aus seiner Sicht aber nicht erforderlich. Großveranstaltungen wie das dreitägige Sommerfest der Gärtner seien eine „Ausnahmesituation. An den andern 362 Tagen im Jahr kommen wir zurecht“.

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Etwa 80 Prozent der Pächter hätten die Möglichkeit, auf dem Areal zu parken. Nachts seien die Stellflächen auf dem Gelände aus Sicherheitsgründen geschlossen. „Es ist nun mal alles Landschaftsschutzgebiet, damit müssen wir leben“, betonte Wilz. Auch er habe zuletzt Polizeiwagen beobachtet. Eine Verschärfung der Kontrollen am Rembrücker Weg gibt es laut Harry Keckeis, Leiter der Polizeistation Heusenstamm, aber nicht. Grundsätzlich sei Parkverbot nun mal Parkverbot. Und Knöllchen ließen sich nicht zurücknehmen. Um die Anzahl der abgestellten Wagen zu reduzieren rät Keckeis zu Fahrgemeinschaften. Er kündigte an, sich vor Ort ein Bild machen zu wollen und dann das Gespräch mit der Stadt zu suchen.

Für die frisch Vermählten bleibt der Vorgang ärgerlich. Wie Heil informiert, will das vom schlechten Gewissen geplagte Brautpaar die Kosten für sämtliche Knöllchen übernehmen. Ein Hochzeits-Andenken, das sie nicht unbedingt gebraucht hätten.

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