Mit Temposchub auf Telekom-Kosten muss Stadt 44.000 Euro nicht ausgeben

Schnelles Internet: Runter vom Standstreifen

Obertshausen - Die Stadt Obertshausen muss die 44 000 Euro, die sie für den Ausbau des Breitband-Internets reserviert hat, nicht ausgeben. Spürbar flotter soll der Datendurchsatz trotzdem werden. Die Telekom will die lahmen Leitungen auf eigene Kosten verbessern. Von Marcus Reinsch 

Gemessen an heutigen technischen Maßstäben dürfte es für die Überholspur auch künftig oft nicht reichen. Doch perspektivisch können sich die Obertshausener wohl zumindest vom Standstreifen der Datenautobahn wagen. Die Telekom hat angekündigt, aus der eigenen Tasche in den Temposchub fürs Internet zu investieren. Wann genau, hat sie nicht gesagt. Eine Konkretisierung im Kalender will Bürgermeister Roger Winter folgen lassen. Eine Machbarkeitsstudie von Kreis und Stadt hatte vor drei Jahren ergeben, dass 95 Prozent der Haushalte in Obertshausen mindestens 16 Megabit Daten pro Sekunde (MBit/s) aus ihren Internetleitungen saugen können. Im Vergleich zu ländlichen Gegenden, in denen ein Ausbau des Breitbandnetzes gefördert wird, ein sehr gutes Ergebnis. Wenigstens für damalige Verhältnisse, was auch dem Wettbewerb zwischen der Deutschen Telekom und dem Kabelnetzbetreiber Unitymedia zu verdanken war.

Allein: Theoretisch ginge es noch viel schneller. Doch dafür bräuchte es statt der bremsenden Kupferkabel mehr viel leistungsfähigere Glasfaserkabel. Und deren Verlegung ist teuer. „Ein öffentlich geförderter Ausbau des Glasfaserinternets kam aufgrund der guten Versorgung aus rechtlichen Gründen nicht in Betracht“, erinnert Bürgermeister Roger Winter. Doch auf vermeintlich guten Werten wollte er sich nicht ausruhen. Vor allem, weil er Lücken im Netz kennt. „Gerade mit Blick auf die Wirtschaft muss ein Zugang zu schnellen Internetverbindungen sichergestellt sein – und bei am Stadtrand und weit von Hauptverteilern gelegenen Gewerbegebieten ist das noch nicht komplett der Fall.“

Obertshausen beteiligte sich wie alle anderen Kommunen im Kreis an einer gemeinsamen Initiative. Deren Ziel war und ist es, in jeder Stadt des Kreises die Lücken in der Breitbandversorgung zu schließen. Zusammen begann ein Vergabeverfahren, das noch nicht abgeschlossen ist, aber erste Früchte trägt. Denn die Telekom hat mittlerweile versprochen, in 95 Prozent des Kreisgebiets und damit auch in Obertshausen im Eigenausbau Breitbandinternet bereitzustellen. Damit, heißt es aus dem Rathaus, „rücken Anschlüsse mit 30 Mbit/s und mehr in greifbare Nähe“. Teils scheinen auch bis zu 100 Mbit/ möglich.

20 Tipps: Sicher surfen und telefonieren

Kosten wird das die Stadt nichts. „Wir hätten uns ohne die Ankündigung der Telekom bei einem kreisweiten Lückenschluss mit 44.000 Euro an einem Ausbau beteiligen müssen“, erklärt Winter. „Jetzt müssen wir uns nur an den Kosten des Vergabeverfahrens beteiligen.“ „In Sachen Breitband haben wir zusammen erreicht, was einzelne Kommunen bei der Telekom nicht erreicht hätten.“ Das Thema solle auch in Zukunft einen hohen Stellenwert haben. Denn der schnelle Ausbau werde durch den Einsatz der sogenannten Vectoring-Technik ermöglicht. Die erlaube höhere Datenübertragungsraten in bestehenden Netzen. Das allerdings könne „auf Dauer nur eine Übergangstechnik sein“, meint Winter. „Im Vergleich zu anderen Standorten bekommen wir nun wieder einen Vorteil, doch langfristig führt am Ausbau mit Glasfasernetzen kein Weg vorbei.“

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare