Kern in Hausen

Eine Scheibe abschneiden

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Obertshausen - Auch wenn es noch Potenzial gibt für Verbesserungen: Die große Kerb des Vereinsrings ist ein Erfolgsmodell. Es eint die Zusammenarbeit von Vereinen und die Pflege von Brauchtum. Von Michael Prochnow 

Dazu stand die Hausener Kirchweih wieder unter einem guten Stern, blieb weitgehend vom Regen verschont. Was hat der Kerbborsch mit Nico Kovac zu tun? Pfarrer Christoph Schneider, bekannt für die Vermittlung der christlichen Botschaft mit Überraschungseffekt, warf sich gleich zu Beginn des Festgottesdiensts in St. Pius einen Eintracht-Schal um den Hals. Der bekennende Fan der Frankfurter wies damit auf den Fußball-Trainer und bekennenden Christen Kovac hin, der dem Glauben ein Gesicht verleiht.

Der Seelsorger knüpfte an das Evangelium an: „Jesus diskutiert nicht, er schmeißt Händler und Geldwechsler aus dem Tempel.“ Den wolle er abreißen und in drei Tagen wieder aufbauen, womit er letztlich auf sich selbst hinwies, der drei Tage nach seiner Kreuzigung auferstand. Die Gläubigen und Kerbbesuchern rief der Seelsorger auf, sich ebenso klar und konsequent zu positionieren, zu Hoffnungsträgern für andere Menschen zu werden.

Zuvor wurde der Kerbborsch auf seinem Stuhl erstmals in das Gotteshaus geführt, womit die Gastgeber auf die Bedeutung der Tradition hinwiesen. Und wer genau hinsah, erkannte ein Gesangbuch in der Hand des Herrschers, der vom Blasorchester der Turngesellschaft auf seinen Platz im Altarraum geführt wurde. Mit ihren Fürbitten baten Mitglieder des Vereinsrings für Menschen, die Verantwortung in Politik und Vereinen haben, für Flüchtlinge und ihre Helfer – und für Autofahrer, die in den Staus auf der A3 stehen.

Bilder: Kerb in Hausen

Die Kerb an der Gumbertseestraße entpuppte sich als ein kleines Musik-Festival. Den Gottesdienst begleitete die Pfarrei-Band Spontan mit exzellenten Musikern und beachtlichen Stimmen, sie verliehen der Feier eine besondere Note. Draußen spielte noch einmal das Blasorchester auf, bevor die Dietzenbacher Band Roxone zum Kerbtanz unter freiem Himmel aufforderte. Ihre starke Interpretation von Welthits brachte einen weiteren Höhepunkt vor den beleuchteten Kirchtum.

Luis Galvez vom Vereinsring begrüßte viel Prominenz vorm Freibier-Fass. Vor allem aber sieben Vereine, die seit dem Start die neue Kerb-Tradition tragen: TGS Hausen, Eventclub Just4Fun, Reservisten, Sängerlust, Zentralverein für Bürowirtschaft und Kolpingfamilie Hausen. Bürgermeister Roger Winter dankte „aus tiefstem Herzen“. Er wisse, wie schwer es sei, Gruppen zusammenzubringen, „von eurem Engagement können sich manche große Vereine eine Scheibe abschneiden“. Wenn es bei der einzigen Feier im Jahr auf dem Kirchplatz „auch mal etwas lauter wird, dann muss eine Stadt das auch akzeptieren“, sonst würde im Ort gar nichts mehr laufen. Er rief die Einwohner auf, die Angebote zu nutzen und das Fest zu besuchen, „nur so können wir Obertshausen attraktiv halten“.

Bilder von der Kerb in Hausen

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