189 Veranstaltungen: Der Flohmarkt im Bürgerhaus

Immer etwas Neues anzubieten

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Auch bei der 189. Ausgabe des Flohmarkts im Bürgerhaus konnten sich die Besucher wieder auf eine große Auswahl freuen. Seien es Katzenfiguren oder alte Telefone. Wer als Verkäufer da ließ, was er nicht an den Mann oder die Frau bringen konnte, hatte sogar die Möglichkeit, Gutes zu tun.

Obertshausen - In vier Wochen feiert der Flohmarkt im Bürgerhaus seine 190. Ausgabe. Das Erfolgsmodell war 1982 landauf, landab die einzige Version, die regelmäßig im wettergeschützten Saal lief. Darauf sind die Macher bis heute stolz. Von Michael Prochnow 

Auch am Samstag fanden sich wieder zahlreiche Aussteller und Schnäppchenjäger ein. Nicht immer herrscht Hochbetrieb an den rund 60 Ständen im großen Saal und im Foyer. Erfahrene Beschicker haben da ihre Rituale, um die Zeit zu nutzen. Stricken, Mohrrüben knabbern oder Nachrichten auf dem Telefon verschicken. Wenn die Türen des gläsernen Eingangsturms an der Tempelhofer Straße um 8 Uhr aufgeschlossen werden, stehen die Verkäufer Gewehr bei Fuß. „Um Viertel vor sieben stehen nur ein paar Leute auf der Treppe“, beschreibt Guido Wilbert die Spannung bis zum Startschuss. Zehn Minuten später aber drängen sich etwa 150 Personen am Einlass, „die stehen bis zum Blumenbeet“. Dann müssen auch die Flohmarkt-Macher hellwach sein, damit keiner an der Theke vorbeihuscht, ohne einen Euro zu bezahlen.

Aber die Mannschaft kennt ihre Pappenheimer. Schon bevor Wilberts Frau Britta den Markt vor acht Jahren von Nada Christoph übernommen hat, war die ganze Familie dabei und half bei Auf- und Abbau, Kassieren und den Anmeldungen. Wer heute verkauft, kann erst im Januar wieder Tische bekommen, lautet die Regel. Damit kommen auch andere Flohmarkt-Freunde zum Zug. Und für die Besucher ist Abwechslung gewährleistet.

Die wahren „Profis“ sind allzeit bereit. Ilona Niebeling war schon bei einer der ersten Ausgaben vor fast 35 Jahren dabei. Bei ihr stehen Koffer und Kartons fertig gepackt in der Garage. Wird überraschend ein Tisch frei, lädt sie zwei Behältnisse in den Kofferraum und muss im Bürgerhaus nur aufstellen. Los geht’s. Der erste Schwung Kunden schwirrt schon durch die Reihen, viele steuern ganz gezielt bestimmte Auslagen an.

Die mit den hübschen Käthe-Kruse-Puppen zum Beispiel. Oder die drolligen Teddys mit den Kulleraugen. Eine ganze Reihe von Teilnehmern zieren ihre Auswahl mit den knuffigen Pelztieren. Ein Spezialist für Modelleisenbahnen zieht gar ganze Fan-Gemeinden an – wo er auspackt, treffen sich die Sammler. Flohmarkt-Freundin Niebeling hat ganz unspektakulär Bücher, Hausrat und Klamotten dabei: „Ich kann nichts aufheben“, gesteht sie. Aber gehen Hosen, Mokassins und Nudelholz? „Heute ist’s sehr gut gelaufen“, strahlt die Obertshausenerin. Das Geheimnis dieses Erfolgs kennt sie allerdings auch nach Jahrzehnten nicht. Mal klappt’s gut, mal nicht so. „Du musst immer was Neues anbieten“, wäre so ein Tipp.

Auch das Sortiment von Renate und Roland Seitz aus Hainburg ist vielfältig. Leere Flaschen für Speiseöl oder Schnaps, ein Telefon oder ein Taschenbuch gefällig? Die Klein-Krotzenburger haben zwei Söhne und vier Enkel - „da fällt viel ab“. Was am besten geht? „Wenn’s draußen stürmt und schneit“, hilft Guido Wilbert, „dann haben wir mehr Besucher!“. „Einmal waren die Straßen eisig-glatt, aber drinnen klingelten die Kassen.

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Manfred Christoph hat die Idee vom Hallen-Flohmarkt geboren. Weil er in der Offenbacher Stadthalle fünf D-Mark Eintritt zahlen musste. In Hausen war es eine, jetzt ist’s ein Euro. Er erinnert sich noch gut, als „Otto“ die Bummler erschreckte, ein lebensgroßes Skelett. Seine Nachfolger freuen sich, dass das Internet den Markt nicht kleingekriegt hat: „Hier kannste alles anfassen“, das alte Tonbandgerät an die Steckdose anschließen und das Sommerkleid in der Toilette anprobieren.

Und Beschicker, die ihre Kleiderständer nicht mehr nach Hause transportieren wollen, lassen die Ware einfach da: Früher gingen die gut erhaltenen Textilien in die Kleiderkammer des Roten Kreuzes. Heute bringt sie die Familie Bodea mit der Aktion Obertshausen hilft Oberwischau“ zu bedürftigen Familien in Rumänien.

Infos bei Familie Wilbert unter: 06104/955531 oder online auf www.flohmarkt-obertshausen.de.

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