Ärger am Wegesrand

Kahlschlag am Spazierweg löst Debatte aus

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Vor einiger Zeit wurden am Waldpark rigoros Hecken, Gebüsch und Gewächse entfernt. Die Folgen sind noch heute im öffentlichen Diskurs zu spüren.

Obertshausen - Im wortwörtlichen Sinne ist mittlerweile Gras über die Sache gewachsen, aber Bürger und Naturschützer zweifeln, ob sich die Stadt an alle Umweltschutzvorgaben gehalten hat. Von Rebecca Röhrich 

Vor geraumer Zeit wurde am Spazierweg des Waldparks radikal gemäht, Sträucher und Hecken bis auf die Wurzeln runtergerissen. Die SPD wünscht, dass aus der Geschichte die richtigen Lehren gezogen werden. Richtig geärgert haben sich einige Hausener, als sie vor wenigen Wochen auf ihrem Spazierweg an der Westseite des Waldparks das Ergebnis der Pflegearbeiten entlang des Weges sahen. Auf mehreren Hundert Metern waren im Auftrag der Stadt Brombeerbüsche, Sträucher und Bäume entfernt worden. Das Ergebnis waren auf beiden Seiten etwa zwei Meter breite Schneisen, aus denen die Überreste von Wurzelwerk herausragten. Eine Leserin bezeichnete das Ergebnis in einer E-Mail gar als „mutwillige Zerstörung“. Zumal der Verdacht bei Bürgern und Naturschützern aufkam, dass dabei auch frisch gepflanzte Bäumchen wieder herausgerissen wurden. Die seien dort vor einigen Jahren gepflanzt worden, um den verlorenen Baumbestand, der Wasserfilter und Auffangbecken weichen musste, wieder auszugleichen.

Auch die Naturschützer des Nabu-Ortsverbands riefen die Mäharbeiten der Stadt auf den Plan. Der Vorsitzende Peter Erlemann wundert sich nicht nur über die großzügige Entfernung von Flora und Fauna, sondern kritisiert vor allem den Zeitpunkt des „Mulchens“, wie das Mähen von Randgebieten im Fachjargon bezeichnet wird. „In Brombeersträuchern nisten viele Erdbrüter“, erzählt er. Erlemann sorgt sich, dass Eier und Jungvögel, beispielsweise der Mönchsgrasmücke, schwerem Gerät zum Opfer gefallen sein könnten.

Eine Sorge, die für die Leiterin des verantwortlichen Fachbereichs, Cornelia Holler, unbegründet ist. Grundsätzlich halte man sich an die Brut- und Setzzeit. Die Tiere würden ohnehin nicht an Wegen nisten. Das Mulchen würde außerdem auch den Tieren zugutekommen. Auch Büsche und Bäume müssten regelmäßig zurückgeschnitten werden, damit sie die Spaziergänger nicht gefährden. Dies sei Teil der Verkehrssicherungspflicht. Auch Bedenken, dass bei den Arbeiten junge Bäume zu Schaden gekommen seien, widerspricht die Leiterin. Diese ständen „weiter hinten“. Alles gut also. Nur ein Missverständnis und ein Mangel an Information vonseiten der Bürger und Tierschützer.

Das soll sich in Zukunft ändern. Die SPD-Fraktion folgte nun dem Wunsch des Nabu, gemeinsam über Umwelt- und Artenschutz in Oberts-hausen zu sprechen. Auch dem Vorschlag der Naturschützer, sich in einem Verband anderen im Naturschutz engagierten Städten anzuschließen, stehen die Sozialdemokraten offen gegenüber. Denkbar wäre hier zum Beispiel das Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“, dem bereits über hundert Kommunen in ganz Deutschland angehören.

Denn auch aufgrund des Mulchens am Spazierweg, ist der Nabu in Sorge, dass der Schutz von Artenvielfalt auf der Strecke bleibe. SPD-Fraktionsvorsitzender Manuel Friedrich empfand das Treffen als „konstruktiv“. Seine Partei werde die Ideen des Nabu in den Sitzungen des Umwelt- , Verkehrs- und Bauausschusses vorstellen. Peter Erlemann hofft indes, dass sich die Sträucher und Gebüsche bald wieder erholt haben. Und dass die Artenvielfalt in der Stadt erhalten bleibt.

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